3 Fragen an...

Oliver Bierhoff

Direktor Nationalmannschaften und DFB-Akademie

Trainerentwicklung
  1. Ehemaliger Nationalspieler und heutiger Direktor Nationalmannschaften und DFB-Akademie

    • absolvierte 70 Länderspiele für Deutschland und erzielte dabei 37 Tore.
    • wurde 1998 in der Seria A (Italien) Torschützenkönig und Fußballer des Jahres.
    • ab dem 29. Juli 2004 war Bierhoff als Manager der Nationalmannschaft tätig, ab 2018 Direktor Nationalmannschaften und Akademie und seit 2022 Geschäftsführer Nationalmannschaften und Akademie.

1) „ZURÜCK AN DIE WELTSPITZE“ – Welche Rolle spielen die Trainer*innen beim Erreichen dieser ambitionierten Ziele?

Zukünftige Spieler*innen von Weltklasseformat bekommen wir nur durch hochqualifizierte Trainer*innen auf allen Ebenen des Ausbildungsprozesses vom Kinderfußball im Verein bis zur Eliteförderung in unseren Nationalmannschaften! Diese Schlussfolgerung ist sicherlich nicht neu, nur müssen wir diese Forderung in Zukunft noch systematischer und konsequenter umsetzen. Das betrifft die vor allem die Ausbildung und Weiterqualifizierung unserer Trainer*innen und Expert*innen, um letztlich in die konkrete Ausbildungspraxis weiter zu optimieren! Wir müssen auch hier bestmögliche Qualität und Effizienz erreichen, um das vorhandene Potenzial in unserem Fußball – auf Seiten der Spieler*innen, aber auch Trainer*innen-Talente maximal auszuschöpfen!
Und das alles im engen Zusammenspiel mit der DFB-Akademie als Wegbereiter und Impulsgeber! Sport- und trainingswissenschaftliche Studien, aber auch umfangreiche Benchmark-Analysen zur Talent- und Eliteförderung bzw. zur Trainer*innen-Qualifizierung sind dabei konsequent nach Impulsen auszuwerten, die unser System weiter optimieren können. Diese Analyse umfasst einerseits den internationalen Fußball, andererseits aber auch das systematische Erkennen innovativer Prozesse und Strukturen im nationalen Fußball, z.B. bei Leistungszentren und Landesverbänden.

2) Was bedeutet das konkret?

Wir definieren vorab konkrete Schwerpunkte und Fragestellungen für ein zielorientiertes Benchmarking wie z.B. Strategien, Konzepte und Praxis-Impulse zur Persönlichkeits- und Kreativitätsförderung junger Spieler*innen oder Möglichkeiten einer effizienten Spieler*innen-Trainer*innen-Kommunikation. Auch das aktuelle Projekt der „Positionsprogramme“ ist die Konsequenz einer Defizit-Analyse vorab und einer zielgenauen  Konzept-Erarbeitung durch unsere DFB-Trainer/-Experten einschließlich der Einbindung externen Knowhows.
Die zentrale Herausforderung ist es, diese Innovationen und Konzeptionen schnellstmöglich in die konkrete Praxis auf allen Ebenen der Talent- und Eliteförderung zu bringen! Dabei ist die enge Verbindung mit der Aus- und Weiterbildung unserer Trainer*innen der zentrale Schlüssel. Mit der Einrichtung eines speziellen Ausbildungsweges für Junioren-Trainer*innen ist dieser Praxis-Transfer in Zukunft noch zielgenauer möglich. Diese Chance müssen wir konsequent ergreifen!

3) Ein funktionierendes Wissensmanagement zwischen Experten-Projekten, Benchmark-Analysen, Modulen der Trainer*innen-Ausbildung usw. ist auch hier ein Erfolgsfaktor – richtig?

Exakt - Der Wettlauf um eine Spitzenposition im Weltfußball setzt bereits beim Wettbewerb um die besten nationalen Talentförderstrukturen, Ausbildungskonzepte für Trainer*innen und Expert*innen, Leistungssportstrukturen usw. an. Umso wichtiger ist es, hier der Konkurrenz stets einen Schritt voraus zu sein!
Deshalb muss dieses Wissen in Zukunft noch intensiver ausgetauscht, analysiert und kommuniziert werden! Eine spezielle Herausforderung ist es dabei, das zumeist persönliche, „organisationsinterne” Wissen der Experten und Instanzen im deutschen Fußball für alle zu kommunizieren und damit das komplette System auf eine neue „inhaltliche Qualitätsstufe” zu bringen!
Das betrifft eben auch eine enge Vernetzung mit dem System unserer Trainer*innen- und Expert*innen-Ausbildung, da wir hier die zentralen Multiplikatoren direkt erreichen, die unsere Spieler*innen auf dem Weg zur Weltklasse begleiten!