BASEL, SWITZERLAND - JULY 08: Sjoeke Nuesken of Germany and Emma Faerge of Denmark compete for a header during the UEFA Women's EURO 2025 Group C match between Germany and Denmark at St. Jakob-Park on July 08, 2025 in Basel, Switzerland. (Photo by Matthias Hangst/Getty Images)

Kopfballspiel – Gefahren und Wirkung

Das Kopfballspiel ist ein wesentlicher Bestandteil des Fußballs. Aber laut aktueller Studienlage könnte es auch ein Risikofaktor dafür sein, später neurodegenerative Krankheiten zu entwickeln. Eine Annahme, die sich auf den Kinder- und Jugendfußball auswirkt und im Rahmen der Ausbildung berücksichtigt werden muss. Deshalb hat der DFB gemeinsam mit der Medizinischen Kommission Richtlinien entwickelt, um die Spielerinnen und Spieler besser zu schützen.

Was spricht gegen ein Verbot im Kinder- und Jugendfußball?

Es sollte das Prinzip der Vorsicht gelten und somit der Leitsatz: Die Gesundheit geht vor. Aber schützt es die Kinder und Jugendlichen, wenn sie während ihrer Jugend gänzlich auf Kopfbälle verzichten? Später werden sie schließlich Kopfbälle ausführen, wenn sie weiter Fußball spielen. Deshalb sollte es das Ziel sein, dass die Spielerinnen und Spieler die richtige Technik erlernen, um auf die späteren Anforderungen vorbereitet zu sein. Niemand kennt im Moment die richtige Strategie, der DFB setzt jedoch nach reiflicher Überlegung nicht auf ein Verbot, sondern auf eine altersgerechte und risikoarme Einführung des Kopfballspiels.

Was sagt die Wissenschaft?

Die Forschung konzentriert sich vor allem auf drei Leitfragen:

  • Wie lassen sich Schädel-Hirn-Traumata und Gehirnerschütterungen bestmöglich vorbeugen und versorgen?
  • Sind neurodegenerative Langzeiterkrankungen im Fußball ein spezifisches Thema – und wenn ja, welche Faktoren tragen dazu bei?
  • Welche Rolle spielt das Kopfballspiel, insbesondere im Kindes- und Jugendalter?

„Sicherlich muss man die Ergebnisse ernst nehmen, aber mir scheint auch an manchen Orten eine Überinterpretation stattzufinden. So liefert sie keine Erkenntnisse darüber, ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Kopfbällen und dem erhöhten Demenzrisiko besteht. Ich halte die wissenschaftliche Grundlage derzeit für zu dünn, um daraus angesichts der ohnehin wenigen Kopfbälle im Kinderfußball ein Verbot abzuleiten."

Prof. Dr. Tim Meyer | Universität des Saarlandes

„Ein Kopfball an sich, der mit der richtigen Technik ausgeführt wird, ist nicht gefährlich. Kinder und Jugendliche müssen das saubere Kopfballspielen erlernen, weil es spätestens im Erwachsenenalter zum Spiel dazugehört. Ein technisch schlecht ausgeführter Kopfball ist im späteren Jugendlichen- und Erwachsenenalter mutmaßlich gefährlicher als ein technisch gut ausgeführter im jüngeren Alter."

Prof. Dr. Dr. Claus Reinsberger | Universität Paderborn

Hinweise der Medizinischen Kommission

Anzeichen von Gehirnerschüttungen erkennen

Bei Schwindel, Kopfschmerzen und Unruhe – und nicht erst bei gravierenden Problemen – sollten die Spieler*innen pausieren und sich medizinisch untersuchen lassen.

Nackenmuskulatur gezielt stärken

Eine gestärkte Nackenmuskulatur verringert die Krafteinwirkung auf den Kopf. Es empfiehlt sich daher, entsprechende Übungen mit ins Training zu integrieren. 

Balldruck beachten

Größe und Gewicht sollten auf die jeweilige Altersklasse abgestimmt sein. Es wird empfohlen, dass die Bälle den niedrigsten Druck vorweisen, der zulässig ist. 

Welche Rolle spielt die Kopfbeschleunigung?

Das Gehirn liegt in einer Flüssigkeit gelagert im Kopf. Wenn sich dieser in eine Richtung beschleunigt, bewegt sich das Gehirn mit. Stoppt die Bewegung abrupt, ist es wie bei einem Auffahrunfall. Anstatt eines Airbags hilft beim Abfedern nur ein bisschen Gehirnflüssigkeit. Im Kern geht es beim Kopfballspiel also um den Moment, in dem Kopf und Ball aufeinandertreffen – und dieser kann abhängig von verschiedenen Faktoren sehr unterschiedlich ausfallen. 

  • Ball: Druck, Größe und Masse entscheiden über die Härte und den Umfang des Kontakts.

  • Kontaktzeit: Beträgt in der Regel 0,02 bis 0,03 Sekunden und ist nur schwer zu steuern.

  • Kontaktfläche: Entscheidend ist die Technik. Der Ball sollte möglichst frontal mit der Stirn getroffen werden, um den Kontakt kontrolliert zu halte

  • Körperspannung: Eine gesunde und ausgeprägte Nackenmuskulatur unterstützt dabei, die Scherbewegungen und Kopfbälle aus der Drehung besser auszuführen. 

Daher gilt: Kopfball ist nicht gleich Kopfball. Ein maximal aufgepumpter Ball, der in einer hohen Geschwindigkeit auf den Spieler zufliegt und ihn unvorbereitet an der Schädeldecke trifft, wirkt anders als ein Light-Ball, der kontrolliert und mit gespannten Nacken aus der Hand geköpft wird. Entscheidend ist zudem, dass der Druck und der Kontakt vom Kopf gesteuert wird und weniger vom Ball ausgeht.

11 Regeln für das Kopfballspiel

1. Regelmäßiges, niedrig dosiertes Kopfballtraining | „Weniger ist mehr – beim Kopfball sehr.“

2. Distanz & Wiederholungen beachten | „Je weiter der Pass, desto weniger Spaß.“

3. Pausen & Regeneration | „Nur wer ruht, trainiert gut.“

4. Impact reduzieren (leichtere Bälle, weniger Druck) | „Weniger Wucht, mehr Vernunft.“

5. Klimatische Bedingungen | „Nass und kalt - Kopfball „Halt!“.

6. Athletiktraining für Nacken/Schulter | „Stabiler Nacken – sichere Attacken.“

7. Kontrollierte Umstände | „Bleib kontrolliert, sonst wird´s kompliziert.“

8. Technikschulung | „Spannung im Körper – Sicherheit im Spiel.“

9. Spielerfeedback | „Fragen schützt vor Klagen.“

10. Selbstanalyse & Bewusstsein für Symptome | „Kenn dein Limit, hör auf dein Inneres.“

11. Rücksicht auf Viel-Kopfballspieler | „Mehr Kopfbälle, mehr Fürsorge.“

Was ist altersgerecht?

Der DFB hat, in enger Abstimmung auf Hinweise der Medizinischen Kommission, konkrete Handlungsempfehlungen für die jeweiligen Alterklassen definiert, an denen sich Trainerinnen und Trainer orientieren können. Zudem bieten die neuen Spielformen im Kinderfußball bereits einen Rahmen, in dem Kopfbälle kaum vorkommen. In den verschiedenen small-sided-Games bleibt das Spielgerät meistens auf dem Boden. Kopfballtreffer in Minitoren? Eher eine Ausnahme! Anstatt im Wettkampf soll das Kopfballspiel idealerweise im Training platziert werden – unter Aufsicht und der richtigen Anleitung! Ein guter Leitsatz lautet zudem: "Mein Alter, meine Kopfbälle". Er bietet Orientierung, wie hoch die Anzahl der Kopfbälle pro Woche für einen Spieler sein sollte. 

    • Wettbewerbe
      Kinderfußball, kleine Felder, Mini- oder Kleinfeldtore, Kopfbälle sehr selten

    • Training
      spielerischer Einstieg mit Softbällen / Luftballons o.ä.
      Ziel: Bewegungslernen, Angstabbau

    • Bälle
      Ultralight (Gr. 3 / 290g) für den Wettbewerb

    • Wettbewerbe
      Kleinfeldfußball, technische Fertigkeiten, Spielaufbau, Zusammenspiel, Dribbling, 1vs1 im Fokus der Entwicklung – Kopfbälle eher selten

    • Bälle
      grundsätzlich Light-Bälle (Größe 4 / 350 g) für Kopfballtechnik im Training Ultralight (290g)

    • Dauer/Wiederholungen
      Technik, regelmäßig 1x wöchentlich / 9-12 Aktionen, "Mein Alter, meine Kopfbälle", Kräftigung ebenfalls regelmäßig wöchentlich

    • Allgemeine Tipps
      Vorerfahrungen bei der Zusammenstellung der Trainingsgruppen beachten

    • Trainingsformen
      Torabschlussübungen mit zugeworfenen Bällen ohne Zweikampf

    • Wettbewerbe
      11-gegen-11, normale Wettbewerbsform, Ausbildungsschwerpunkt auf Spielentwicklung und technisch-taktische Verhaltensweisen – dadurch weniger hohe, lange Bälle im Spielaufbau, weniger Zweikampfsituationen beim Kopfball

    • Training
      Kopfballtechnik im Fokus, Kopfballsituationen im kontrollierten Rahmen, Intensivierung der Kräftigung der Hals-, Nacken-, Schultermuskulatur + Rumpfmuskulatur

    • Bälle
      normale Bälle (Gr.5 / 450 g), zum gezielten Kopfballtraining Lightbälle (350g) (entwicklungsdifferenziert)

    • Dauer/Wiederholungen
      Kopfballtraining regelmäßig aber mit geringen Wiederholungszahlen, Kräftigungsübgungen als Teil des allgemeinen Aufwärmprogramms

    • Allgemeine Tipps
      Ballgewicht und Luftdruck sowie Wiederholungszahlen beachten

    • Trainingsformen
      Handball-Kopfballspiel, Fußballtennis, Torabschlussübungen mit zugeworfenen Bällen ohne Zweikampf

Wie kann das Kopfballspiel trainiert werden?

In der Praxis stehen Trainerinnen und Trainer vor der Herausforderung, das Kopfballspiel altersgerecht, in der richtigen Dosis, mit Blick auf die Anwendung der korrekten Technik und verpackt in interessanten Spiel- und Übungsformen in das Training zu übertragen. Als Leitlinie dient hierfür „die perfekte Trainingseinheit“ der Trainingsphilosophie Deutschland. Der Aufbau bietet den nötigen Platz, um das Kopfballspiel zu integrieren – isoliert im Zwischenblock oder in der Anwendung als Bestandteil von Spielformen. Beides ist wichtig, jedoch immer mit dem Fokus auf die passende Wiederholungszahl, die für die jeweilige Altersklasse pro Trainingstag empfehlenswert ist.

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Lernen im Zwischenblock

Die Struktur der Einheit sieht feste Zeitfenster für Übungsformen und isolierte Technikphasen vor. Diese Zwischenblöcke eignen sich ideal, um gezielt Kopfballtechniken aufzugreifen. Die eingeplante Zeit reicht aus, um eine sinnvolle Zahl an Wiederholungen zu sammeln. Optimal ist ein niedriger Spieler-pro-Trainer-Schlüssel, damit individuell gecoacht und technische Fehler sofort erkannt, korrigiert und nachhaltig behoben werden können. Außerdem sollten die Übungsformen so gestaltet sein, dass entweder Wettbewerb entsteht oder die Spieler bewusst Freiräume für eigene Entscheidungen bekommen. Die folgenden Übungen eignen sich perfekt für den Kinderfußball.

      • Im Abstand von jeweils 5 Metern 2 Starthütchen aufstellen
      • und 6 Meter vor jedem eine Ziellinie markieren.
      • 4 Paare bilden und auf die Starthütchen verteilen.
      • jedes Paar mit Softball
      • Auf ein Kommando laufen die Paare schnellstmöglich seitwärts über die Ziellinie, wobei sie ihren Ball zwischen den Stirnen eingeklemmt haben.
      • Welches Paar überquert zuerst die Ziellinie?
      • Hintereinander laufen und den Ball mit der Stirn auf dem Rücken des Partners fixieren.
      • Staffelwettbewerb
      • in der Halle mit Luftballons statt Softbällen
      • Für 8 Spieler 4 Felder (Größe: 3 x 3 Meter) markieren.
      • 4 Paare bilden und auf die Felder verteilen.
      • jedes Paar mit Softball
      • Die Spieler stehen sich frontal gegenüber und klemmen den Softball zwischen den Köpfen ein.
      • Auf ein Kommando versuchen sie, den jeweils anderen über die gegenüberliegende Linie aus dem Feld zu drücken.
      • auf „allen Vieren“
      • Ein Spieler hält den Ball mit ausgestreckten Armen vor sich und sein Partner drückt mit der Stirn dagegen.
      • Möglichst große Softbälle verwenden, um das Risiko des Zusammenstoßens der Köpfe zu reduzieren.
      • Für 10 Spieler 2 Felder (Größe: 8 x 8 Meter) markieren.
      • 2 Fünfer-Teams einteilen und auf die Felder verteilen.
      • jedes Team mit 1 Softball
      • Auf ein Kommando köpfen sich die Teams untereinander zu.
      • Jeder Kopfball zu einem Mitspieler zählt 1 Punkt.
      • Wird ein Kopfball direkt zu einem Dritten weitergeköpft, erhält das Team 1 zusätzlichen Punkt.
      • Bälle dürfen geworfen und gefangen werden.
      • Bei Bodenkontakt des Balles wird 1 Punkt abgezogen.
      • Welches Team erzielt in 2 Minuten die meisten Punkte?
      • Es darf nicht zu dem Spieler geköpft werden, von dem der Ball kam.
      • in der Halle mit Luftballons statt Softbällen
      • Im Abstand von jeweils 5 Metern 2 Starthütchen aufstellen und 6 Meter vor jedem eine Ziellinie markieren.
      • 2 Teams bilden und auf die Starthütchen verteilen.
      • jeder Spieler mit Softball
      • Auf ein Kommando versuchen die jeweils Ersten, schnellstmöglich nach Vorgabe die Ziellinie zu überqueren:
      • Den Ball auf dem Kopf balancieren.
      • Den Ball hochwerfen, nach vorn köpfen und wieder auffangen, wobei der Spieler nicht laufen darf, wenn er den Ball in den Händen hält.
      • Staffelwettbewerb
      • mit Luftballons statt Softbällen
      • Für 10 Spieler ein 12 x 12 Meter großes Feld markieren.
      • 6 Läufer (Blau), 2 Fänger (Rot) und 2 Befreier (Gelb) bestimmen.
      • beide Befreier mit Softball
      • Auf ein Trainerkommando starten die beiden Fänger ins Feld.
      • Sie sollen innerhalb von 1 Minute so viele Läufer wie möglich fangen.
      • Wird ein Läufer gefangen, bleibt er an Ort und Stelle stehen.
      • Durch Zurückköpfen eines von einem Befreier zugeworfenen Balles wird der Läufer wieder aktiv und darf erneut gefangen werden.
      • Die Fänger regelmäßig austauschen.
Anwenden in der Spielform

Das Kopfballspiel lässt sich auch in Spielformen trainieren und anwenden – am besten mit ein paar Provokationsregeln. Klar: Die Wiederholungszahl pro Spieler ist dabei meist geringer als in Übungsformen. Dafür müssen die Spieler die Technik in wettbewerbsnahen Situationen unter Zeitdruck und Gegnerdruck abrufenDas Kopfballspiel innerhalb einer Einheit sowohl in Zwischenblöcken als auch in Spielphasen zu thematisieren, ist jedoch nicht unbedingt sinnvoll. Entscheidend ist, dass die altersklassenspezifischen Handlungsempfehlungen konsequent berücksichtigt werden. Und bevor Kopfballaktionen in Spielformen auf die Agenda kommen, sollte zunächst der Technikerwerb im Fokus stehen. Deshalb sind folgenden Beispiele – mitunter auch aufgrund ihrer Komplexität – nicht für den Kinderfußball geeignet. 

      • Ein 20 x 25 Meter großes Sechseck mit 2 Toren und Torhüter markieren.

      • 2 Teams à 6 Spieler bilden.

      • Pro Team zwei diagonale Anspieler benennen.

       

      • Spiel im 4 plus 2 gegen 4 plus 2 auf die Tore.
      • Flankengeber spielen mit einem Kontakt.

      • Kopfballtore zählen doppelt.

      • Durch die Breite des Feldes und die diagonalen Anspieler werden Flanken provoziert. So kommt es z. B. auch zu Kopfballduellen und Volleyabschlüssen vor den Toren.
      • Die Größe des Spielfeldes der jeweiligen Altersklasse anpassen. 
      • Den Strafraum als Spielfeld verwenden.
      • Drei Teams mit jeweils vier Spielern bestimmen.
      • Ein Tor und zwei Minitore aufstellen.
      • Blau spielt auf das Tor, Rot kontert auf die Minitore.
      • Gelb positioniert sich an den Seitenlinien und neben dem Tor.
      • Blau spielt mit Gelb zusammen. 
      • Gelb spielt mit einem Kontakt.
      • Kopfballtore zählen doppelt.
      • Aufgabenwechsel der drei Teams nach einigen Minuten
      • Im Strafraum 5 Meter breite Außenzonen markieren.
      • Ein neutraler Spieler pro Außenzone.
      • Ersatzbälle für Einwürfe an der Seitenlinie platzieren.
      • In der Mitte wird 4 gegen 4 + Torhüter gespielt.
      • Geht der Ball ins Tor oder ins Aus wird mit einem Einwurf von Außen fortgesetzt.
      • Die beiden Einwerfer wechseln sich mit der Spielfortsetzung ab.
      • Einwerfer regelmäßig austauschen.
      • Kopfballtore zählen doppelt.
      • Die Größe des Spielfeldes der jeweiligen Altersklasse anpassen
      • Den "doppelten Sechzehner" als Spielfeld markieren.
      • Zwei Tore aufstellen.
      • Die Spieler und die Trainer auf den Positionen verteilen.
      • 5 gegen 5 + Torhüter im Zentrum.
      • Die beiden Außenspieler sind für beide Teams anspielbar.
      • Jede neue Ball wird von einem der Trainer hoch und zufällig eingespielt.
      • Mit Abseits spielen.
      • Die Größe des Spielfeldes der jeweiligen Altersklasse anpassen.