DFB-Trainingsdialog 1

Die Idee: Vom Bolzplatz ins Training

Vom Straßenfußball für das Training lernen

Talententwicklung
Spiel- und Lernort „Bolzplatz“

Kinder sind auch heutzutage nach vom Spielen mit dem „runden Leder“ fasziniert. Das Spielerlebnis fesselt und lockt Jungen und Mädchen dorthin, wo sie Fußball spielen können. Früher sammelten die Kinder diese Fußballerlebnisse irgendwo auf Straßen, Wiesen, Hinterhöfen, Bolzplätzen oder im Stadtpark. Wo auch immer ein wenig Platz war, versammelten sich fußballbegeisterte Kids. Mit viel Fantasie wurden je nach Situation spontan immer neue, pfiffige Regeln für diese kleinen Fußballspiele festgelegt. Dann spielten Groß und Klein bunt gemischt, mit verschiedensten Teamgrößen stundenlang mit großer Begeisterung.

Spielen, kämpfen, lachen (und gelegentlich auch streiten) – das war der „Straßenfußball“, das tägliche Training der jungen Fußballer und Fußballerinnen früherer Tage. In diesen „kleinen Spielen“ lernten sie für den späteren „großen“ Fußball. Nach heutigem Wissen war das das beste und intensivste Training für diese Generationen. Spielerische Qualitäten vieler Welt- und Europameister in der langen Erfolgshistorie unserer Nationalmannschaft haben einen identischen Ursprung in eben diesem stundenlangen, freien Kicken im Freundeskreis.

Konsequenzen für den Spiel- und Lernort „Vereinstraining“

Nichts ist jedoch so wie es war! So hat sich dieses selbstorganisierte Spielen der Kinder stark reduziert und stattdessen in den Vereinsfußball verlagert. Das heißt aber nicht, dass früher alles besser war. Nein, früher war vieles einfach anders!

Bei aller Systematik müssen wir Raum schaffen für die Entwicklung von Individualisten. Wir benötigen wieder eine stärkere Bolzplatzmentalität!
Oliver Bierhoff

Statt unwiederbringlich vergangenen Zeiten nachzutrauern, sollten wir vorhandene Chancen erkennen und ergreifen. Denn was spricht dagegen, wichtige Merkmale des Straßenfußballs in unser Vereinstraining mit Kindern zu übertragen, um letztlich diese Ziele zu erreichen:

  • SPIELFREUDE: Spaß und Begeisterung am Fußball

  • SPIELKREATIVITÄT: Viele Chancen, mutig etwas auszuprobieren

  • SPIELAKTIVITÄT: Gleichberechtigte Ausbildung aller(!) Kinder

  • SPIELMOTIVATION: Faszination für ein lebenslanges Fußballspielen

Fazit: Es ist nur logisch, sich an dieser offensichtlich enorm lernfordernden „Bolzplatzwelt“ zu orientieren und einzelne „Methodische Qualitäts- und Erfolgsfaktoren“ in das Vereinstraining zu transferieren!

Wo finden sich im heutigen Training unserer Kinder diese Merkmale und Prinzipien dieser freien (Fußball-)Spielwelt?
Mit einem realistischen Blick sind diese nur selten zu finden. Aus gut gemeinten Gründen (Zeitmangel, vermeintliche Effektivität, …) ist das Training von der ersten bis zur letzten Minute von den Trainer*innen durchgeplant und strukturiert. Alle Trainingsformen werden permanent verbal gecoacht oder für Coachinghinweise unterbrochen.

Die Idee ist es, lernfördernde Prinzipien des Bolzplatzes clever in unser Training, egal ob Stützpunkt oder Verein, zu übertragen!
DAMIR DUGANDZICSPORTLICHER LEITER DFB-TALENTFÖRDERPROGRAMM

Dabei ist ein wirkungsvolles Gegenrezept denkbar einfach: Im Fußballtraining viele kleine Spiel-Varianten organisieren, die zentrale Qualitätsmerkmale der „Bolzplatzwelt“ aufgreifen und auf diesem Wege viele Spielererlebnisse und Lernchancen garantieren! Der Straßenfußball von früher bekommt im Verein von heute eine neue „Heimat“!

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    • Die Kinder frei spielen lassen – wenig eingreifen!
    • Viele Spielaktionen für jedes Kind garantieren!
    • Verschiedene kleine Felder nebeneinander aufbauen, so dass alle gleichzeitig in kleinen Teams spielen können!
    • Unterschiedliche Tore bilden – Die Spielidee „Tore schießen – Tore verhindern!“ stets beachten!
    • Die Kinder dazu animieren, auch außerhalb des Trainings zu kicken!

Der Trainer bzw. die Trainerin nimmt sich hierbei bewusst zurück. Trainer*innen sind zwar mit Begeisterung und Hilfsbereitschaft dabei, fordern und organisieren aber vor allem das freie und ungestörte Fußballspielen in kleinen Teams. Damit haben sie die Hauptaufgabe als Spielorganisator*innen und -begleiter*innen bereits erfüllt.