Szene der Woche

Anspielbar sein oder Zugriff haben – Chance und Risiko im Gleichgewicht?

20.04.2019 Paris St.-Germain - AS Monaco 3:1 (2:0)

  1. Dr. Stephan Nopp

    Dr. Stephan Nopp, Spielanalyst der A-Nationalmannschaft, analysiert mit Hilfe der Leitlinien der DFB-Spielauffassung diverse Qualitätsmerkmale im internationalen Fußball.

Dass Kylian Mbappé überragende Fähigkeiten im Konterspiel hat, ist nicht erst seit der FIFA WM in Russland bekannt. AS Monaco wollte ihn spielkonzeptionell durch Zugriff der beiden Innenverteidiger bei eigenem Ballbesitz unter Kontrolle behalten. Dass dennoch ein Konterangriff bereits nach 15 Minuten zum ersten Tor für Paris St.-Germain führte, lag an der nicht vorhandenen Balance zwischen dem Willen, anspielbar zu sein oder Zugriff zu haben. Der Grat zwischen Aktivität im Offensivspiel und der Absicherung eines möglichen Ballverlusts ist stets sehr schmal. Vor dem gegnerischen Strafraum verschob Jemerson die Balance von Chance (Freilaufen und Tor erzielen) zu Risiko (keinen Zugriff und Gegentor erhalten) aufgrund weniger Meter. Zwar wäre trotz seines Freilaufverhaltens ein Gleichgewicht möglich gewesen, wenn einer der beiden Innenverteidiger nach vorne geschoben hätte. Doch die doppelte Absicherung gegen Mbappé war vermutlich eine taktische Vorgabe, sodass dies nicht geschah. Demnach lag das Risiko nicht zwangsläufig in Mbappé, sondern im Rückraum des Angriffsdrittels.

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Lyon hatte ganz gefährliche Konter im Hinspiel, worauf wir reagieren werden. Ähnlich wie in Leverkusen werden wir ein Augenmerk auf die Kontersicherung haben. Die wird wichtig sein – vielleicht ein, zwei Momente defensiver zu denken, weil es ein K.o.-Spiel ist.

Julian Nagelsmann, Cheftrainer TSG 1899 Hoffenheim