
Kopfballspiel – Gefahren und Wirkung
Das Kopfballspiel ist ein wesentlicher Bestandteil des Fußballs. Aber laut aktueller Studienlage könnte es auch ein Risikofaktor dafür sein, später neurodegenerative Krankheiten zu entwickeln. Eine Annahme, die sich auf den Kinder- und Jugendfußball auswirkt und im Rahmen der Ausbildung berücksichtigt werden muss. Deshalb hat der DFB gemeinsam mit der Medizinischen Kommission Richtlinien entwickelt, um die Spielerinnen und Spieler besser zu schützen.
Was spricht gegen ein Verbot im Kinder- und Jugendfußball?
Es sollte das Prinzip der Vorsicht gelten und somit der Leitsatz: Die Gesundheit geht vor. Aber schützt es die Kinder und Jugendlichen, wenn sie während ihrer Jugend gänzlich auf Kopfbälle verzichten? Später werden sie schließlich Kopfbälle ausführen, wenn sie weiter Fußball spielen. Deshalb sollte es das Ziel sein, dass die Spielerinnen und Spieler die richtige Technik erlernen, um auf die späteren Anforderungen vorbereitet zu sein. Niemand kennt im Moment die richtige Strategie, der DFB setzt jedoch nach reiflicher Überlegung nicht auf ein Verbot, sondern auf eine altersgerechte und risikoarme Einführung des Kopfballspiels.
Was sagt die Wissenschaft?
Die Forschung konzentriert sich vor allem auf drei Leitfragen:
- Wie lassen sich Schädel-Hirn-Traumata und Gehirnerschütterungen bestmöglich vorbeugen und versorgen?
- Sind neurodegenerative Langzeiterkrankungen im Fußball ein spezifisches Thema – und wenn ja, welche Faktoren tragen dazu bei?
- Welche Rolle spielt das Kopfballspiel, insbesondere im Kindes- und Jugendalter?
„Sicherlich muss man die Ergebnisse ernst nehmen, aber mir scheint auch an manchen Orten eine Überinterpretation stattzufinden. So liefert sie keine Erkenntnisse darüber, ob ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Kopfbällen und dem erhöhten Demenzrisiko besteht. Ich halte die wissenschaftliche Grundlage derzeit für zu dünn, um daraus angesichts der ohnehin wenigen Kopfbälle im Kinderfußball ein Verbot abzuleiten."
Prof. Dr. Tim Meyer | Universität des Saarlandes

„Ein Kopfball an sich, der mit der richtigen Technik ausgeführt wird, ist nicht gefährlich. Kinder und Jugendliche müssen das saubere Kopfballspielen erlernen, weil es spätestens im Erwachsenenalter zum Spiel dazugehört. Ein technisch schlecht ausgeführter Kopfball ist im späteren Jugendlichen- und Erwachsenenalter mutmaßlich gefährlicher als ein technisch gut ausgeführter im jüngeren Alter."
Prof. Dr. Dr. Claus Reinsberger | Universität Paderborn

Welche Rolle spielt die Kopfbeschleunigung?
Das Gehirn liegt in einer Flüssigkeit gelagert im Kopf. Wenn sich dieser in eine Richtung beschleunigt, bewegt sich das Gehirn mit. Stoppt die Bewegung abrupt, ist es wie bei einem Auffahrunfall. Anstatt eines Airbags hilft beim Abfedern nur ein bisschen Gehirnflüssigkeit. Im Kern geht es beim Kopfballspiel also um den Moment, in dem Kopf und Ball aufeinandertreffen – und dieser kann abhängig von verschiedenen Faktoren sehr unterschiedlich ausfallen.
Ball: Druck, Größe und Masse entscheiden über die Härte und den Umfang des Kontakts.
Kontaktzeit: Beträgt in der Regel 0,02 bis 0,03 Sekunden und ist nur schwer zu steuern.
Kontaktfläche: Entscheidend ist die Technik. Der Ball sollte möglichst frontal mit der Stirn getroffen werden, um den Kontakt kontrolliert zu halte
Körperspannung: Eine gesunde und ausgeprägte Nackenmuskulatur unterstützt dabei, die Scherbewegungen und Kopfbälle aus der Drehung besser auszuführen.
Daher gilt: Kopfball ist nicht gleich Kopfball. Ein maximal aufgepumpter Ball, der in einer hohen Geschwindigkeit auf den Spieler zufliegt und ihn unvorbereitet an der Schädeldecke trifft, wirkt anders als ein Light-Ball, der kontrolliert und mit gespannten Nacken aus der Hand geköpft wird. Entscheidend ist zudem, dass der Druck und der Kontakt vom Kopf gesteuert wird und weniger vom Ball ausgeht.
Was ist altersgerecht?
Der DFB hat, in enger Abstimmung auf Hinweise der Medizinischen Kommission, konkrete Handlungsempfehlungen für die jeweiligen Alterklassen definiert, an denen sich Trainerinnen und Trainer orientieren können. Zudem bieten die neuen Spielformen im Kinderfußball bereits einen Rahmen, in dem Kopfbälle kaum vorkommen. In den verschiedenen small-sided-Games bleibt das Spielgerät meistens auf dem Boden. Kopfballtreffer in Minitoren? Eher eine Ausnahme! Anstatt im Wettkampf soll das Kopfballspiel idealerweise im Training platziert werden – unter Aufsicht und der richtigen Anleitung! Ein guter Leitsatz lautet zudem: "Mein Alter, meine Kopfbälle". Er bietet Orientierung, wie hoch die Anzahl der Kopfbälle pro Woche für einen Spieler sein sollte.
Wettbewerbe
Kinderfußball, kleine Felder, Mini- oder Kleinfeldtore, Kopfbälle sehr seltenTraining
spielerischer Einstieg mit Softbällen / Luftballons o.ä.
Ziel: Bewegungslernen, AngstabbauBälle
Ultralight (Gr. 3 / 290g) für den Wettbewerb
Wettbewerbe
Kleinfeldfußball, technische Fertigkeiten, Spielaufbau, Zusammenspiel, Dribbling, 1vs1 im Fokus der Entwicklung – Kopfbälle eher seltenBälle
grundsätzlich Light-Bälle (Größe 4 / 350 g) für Kopfballtechnik im Training Ultralight (290g)Dauer/Wiederholungen
Technik, regelmäßig 1x wöchentlich / 9-12 Aktionen, "Mein Alter, meine Kopfbälle", Kräftigung ebenfalls regelmäßig wöchentlichAllgemeine Tipps
Vorerfahrungen bei der Zusammenstellung der Trainingsgruppen beachtenTrainingsformen
Torabschlussübungen mit zugeworfenen Bällen ohne Zweikampf
Wettbewerbe
11-gegen-11, normale Wettbewerbsform, Ausbildungsschwerpunkt auf Spielentwicklung und technisch-taktische Verhaltensweisen – dadurch weniger hohe, lange Bälle im Spielaufbau, weniger Zweikampfsituationen beim KopfballTraining
Kopfballtechnik im Fokus, Kopfballsituationen im kontrollierten Rahmen, Intensivierung der Kräftigung der Hals-, Nacken-, Schultermuskulatur + RumpfmuskulaturBälle
normale Bälle (Gr.5 / 450 g), zum gezielten Kopfballtraining Lightbälle (350g) (entwicklungsdifferenziert)Dauer/Wiederholungen
Kopfballtraining regelmäßig aber mit geringen Wiederholungszahlen, Kräftigungsübgungen als Teil des allgemeinen AufwärmprogrammsAllgemeine Tipps
Ballgewicht und Luftdruck sowie Wiederholungszahlen beachtenTrainingsformen
Handball-Kopfballspiel, Fußballtennis, Torabschlussübungen mit zugeworfenen Bällen ohne Zweikampf
Wie kann das Kopfballspiel trainiert werden?
In der Praxis stehen Trainerinnen und Trainer vor der Herausforderung, das Kopfballspiel altersgerecht, in der richtigen Dosis, mit Blick auf die Anwendung der korrekten Technik und verpackt in interessanten Spiel- und Übungsformen in das Training zu übertragen. Als Leitlinie dient hierfür „die perfekte Trainingseinheit“ der Trainingsphilosophie Deutschland. Der Aufbau bietet den nötigen Platz, um das Kopfballspiel zu integrieren – isoliert im Zwischenblock oder in der Anwendung als Bestandteil von Spielformen. Beides ist wichtig, jedoch immer mit dem Fokus auf die passende Wiederholungszahl, die für die jeweilige Altersklasse pro Trainingstag empfehlenswert ist.
Lernen im Zwischenblock
Die Struktur der Einheit sieht feste Zeitfenster für Übungsformen und isolierte Technikphasen vor. Diese Zwischenblöcke eignen sich ideal, um gezielt Kopfballtechniken aufzugreifen. Die eingeplante Zeit reicht aus, um eine sinnvolle Zahl an Wiederholungen zu sammeln. Optimal ist ein niedriger Spieler-pro-Trainer-Schlüssel, damit individuell gecoacht und technische Fehler sofort erkannt, korrigiert und nachhaltig behoben werden können. Außerdem sollten die Übungsformen so gestaltet sein, dass entweder Wettbewerb entsteht oder die Spieler bewusst Freiräume für eigene Entscheidungen bekommen. Die folgenden Übungen eignen sich perfekt für den Kinderfußball.
Anwenden in der Spielform
Das Kopfballspiel lässt sich auch in Spielformen trainieren und anwenden – am besten mit ein paar Provokationsregeln. Klar: Die Wiederholungszahl pro Spieler ist dabei meist geringer als in Übungsformen. Dafür müssen die Spieler die Technik in wettbewerbsnahen Situationen unter Zeitdruck und Gegnerdruck abrufenDas Kopfballspiel innerhalb einer Einheit sowohl in Zwischenblöcken als auch in Spielphasen zu thematisieren, ist jedoch nicht unbedingt sinnvoll. Entscheidend ist, dass die altersklassenspezifischen Handlungsempfehlungen konsequent berücksichtigt werden. Und bevor Kopfballaktionen in Spielformen auf die Agenda kommen, sollte zunächst der Technikerwerb im Fokus stehen. Deshalb sind folgenden Beispiele – mitunter auch aufgrund ihrer Komplexität – nicht für den Kinderfußball geeignet.

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