Return-to-Sport nach Gehirnerschütterung

So gelingt die sichere Rückkehr auf den Platz.

Strukturierter Weg zurück ins Spiel

Gehirnerschütterungen zählen zu den ernsthaften Verletzungen im Fußball und erfordern höchste Aufmerksamkeit sowie ein strukturiertes Vorgehen. Voraussetzung dafür ist eine sorgfältige, medizinische Diagnostik, um eine Gehirnerschütterung sicher einzuordnen und passende Maßnahmen abzuleiten. Das aktuelle Return-to-Sport (RTS) Protokoll dient Spieler*innen, Trainer*innen und medizinischem Personal als Leitfaden für eine sichere Rückkehr in den Trainings- und Spielbetrieb und kann dabei als individualisierte, dosierte Belastungssteuerung ein wesentlicher Teil der Therapie sein.
Es definiert einen stufenweisen Prozess, der von der unmittelbaren Behandlung nach einer Gehirnerschütterung bis zur vollständigen Wiedereingliederung in den Spielbetrieb reicht. Dabei steht die Gesundheit der Spieler*innen stets im Vordergrund.

Phase 1: Unmittelbare Maßnahme nach der Auswechslung

Die ersten Schritte nach einer vermuteten Gehirnerschütterung sind entscheidend:

  • sofortige ärztliche Untersuchung und Diagnosesicherung
  • Dokumentation der Symptome, z.B. mit SCAT-6
  • Beachtung des Schädel-Hirn-Traumen-Algorithmus der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG)
  • Ruheperiode von mindestens 24-48 Stunden mit nur leichter körperlicher Aktivität

Phase 2: Graduelles Return-to-Sport Protokoll

Nach ärztlicher Freigabe beginnt das stufenweise RTS-Protokoll:

  • Leichtes aerobes Ausdauertraining
  • Fußballspezifische Einzelübungen mit geringer Belastung
  • Kontaktloses Training in Kleingruppen
  • Volles Mannschaftstraining mit Kontakt
  • Rückkehr in den Spielbetrieb
Sicherheit geht vor: Die Grundregeln des Return-to-Sport Protokolls

Das „Return-to-Sport Protokoll nach einer Gehirnerschütterung“ folgt einem strukturierten Ablauf, bei dem jede Stufe mindestens 24 Stunden dauert. Der Übergang zur nächsten Stufe erfolgt, wenn die Belastung die Symptome nicht signifikant verschlimmert hat. Eine leichte Zunahme der Beschwerden kann dabei tolerierbar sein, bei deutlicher Verschlechterung wird zur zuletzt gut verträglichen Stufe zurückgekehrt. Dies ist entscheidend für die Sicherheit und Genesung der Spieler*innen.

Während des gesamten Prozesses ist eine kontinuierliche Überwachung der Symptome unerlässlich. Das medizinische Personal, die Trainerinnen und die Spielerinnen selbst müssen aufmerksam auf Anzeichen einer wiederkehrenden oder sich verschlimmernden Symptomatik achten.

Besonders wichtig sind ärztliche Freigaben, die im Protokoll an mehreren Stellen vorgesehen sind. Sie sind insbesondere erforderlich vor dem Beginn der stufenweisen Belastungssteigerung und vor der Rückkehr in das normale Training mit vollem Kontakt sowie vor der Teilnahme am regulären Spielbetrieb:

  • vor dem Einstieg in die graduelle Belastungssteigerung
  • vor dem normalen Training mit vollem Kontakt
  • vor der Teilnahme am regulären Spielbetrieb

Diese Beurteilungen stellen sicher, dass die Spielerin oder der Spieler tatsächlich bereit ist, die Belastungen des Trainings bzw. Wettkampfs ohne erhöhtes Risiko zu bewältigen.

Die strikte Einhaltung dieser Richtlinien ist entscheidend für einen sicheren und erfolgreichen Return-to-Sport Prozess nach einer Gehirnerschütterung im Fußball.

Neben der stufenweisen Rückkehr auf den Platz ist auch eine schrittweise Steigerung der kognitiven Belastung wichtig – also die Rückkehr zu Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Entscheidungsfindung im Fußball. Nach einer ersten Phase der vollständigen körperlichen und kognitiven Ruhe soll die kognitive Anstrengung schrittweise gesteigert werden. Dies beinhaltet auch eine graduelle Rückkehr in die Schule bzw. an den Arbeitsplatz (z.B. max. 30 min Schularbeit am Stück). Auch hier gilt: Nur wenn eine Stufe symptomfrei absolviert wird, kann nach frühestens 24 Stunden zur nächsten Stufe übergangen werden.

Das Return-to-Sport Protokoll dient als Orientierung für die sichere Rückkehr nach einer Gehirnerschütterung im Fußball. Es verbindet medizinische Sorgfalt mit schrittweise erfolgender Belastungssteigerung und stellt die Gesundheit der Spielerinnen und Spieler in den Mittelpunkt.
Prof. Dr. Tim MeyerÄrztlicher Direktor des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes