Sportpsychologie in den U-Teams

Die Begleitung und Betreuung durch unsere Expert*innen.

Die Sportpsychologie ist in der A-Nationalmannschaft der Männer des DFB bereits seit 2004 fester Bestandteil. Die Frauen folgten und mittlerweile werden auch die weiblichen und männlichen U-Nationalteams durch eigene sportpsychologische Expert*innen regelmäßig begleitet. Diese Konzeption dient der Abstimmung von sportpsychologischen Tätigkeitsschwerpunkten und soll die Nachhaltigkeit sowie Qualität der Betreuung von Spieler*innen und Trainer*innen sicherstellen.

In den Nationalmannschaften gilt es in kurzer Zeit eine Gemeinschaft zu formen, in der sich alle Beteiligten mit dem Team und dessen Prinzipien identifizieren können.
Christoph Herr
Ethisch und verantwortungsvoll

Die Arbeit der Sportpsycholog*innen sowie des Funktionsteams zeichnet sich durch ein hohes Maß an Professionalität aus. Dazu zählt unter anderem die Einhaltung von rechtlichen sowie ethischen Prinzipien. Grundsätzlich gilt: Die Einhaltung und der Schutz fundamentaler menschlicher Rechte, Integrität und Würde des Individuums stehen zu jedem Zeitpunkt an oberster Stelle. Die sportpsychologischen Expert*innen und das Funktionsteam handeln stets zur Verbesserung der menschlichen Lebensqualität und Lebensbedingungen. Die Entwicklung und das Wohlbefinden jedes Spielers und jeder Spielerin stehen im Mittelpunkt.

Strukturen & Prozesse

Längst sind die sportpsychologischen Expert*innen in den Funktionsteams der U-Nationalmannschaften etabliert. Die inhaltliche Koordination der sportpsychologischen Betreuung der männlichen und weiblichen U-Nationalmannschaften erfolgt durch eine zentrale Anlaufstelle innerhalb des DFB, in enger Zusammenarbeit mit dem Institut CCC Rhein-Neckar, geleitet durch Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann und Prof. Dr. Jan Mayer.

  1. Das Qualitätsmanagement erfolgt über halbjährige Treffen aller sportpsychologischen Expert*innen des DFB.

  2. Die logistische Koordination der sportpsychologischen Betreuung bei und zwischen Lehrgängen, Länderspielen und Turnieren erfolgt über das Team-Management der jeweiligen U-Nationalmannschaft.

  3. Zwischen Lehrgängen kommunizieren Trainer*innen und sportpsychologische Expert*innen im Rahmen von Follow-Ups oder Interventionen, die in der Zeit mit Trainer*innen und dem Funktionsteam stattfinden. Den Spieler*innen steht es jederzeit frei, proaktiv auf die sportpsychologischen Expert*innen zuzugehen.

Interview

3 Fragen an Christoph Herr

Der Experte der DFB-Akademie im Bereich Sportpsychologie berichtet über seine Arbeit und sein Aufgabengebiet bei der U 21-Nationalmannschaft.
Trainer*innen als eine Zielgruppe

Um den Anforderungen der systematischen sportpsychologischen Betreuung gerecht zu werden, ist die umfangreiche Einbindung sportpsychologischer Expert*innen unumgänglich. Sportpsychologische Expert*innen sollten idealerweise an allen Lehrgängen teilnehmen. Sie sind nah dran am Team und nicht für die Spieler*innen, sondern auch für die Trainer*innen eine wichtige Begleitung. Folglich ist das Trainer*innen-Coaching längst zu einem festen Bestandteil unserer sportpsychologischen Tätigkeit geworden, denn die Übungsleiter*innen wirken als Multiplikatoren sportpsychologischer Inhalte und haben den stärksten Effekt auf Spieler*innen. Für uns gilt:

  • Trainer müssen Techniken und Strategien kennen, mit denen die Spieler*innen wirksam und nachhaltig trainiert und entwickelt werden können.
  • Trainer*innen müssen in ihrem Auftreten, ihrer Kommunikation und ihrem Führungsverhalten reflektiert und unterstützt werden.
  • Ein ständiger Austausch zwischen Trainer*innen und Sportpsycholog*innen, auch neben den jeweiligen Maßnahmen und Lehrgängen, ist unabdingbar.

Zu den Inhalten des Trainer*innen-Coachings zählen die Themen: Monologische & dialogische Kommunikation, Konfliktmanagement, Aktivierungsregulation, Führungskultur innerhalb des Funktionsteams, Zielmanagement, Persönlichkeitsentwicklung sowie die Steuerung und Entwicklung einer Teamdynamik.

Nach Prinzipien handeln

Alle sportpsychologischen Aktivitäten basieren auf einem sicheren Fundament. Drei wichtige Prinzipien (Systematik, Wissenschaftlichkeit, Interdisziplinarität) geben die Richtung vor, an denen sich alle Sportpsycholog*innen aus dem Expertenteam der DFB-Akademie in ihrer tagtäglichen Arbeit orientieren: auf dem Platz mit den Spieler*innen und Trainer*innen oder aber in der konzeptionellen Weiterentwicklung des eigenen Fachbereichs und in der Auseinandersetzung mit dem Status quo der wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Systematik

Die Sportpsychologie ist systematischer und regelmäßiger Bestandteil der Nachwuchsförderung. Zentrales Ziel ist die Persönlichkeitsentwicklung der jeweiligen Sportler*innen

Wissenschaftlichkeit

Die Tätigkeit der sportpsychologischen Expert*innen ist wissenschaftlich fundiert und entspricht den aktuellen Standards der sportpsychologischen Praxis. Alle Fachkräfte weisen den höchsten Ausbildungsgrad auf. Die sportpsychologische Betreuung wird zudem durch die Diagnostik wissenschaftlich begleitet

Interdisziplinarität

Die sportpsychologische Begleitung richtet sich an Spieler*innen, Trainer*innen und Funktionär*innen. Sie findet individuell sowie im Team statt. Sportpsychologische Inhalte sind auch Bestandteil der Aus-, Fort und Weiterbildung der Trainer*innen.

Ein seitliche Aufnahme eines Fußballtores, vor dem viele Bälle liegen.
Der Rahmentrainingsplan
  • Der Rahmentrainingsplan gibt Orientierung, welche mentalen Fertigkeiten in welchem Altersbereich entwickelt und trainiert werden können. Es wird dabei nach wissenschaftlichen Standards und einschlägigen Praxiserfahrungen vorgegangen. Auch aktuelle Anregungen aus der Trainer-Fort- und -Weiterbildung in diesen Rahmentrainingsplan mit eingeflossen.
  • Die Inhalte der sportpsychologischen Betreuung richten sich zudem an die speziellen Anforderungen in der jeweiligen Altersklasse der U-Nationalmannschaft. Teams, die vor einem großen Turnier stehen, verbringen einige Wochen lang sehr viel Zeit miteinander und benötigen verstärkt teambildende Maßnahmen. Außerhalb einer Turnierphase fluktuieren die Kader und daher stehen  besonders individuelle Schwerpunkte und Interventionen wie Eigenverantwortung oder Rollenfindung in den Vordergrund.
  • Grundsätzlich gilt es zu berücksichtigen, dass bei den Leistungszentren der Bundesligisten eine systematische sportpsychologische Betreuung im U-Bereich Standard geworden ist und sich die Ausbildungsinhalte im Rahmen einer U-Nationalmannschaft somit auf den akuten Zustand der Spieler*innen konzentrieren. Aufgrund der hohen Fluktuation bei Nationalmannschaften kann eine kontinuierliche und prozessbegleitende sportpsychologische Betreuung nur in den Vereinen stattfinden. Ein entsprechender Austausch erfolgt proaktiv zwischen den Sportpsycholog*innen der U-Nationalmannschaften und den Vereinspsycholog*innen. Unter Berücksichtigung der Datenschutzrichtlinien ist eine gegenseitige Transparenz etabliert und wünschenswert.
Sportpsychologische Diagnostik

Der Einsatz diagnostischer Methoden unterstützt die sportpsychologische Arbeit. Sie ist aber niemals ein Mittel der Selektion, sondern dienen allein der Förderung der Athlet*innen. Die Ergebnisse werden in individuellen Auswertungsgesprächen an die Spieler*innen rückgemeldet und besprochen. Folgende diagnostischen Verfahren haben sich in der Praxis bewährt, um relevante Aspekte der Teamzusammensetzung und individuellen Förderung zu unterstützen.

  • Kognitive Flexibilität, Inhibition und Arbeitsgedächtnis (Wiener Test System - WTS)
  • Fragebogenbasierte Messungen von Motiven und Persönlichkeitsmerkmalen
  • Fragebogenbasierte Messung von Stressverarbeitung

Methoden wie diese können jede Spielerin und jeden Spieler unterstützen, ihre individuellen Leistungsgrenzen zu erreichen. Der ganzheitliche Blick auf die Atleht*innen und deren persönliche Betreuung sind in unserer sportpsychologischen Arbeit von besonderer Bedeutung.

Unsere sportpsychologische Konzeption ist nachhaltig und zielgerichtet ausgelegt.
Christoph Herr