Philosophie

In der DFB-Akademie zählt die Sportpsychologie zu den wichtigen Performance-Bereichen. Alle Nationalmannschaften sind mit einem Sportpsychologen bzw. mit einer Sportpsychologin besetzt, die zusammen ein Ziel verfolgen: die Spieler*innen und Trainer*innen psychisch bzw. mental auf sportliche sowie private Anforderungen vorzubereiten sowie sie in herausfordernden Situationen zu unterstützen.

Entstehungsgeschichte

Seit den 80er Jahren hat sich die Sportpsychologie stetig weiterentwickelt und wurde in Deutschland über Prof. Dr. Hans Eberspächer immer mehr zum Thema im Leistungssport. Als Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann 2004 unter Jürgen Klinsmann zur Nationalmannschaft kam war dies für den Profifußball ein Novum. Mittlerweile arbeiten weit über 100 Sportpsycholog*innen im Kontext des Deutschen Fußballs. Allein an den Leistungszentren sind es insgesamt über 50 Sportpsycholog*innen, die seit den neuen „Qualitätskriterien?“ 2018 auch in Voll- oder Teilzeit (abhängig von der Spielklasse des jeweiligen Vereins) angestellt sind.

DFB U21 Nationalmannschaft – UEFA Under21 Euro 2021, Training auf dem Trainingsplatz in Gardony/HUN, Mergim Berisha #11, Christoph Herr (Sportpsychologe), Gardony/HUN, 26.03.2021, Foto: Thomas Boecker/DFB,

Darüber hinaus arbeitet eine Vielzahl an freiberuflichen Sportpsycholog*innen mit den Bundesligisten zusammen.
Seit 2018 werden neben den beiden A-Nationalmannschaften auch die U-Nationalmannschaften im männlichen (U15 - U21) sowie im weiblichen (U15 - U20) Bereich durch 11 Sportpsycholog*innen unterstützt.

Viele Wege können zum Erfolg führen. Wichtig ist jedoch die Frage, auf Basis welcher Werte ein nachhaltiger Erfolg generiert werden soll.
Christoph Herr

Anforderungs- und Qualitätsmerkmale der Sportpsycholog*innen

Die sportpsychologischen Expert*innen des DFB müssen über grundlegende soziale und zwischenmenschliche Fähigkeiten verfügen, um sich für diese verantwortungsvolle Tätigkeit zu qualifizieren. Das Leben wichtiger Werte und die Einhaltung ethischer Prinzipien sind fundamental, denn die Entwicklung und das Wohlbefinden  aller Nachwuchsspieler*innen steht stets im Mittelpunkt.

  1. Sportpsychologische Expert*innen benötigen den Nachweis einer spezifischen akademischen Ausbildung. Sie bieten nur Dienstleistungen an, für deren Erbringung sie durch Ausbildung und/oder fachliche Erfahrung qualifiziert sind. Die Beratungs- und Betreuungstätigkeit strebt nach einem im höchsten Maße ethisch verantwortlichem Verhalten. Das eigene Handeln wird nach ethischen Standards regelmäßig reflektiert.

  2. Selbstverpflichtende fortlaufende Fortbildungen und die regelmäßige Aktualisierung von wissenschaftlichem Hintergrundwissen werden als selbstverständlich und Pflicht sportpsychologischer Expert*innen gesehen.

  3. Nach der Berufsethik sind sportpsychologische Expert*innen und das Funktionsteam verpflichtet, über alle ihnen in Ausübung ihrer Berufstätigkeit anvertrauten und bekannt gewordener Tatsachen zu schweigen, soweit nicht das Gesetz Ausnahmen vorsieht oderein bedrohtes Rechtsgut überwiegt.

  4. Freiwilligkeit und Transparenz über die angewandten Methoden und Maßnahmen prägen die Arbeit mit den Sportler*innen. Für die Entscheidung zur Teilnahme an der Beratungstätigkeit gilt das Prinzip der Freiwilligkeit.

  5. Sportpsychologische Expert*innen achten die Vorschriften und Pflichten der Organisation und Mannschaften, bei denen sie beschäftigt ist.

  6. Regelmäßige Intervision und Supervision unter Kolleg*innen bietet die Möglichkeit, die eigenen Fälle, Fähigkeiten und Grenzen zu reflektieren.

  7. Sportpsychologische Expert*innen arbeiten vertrauensvoll und nur in gegenseitigem Einverständnis. Dabei achten sie auf die aktuellen Datenschutzrichtlinien und die Privatsphäre. Sie unterliegen der Schweigepflicht und handeln nur im Interesse der zu betreuenden Personen.

U-Nationalspieler machen Ausfallschritte zum Aufwärmen vor einer Trainingseinheit. ©2018 Philipp Reinhard
Konzept

Sportpsychologie in den U-Nationalteams

Alle Maßnahmen rund um die sportpsychologische Betreuung der deutschen U-Nationalmannschaften folgen klar definierte Systematik.

Die Anwendungsfelder der Sportpsychologie

Haltung und Ethos stehen an der Spitze der sportpsychologischen Tätigkeit. Sie sind das wichtigste Gut und Grundvoraussetzung für alle Handlungen. Hierbei müssen Sportpsycholog*innen einer Fürsorgepflicht nachkommen, bei der die Gesundheit und das Wohlbefinden der zu betreuenden Personen an erster Stelle steht. Sie gehen einem ganzheitlichen sowie präventiven Ansatz nach und nehmen u.a. eine beobachtende und in Distanz wahrende Rolle ein. Die vielfältigen Anwendungsfelder verteilen sich auf die Bereiche Sportpsychologisches Training, Selbstmanagement und Sozialkompetenz. Für die optimale Begleitung bedienen sich die sportpsychologischen Expert*innen der Methoden Analyse & Diagnostik, Training sowie Coachen & Beraten.

Sportpsychologisches Training

Den nächsten Wettkampf anvisieren, gezielt den Fokus setzen, um mental und kognitiv auf die kommenden Herausforderung optimal eingestellt zu sein. Vieles entscheidet sich im Kopf und sportpsychologisches Training kann unmittelbar dazu beitragen, die Performance auf dem Platz zu verbessern.

Selbstmanagement

Selbstkontrolle ist eine wertvolle Eigenschaft, die helfen kann, in stressigen und emotionalen Situationen die Beherrschung zu wahren. Die Sportpsychologie bietet dafür Strategien. Darüber hinaus ist die parallel zum Leistungssport laufende persönliche und berufliche Entwicklung eine weitere wichtige Komponente, zu der sportpsychologische Expert*innen beraten können.

Sozialkompetenz

Sport ist Teamwork. Eine ausgeprägte Sozialkompetenz ist die Basis, um mit den Mitspieler*innen und den Mitgliedern des Funktionsteams auf Augenhöhe interagieren zu können. Sportpsycholog*innen unterstützen bei der Stärkung des Gemeienschaftsgefühls und dem Entwickeln einer Teamkultur.

Interview

3 Fragen an Christoph Herr

Der Experte der DFB-Akademie im Bereich Sportpsychologie berichtet über seine Arbeit und sein Aufgabengebiet bei der U 21-Nationalmannschaft.

Unser Experte Christoph Herr

Christoph Herr verantwortet den Performance-Bereich innerhalb der DFB-Akademie. Zu seinen Aufgaben zählt die systematische Weiterentwicklung seines Fachgebiets, Aufbau und Pflege des sportpsychologischen Netzwerks innerhalb des Fußballs und der Sportwelt sowie die Betreuung der deutschen U21-Nationalmannschaft.

Christoph Herr
Christoph Herr

Sportpsychologie