Ein Trainer widmet sich einem Spieler besonders. Er fasst ihm an die Schulte und deutet mit dem Finger auf etwas außerhalb des Bildes und erklärt etwas. Ein Zweiter Junge steht daneben und hört zu. © 2019 Philippka-Sportverlag

Philosophie

Um aus dem großen Talente-Pool im deutschen Fußball auch in Zukunft viele Spieler*innen von Weltklasseformat zu formen, ist die Talent- und Eliteförderung stetig zu optimieren. Die jungen Spieler*innen sind dabei jederzeit Mittelpunkt aller individueller Ausbildungs- und Trainingsprozesse! Der Weg zurück an die Weltspitze beginnt jetzt!

Unsere Ziele

Spitzenposition im Weltfußball

Der deutsche Fußball visiert selbstbewusst allerhöchste sportliche Ziele an – und das nicht nur wegen einer erfolgreichen Tradition mit vielen internationalen Titeln, sondern aus dem Bewusstsein, weiter ein großes Potenzial an talentierten Spielern und Spielerinnen vorweisen zu können. Diese ambitionierten sportlichen Ziele schließen eine konsequente Orientierung an der Weltspitze ein: Wer Weltmeister werden will, muss sich an Qualitätskriterien der weltbesten Teams messen.

Spitzenspieler*innen von Weltklasseformat

Aus dem aktuellen und vor allem dem prognostizierten Anforderungsprofil im internationalen Spitzenfußball lassen sich individuelle Qualitätsmerkmale ableiten, die Spitzenfußballer*innen ausmachen und die in der Ausbildung perspektivisch anzusteuern sind wie:

  • Technisch-taktische Lösungen auch auf engstem Aktionsraum und unter Zeit-, Raum- und Gegnerdruck
  • Individuelle Qualitäten im direkten 1 gegen 1
  • Spielintelligenz: Erkennen und Lösen immer neuer Situationsanforderungen
  • Lösen auch komplizierter Spielsituationen durch Variabilität und Kreativität
Joshua Kimmich mit Ball am Fuß gegen den Franzosen Hernandez.
Starke Spieler*innen – starke Persönlichkeiten

Jede sportliche Ausbildung muss in ein Konzept zur Persönlichkeitsförderung eingebettet sein! Demnach sind junge Spieler*innen nicht ausschließlich fußballspezifisch zu fördern und zu fordern. Denn persönliche Qualitäten und Eigenschaften wie Selbstbewusstsein, Willensstärke, Eigeninitiative, aber auch das positive Einbringen in das Team sind gleichermaßen wichtig für die persönliche Zukunft als Mensch als auch für Erfolge als Fußballer*in!

Es braucht im Nachwuchs neue Anstöße, um wieder verstärkt Spitzentalente auf Weltklasse-Niveau zu entwickeln. Unsere Aufgabe als DFB ist es dabei, den Kontext zu gestalten, auf Entwicklungen hinzuweisen und Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten.
TOBIAS HAUPTLEITER DFB-AKADEMIE

Sportliches Leitbild

Unsere Schwerpunkte

Persönlichkeitsförderung – Individuelle Stärke und Team-Mentalität

In jeder Situation erfolgreich sein zu wollen, ist eine Frage der inneren Überzeugung. Die besten Spieler*innen sind auf die persönlichen Ziele fokussiert und lassen sich nicht davon abbringen.

  • „Psychische Stärke“ um positive/negative Einflüsse von außen selbstbewusst und konstruktiv verarbeiten zu können
  • Eigeninitiative und Leistungswillen, um aktiv-leidenschaftlich eigene Ziele anzusteuern
  • Offenheit, Selbstreflexion und -kritik, um mithilfe des Feedbacks enger Bezugspersonen

Erst echte (Spieler*innen)-Persönlichkeiten mit herausragenden individuellen Qualitäten machen große sportliche Erfolge möglich! Diese „positiven Stars“ stellen sich aber stets kompromisslos in den Dienst der Mannschaft.

Zentrale Ausbildungs- und Lernziele sind demnach auch:

  • gegenseitige Hilfsbereitschaft in allen Situationen (auf dem Feld und außerhalb!)
  • gegenseitiger Respekt und Vertrauen zueinander
  • höchstes Engagement und selbstloses Einbringen des individuellen Könnens für die Team-Ziele
  • kritisch-konstruktives Finden optimaler Lösungen durch offene Kommunikation im Team

Erfolg im Fußball basiert stets auf der Leistung einer funktionierenden Mannschaft mit Persönlichkeiten! Trainer*innen müssen deshalb stets den Aufbau stabiler Teamstrukturen und die individuelle Förderung von Spieler*innen-Persönlichkeiten miteinander verbinden.

Wir haben klare Anzeichen, dass wir uns wirklich massiv bewegen müssen im deutschen Fußball. Daher befassen wir uns schon heute frühzeitig und intensiv mit den Risiken eines drohenden Leistungsabfalls ab 2025. Wir müssen unsere Spieler besser ausbilden. Das Credo lautet: entwickeln statt selektieren!
Oliver BierhoffDirektor Nationalmannschaften und Akademie
Systematische Förderung

Zukünftige Anforderungen der Weltspitze sind der Maßstab! Die Qualitäten der Spieler*innen von Weltklasseformat erweitern sich stetig, speziell positionsspezifische Anforderungsprofile zeigen immer wieder neue Konturen. Eine perspektivisch ausgerichtete Talent- und Eliteförderung, die genau diese Weltklasseakteur*innen heranbilden will, muss deshalb zukunftsweisende Trends berücksichtigen.

Wie erreichen aber unsere vielen jungen Spielerinnen und Spieler das Ziel, auf höchstem Niveau Fußball zu spielen? Wie erwerben sie die spielerischen Qualitäten zukünftiger Weltklassespieler*innen? Dazu ist dieser angesteuerte „perfekte Fußball der Zukunft” in kleinere Teilziele aufzuschlüsseln und mit altersgemäßen Inhalten zu vermitteln! Die jeweiligen Ausbildungs-schwerpunkte richten sich konsequent danach aus, was die Kinder und Jugendlichen in dem jeweiligen Alter können und wollen!

Nur die ganzheitliche Struktur des Ausbildungsprozesses (vom/von der sportbegeisterten Anfänger*in bis zum/zur Nationalspieler*in) sichert somit die fußballerische Qualität, um letztlich allerhöchste sportliche Ziele im internationalen Fußball zu erreichen.

Individuelle Förderung

Herausragende Individualisten sind gerade im heutigen Fußball wichtiger denn je. In vielen Begegnungen neutralisieren sich zwei kompakte Teams gegenseitig – überragende Einzelaktionen dieser Top-Spieler*innen sind dann der Schlüssel zum Erfolg! Die Förderung jedes einzelnen Talents muss in allen Phasen eines Ausbildungsprozesses absolute Priorität haben. Das schließt (vor allem langfristig) Teamerfolge keinesfalls aus, aber immer als Resultat spielstarker und kreativer Einzelspieler*innen!

Eine stärkere Individualisierung des Ausbildungsprozesses bedeutet:

  • eine intensive individuelle Begleitung über den Trainingsplatz hinaus
  • eine detaillierte und regelmäßige Analyse des aktuellen Leistungsbildes
  • ein umfangreiches individuelles Trainingsprogramm
  • eine individuell angepasste Dosierung und Steigerung  der Belastungen
HEIDELBERG, GERMANY - SEPTEMBER 09: Joti Chatzialexiou during the Fritz-Walter-Medal Awarding Ceremony on September 9, 2018 in Heidelberg, Germany. (Photo by Andreas Schlichter/Bongarts/Getty Images)
Talententwicklung

3 Fragen an Joti Chatzialexiou

Haben andere Fußball-Nationen Deutschland überholt?

Unsere Prinzipien

Spitzenleistungen im Fußball sind ein komplexes Phänomen, aber trotz dieser Komplexität durch differenzierte Trainingsprozesse steuerbar. Leistung als die Basis für sportlichen Erfolg ist somit planbar!

Individuell trainieren!

  • Primäres Ziel im Juniorenfußball ist es, jedes einzelne Talent bestmöglich zu fördern!
  • Nur eine regelmäßige, differenzierte Spieler*innen-Analyse ermöglicht eine exakte Abstimmung individueller Trainingsinhalte auf Stärken/ Schwächen des Talents!
  • Ein intensives persönliches Interesse an jeder Spielerin und jedem Spieler zeigen!
  • Individuelle Fortschritte betonen!
Systematisch individuelle Stärken fördern, Schwächen abbauen! Dabei die Talente aktiv einbinden!

Spielerisch trainieren!

  • Raum, Zeit- und Gegnerdruck simulieren immer „echte“ Wettspielrealität oder sogar darüber hinaus!
  • Mit variantenreichen Spielformen Spieler*innen mit immer neuen Herausforderungen konfrontieren – kreative Spiellösungen provozieren!
  • So komplex wie möglich und elementar wie nötig trainieren!
Zwei Spielerinnen der Frauen Nationalmannschaft bei einer Trainingseinheit.

Schwerpunkte trainieren!

  • In Ausbildungsblöcken systematisch, konzentriert, aber stets variantenreich  an einem Schwerpunkt feilen! Das sichert eine optimale Lerneffizienz!
  • Die Spieler*innen aktiv in alle Prozesse zu dem jeweiligen Schwerpunkt einbinden und damit persönliche Lernerfolge sichern!
Über längere Trainingsblöcke im Detail auf einen Schwerpunkt konzentrieren – das bringt stabile und optimale Lernerfolge!

Schnelligkeitsbetont trainieren!

  • Hier ist das schnelle Erkennen und Lösen von Spielsituationen von zentraler Bedeutung (Spielkompetenz)!
  • Aufgrund der Komplexität des Spiels dabei geistig- taktische, technisch-koordinative und konditionelle Schnelligkeitsanforderungen beachten!
  • Nur tempoorientierte, dynamische und präzise Abläufe im Training bringen die nötigen Lernimpulse für das Wettspiel!
„Wir spielen so wie wir trainieren!“ – Konsequenz: Top-Intensität und Dynamik in (fast) jeder Trainingssituation!

Im Detail trainieren!

  • Egal welcher Schwerpunkt: Nur konkrete und detaillierte Korrekturen bringen Talente weiter!
  • Bei Korrekturen jeweils nur ein Detail herausgreifen – das Wesentliche betonen! Die Talente nicht überfordern!
  • Auf den richtigen Korrekturzeitpunkt achten: In der Aktion oder unmittelbar danach eingreifen!
  • Die Talente aktiv in die Lernprozesse einbinden! Mit Video-Analysen und -Einspielungen arbeiten!
Optimal fördern kann nur der, der jedes Talent im Detail kennt! Differenzierte Analysen als Basis individueller Trainingssteuerung erstellen!

Mit Freude trainieren!

  • Ein variantenreiches, spielorientiertes und dem aktuellen Können angepasstes Training anbieten!
  • Viele Trainingsformen mit einem Torabschluss oder kleinen, motivierenden Einzel-/Gruppenwettbewerben verbinden!
  • Durch ein attraktives Training Kreativität, Risiko- und Spielfreude fördern!
  • Vielseitige Angebote schaffen!
  • Die Talente aktiv in die Trainingsgestaltung einbinden!
Die U21-Nationalmannschaft der Herren beim gemeinsamen Ballhochhalten.
Das geringere Problem ist die Begeisterung der Kinder für den Fußball! Die Kinder beim Fußball zu halten, ist schwieriger. Die Freude, die Partizipation am Spiel und das Sammeln von Erfolgserlebnissen sind dafür die Basis. Kinder lernen besser, wenn sie etwas mit Freude machen!
Markus Hirte – Sportlicher Leiter DFB-Talentförderung im männlichen Bereich

Unser Fördersystem

Effiziente Strukturen der Talentförderung

Ein Talent wird auf seinem Weg vom/von der Anfänger*in in einem „kleinen“ Amateurverein bis zum/zur Spitzenspieler*in von vielen begleitet. Im deutschen Fußball teilen sich je nach Alter, Region, aktueller Spielstärke oder persönlicher Situation des Talents Vereine, Verbände und/oder Schulen diese Aufgabe.

Grundsätzlich stellt sich dabei die Herausforderung, das große Potenzial an Talenten optimal auszuschöpfen und die Leistungsstärksten Schritt für Schritt zu Top-Spieler*innen zu formen.

Die Strukturen der Talentförderung im deutschen Fußball ermöglichen für Talente viele Wege bis in die Spitze. So sind „Spätstarter“ aus einer ländlichen Region ebenso im System erfasst wie Kinder aus dem unmittelbaren Einzugsbereich eines Lizenzvereins.

Ungeachtet dessen sind diese Strukturen und Konzepte einer zeitgemäßen Talent- und Eliteförderung permanent zu überprüfen, um sie gegebenenfalls angesichts neuer Herausforderungen anpassen oder erweitern zu können.

Merkmale und Ziele der Förderstrukturen
  • Jeder Bereich hat eine spezielle Funktion in der Fußball-Ausbildung! Ausbildungsstufen und -strukturen müssen dazu aufeinander abgestimmt sein!
  • Möglichst jedes Talent muss die Chance haben, gesichtet zu werden!
  • Die individuelle Förderung ist Kernaufgabe jedes Ausbildungsbereichs!
  • Eine Durchlässigkeit zwischen allen Stufen und Instanzen muss gegeben sein, um ganz individuelle Ausbildungswege zu ermöglichen!
  • Das System funktioniert letztlich nur, wenn alle im Interesse jedes einzelnen Talents kooperieren!
  • Die Intensivierung der sportlichen Förderung darf die Lebensperspektive der Talente jenseits der Fußball-Karriere zu keiner Zeit vernachlässigen!
  • Und nicht zuletzt: Die Optimierung der Ausbildungs-strukturen und -konzepte ist eine Daueraufgabe! Nur eine ausbildungsorientierte Professionalisierung der Talent- und Eliteförderung sichert das nötige Spiel- und Trainingspensum, um die besten Perspektivspieler*innen im deutschen Fußball auf Top-Niveau zu bringen!
Vom Kinderfußball bis zur U-Nationalmannschaft

Kinderfußball: Die ersten Eindrücke vom Verein, von der Mannschaft, vom Trainer*innen-Team und vor allem vom Spielen selbst bestimmen darüber, ob Kinder langfristig dabeibleiben und später sogar leistungsorientiert Fußball spielen.

Juniorenfußball: Die vielen Junioren-Teams an der Vereinsbasis legen das Fundament für spätere Höchstleistungen, letztlich aber für die Zukunft des Amateurfußballs an sich.

Drei junge Fußballspielende © 2021 Philippka-Sportverlag

DFB-Stützpunkte: Ein dichtes Netz an Stützpunkten in allen Regionen Deutschlands macht es möglich, einen größtmöglichen Kreis an Talenten im besten Lernalter zu sichten und zu fördern.

Landesverbände: Die Landesverbände haben eine spezielle, unverzichtbare Funktion beim Sichten und Fördern talentierter Spieler*innen. Das betrifft vor allem zusätzliche Förderstrukturen für „Spätstarter“ ab der U15.

Leistungszentren: Die Leistungszentren fördern junge Spieler*innen mit Lizenzspieler-Perspektive auf höchstem Niveau. Eine systematische, intensive und innovative Ausbildung der Top-Talente ist ein Schlüssel für Qualitätssteigerungen im deutschen Spitzenfußball.

Eliteschulen: Spitzentalente im Fußball sind einer permanenten Doppelbelastung von sportlichen und schulischen Anforderungen ausgesetzt. Eliteschulen des Fußballs inklusive eine Schulbegleitung rund um die DFB-Teams helfen dabei, diese Herausforderung zu meistern!

U-Nationalmannschaften I: Sportliches Leitbild sind einerseits die individuelle und perspektivische Förderung der besten jungen Spieler*innen Deutschlands bis hin zur Weltklasse, andererseits herausragende Teamerfolge bei internationalen Junioren-Wettbewerben.

U-Nationalmannschaften II: Die ambitionierten Ziele der U-Nationalmannschaften lassen sich angesichts einer extremen Konkurrenzsituation im internationalen Fußball nur durch akribische, hochprofessionelle sportliche Abläufe im perfekten Teamwork erreichen!

Benjamin Henrichs beim Training der deutschen U-21 Nationalmannschaft.
Trainer*innen und Expert*innen als Schlüssel

Schlüssel für diese Ausbildung der Spieler*innen bis hin zur Top-Performance auf internationalem Niveau ist die Qualität der Trainer*innen und vielen Spezialist*innen (z.B. Technik-, Torhüter-, Fitness-Trainer*innen, Analyst*innen, Sportpsycholog*innen).

Trainer*innen sind bei allen Prozessen zur Individualisierung und Leistungsoptimierung die zentrale Steuerungsinstanz für alle sportlichen Abläufe rund um Team und Spieler*innen. Planungs- und Koordinierungsprozesse werden durch die größeren Expert*innen-Stäbe dabei weitaus komplexer. Viele Einzelpunkte einer individualisierten/differenzierten Trainingsarbeit müssen koordiniert werden, um letztlich ein Leistungsoptimum der Spieler*innen und des Teams zu erreichen.

Wir haben das Portfolio der Ausbildungsinhalte unserer Lizenzstufen grundlegend reformiert und um wichtige Bausteine wie Leadership, Teamzusammenstellung, Öffentlichkeitsarbeit, Strukturen im Fußball, Trainingsmethodik und Spielstruktur erweitert.
Tobias Haupt, Leiter der DFB-Akademie im kicker-Interview

Dieses erweiterte Aufgabenspektrum fordert ganz neue oder anders gewichtete Kompetenzen der Trainer*innen, die sie in einem Prozess des „lebenslangen Lernens” erwerben, ausweiten und perfektionieren müssen. Tobias Haupt, Leiter der DFB-Akademie, erklärt im Interview mit dem kicker, wie genau die neuen Wege bei der Trainer*innenausbildung aussehen und dass der Fokus vor allem auf Führungs- und Sozialkompetenzen liegt.

Permanente Selbstreflexion und aktive Lernprozesse sind zunächst eine persönliche Herausforderung für jeden Trainer und jede Trainerin selbst. Sie sind dabei von „lernenden Teams” und lernenden Institutionen wie die DFB-Akademie zu inspirieren, zu begleiten und zu fördern.