Kolumne

Ziegler: "Neue Wege im Spezialcoaching"

10.04.2019
Philipp Reinhard/Grafik DFB

Experten-Kolumne auf DFB.de: Sportliche Leitung und Trainer vermitteln Hintergründe rund um den DFB-Nachwuchs und die DFB-Teams. Regelmäßig, authentisch und mit aktuellem Bezug. Heute: der DFB-Torwartkoordinator Marc Ziegler. Er gibt einen Einblick in die Themen beim Torwart-Elite-Camp und erklärt, wie eng dabei mit den Vereinen und Leistungszentren zugunsten der Torhüterausbildung in Deutschland zusammengearbeitet wird.

Insgesamt 24 Nachwuchstorhüter haben auf Einladung des DFB das Torwart-Elite-Camp in Bad Gögging absolviert. Zum fünften Mal fand dieser Lehrgang für die jeweils vier besten Torhütertalente von der U 15- bis zur U 20-Nationalmannschaft statt. Der Lehrgang hat bundesweit inzwischen einen hohen Stellenwert - sogar Experten aus dem Ausland schauen vorbei, weil wir damit neue Wege im Spezialcoaching eingeschlagen haben. In jahrgangsspezifischen Gruppen arbeiteten die jungen Keeper mit den DFB-Torwarttrainern an ihren Fertigkeiten. Die übergeordneten Themen? Zielverteidigung und Offensivspiel. Im Detail steckt allerdings noch viel, viel mehr dahinter.

In den vier Camp-Tagen verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Auf dem Rasen arbeiten wir mit den Jungs an unterschiedlichen Schwerpunkten. Torwarttechniken, Torwarttaktik, Präsenz im Raum und das Mitspielverhalten. Ergänzt wird das Programm durch mehrere Videoanalysen, damit wir mittels visueller Unterstützung den Jungs gezielt aufzeigen können, worin sie bereits große Stärken haben und in welchen Inhalten sie sich noch verbessern können. All diese Erkenntnisse stellen wir natürlich auch den zugehörigen Torwartausbildern in ihren Vereinen zur Verfügung, damit wir gemeinsam an der Weiterentwicklung der jungen Keeper arbeiten.

Kognitives Training und mentales Coaching im Fokus

Abseits des Platzes gehören noch weitere Komponenten hinzu: In diesem Jahr ging es uns besonders um das kognitive Training und das mentale Coaching. Unsere Torhüter im Bereich der U-Nationalmannschaften haben den Anspruch, es später einmal bis nach ganz oben zu schaffen. Niemals verläuft eine solche Karriere geradlinig, Rückschläge sind auf diesem Weg ganz normal. Gerade als Torhüter muss ich jedoch eine besondere mentale Stabilität aufbauen. Ich darf nach Rückschlägen nicht anfangen, zu zweifeln, sondern muss umso fokussierter meinen Weg verfolgen und die richtigen Erkenntnisse aus einem Misserfolg ziehen. Wenn es mir gelingt, meine Störfaktoren auszublenden, professionell und mit Spielfreude auf mein Ziel hinzuarbeiten, werde ich mein Potenzial ausschöpfen. Und die maximale Leistung aus mir herausholen. Die mentale Stabilität und das Abrufen der Torwartfähigkeiten hängen im Torwartspiel eng miteinander zusammen.

Drei Torhüter, die mehrere U-Nationalmannschaften durchlaufen haben und schon im Kader des Torwart-Elite-Camps standen, erreichten in dieser Saison ein erstes Ziel in ihrer noch jungen Karriere: Sie sind die Nummer eins bei ihrem Profiverein. Florian Müller vom 1. FSV Mainz 05, Alexander Nübel von Schalke 04 und Markus Schubert von der SG Dynamo Dresden haben sich diesen Status mit Beharrlichkeit, Qualität und Fokussierung auf ihr Ziel erarbeitet. Auch Svend Brodersen vom FC St. Pauli ist auf dem Weg dorthin. Für die Jungs im aktuellen Torwart-Elite-Camp ist das eine hervorragende Orientierung. Gemeinsam mit den Vereinen und Landesverbänden muss es uns gelingen, noch mehr Torwart-Talente in diese Position zu bringen. Wir wollen in Zukunft einen Pool an hervorragenden Torhütern in Deutschland schaffen.

Enge Zusammenarbeit mit den Vereinen

Das Torwart-Elite-Camp stellt dafür ein ganz besonderes Ausbildungsmedium dar. Wir arbeiten eng mit den Vereinen zusammen, binden Torwarttrainer aus den Nachwuchsleistungszentren in unsere gemeinsamen Projekte ein, schaffen eine einheitliche Torwartkultur in Deutschland und entwickeln die besten Keeper der einzelnen Jahrgänge weiter. Somit können wir auch den Austausch zwischen den Länderspiel-Abstellungsphasen forcieren, unsere Ausbildungsinhalte abgleichen und den "roten Faden" im Torwartspiel bundesweit weiterentwickeln – stets zugunsten unserer jungen Keeper.

Darüber hinaus suchen wir auch abseits der Lehrgänge den Dialog. Unsere "Analyse zum Torwartspiel der Weltmeisterschaft 2018" haben wir mit den Vereinen und Leistungszentren geteilt, im Zusammenspiel mit der UEFA bieten wir eine A-Lizenz für Torwarttrainer an und müssen zukünftig versuchen, die Zusammenarbeit mit den DFB-Stützpunktkoordinatoren auszubauen. Wir sind überzeugt, dass dieser hohe Aufwand die Entwicklung der jungen Torhüter begünstigt und uns weiterhin zu einer der führenden Torhüter-Nationen verhilft. Gemeinsam möchten wir die nächste Generation an Spitzenkeepern ausbilden.