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Bierhoff: "Die letzten Prozente zur Weltspitze wieder drauflegen"

06.11.2019, 15:00 Uhr
2019 Getty Images

Dienstleister und Impulsgeber für den Weg zurück an die Weltspitze: Die DFB-Akademie hat am Montag bei einem Medienworkshop in Berlin über ihre sportlichen Inhalte informiert. Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie, spricht im DFB.de-Interview mit Redakteur Tobias Bach über die Rolle der Akademie für die Nationalmannschaften, das Projekt Zukunft, die Trainerausbildung und die Zusammenarbeit im deutschen Fußball.

DFB.de: Herr Bierhoff, Sie haben das Ziel ausgegeben, mit dem deutschen Fußball zurück an die Weltspitze zu kommen. Welche Rolle nimmt die DFB-Akademie dabei ein? Welche Bedeutung hat sie für die Nationalmannschaften?

Oliver Bierhoff: Wir müssen im deutschen Fußball den nächsten Schritt gehen - gemeinsam mit der Liga und den Landesverbänden. Das habe ich bereits auf dem DFB-Bundestag angesprochen. Ich spüre, dass alle Beteiligten sowohl die Notwendigkeit als auch die Dringlichkeit erkannt haben. Wir möchten die letzten Prozente zur Weltspitze wieder drauflegen. Genau dabei hilft uns auch die DFB-Akademie enorm. Sie ist Dienstleister und Impulsgeber - und sie stellt zudem eine zentrale Institution für das Gelingen von Projekt Zukunft dar: Wir sind derzeit dabei, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, damit wir den Talentpool in Deutschland optimal ausschöpfen und mit unseren Teams nachhaltig erfolgreich sein können. Allerdings kann dies nicht von heute auf morgen gelingen, da müssen wir realistisch sein.

DFB.de: Welchen Zeithorizont streben Sie an?

Bierhoff: Der deutsche Fußball hatte zuletzt im Jahr 2000 einen größeren Wandel erlebt, als die Nachwuchsleistungszentren eingeführt wurden. Es hat zehn Jahre gedauert, bis man den ersten Erfolg gesehen hat, und nochmals vier Jahre später gewannen wir den WM-Titel in Brasilien. Diesmal ist es eine inhaltliche Korrektur: Manche Themen lassen sich schneller anschieben, da wir in diesen Bereichen den direkten Zugriff haben - etwa in der Trainerausbildung. In anderen Feldern - zum Beispiel in den Förder- und Wettbewerbsstrukturen - ist etwas mehr Überzeugungsarbeit gefragt. Es ist eine gemeinschaftliche Aufgabe aller Beteiligten im deutschen Fußball, die "Weltmeister von morgen" auszubilden - und die richtigen Voraussetzungen dafür zuzulassen. Wir möchten nicht nur die Probleme identifizieren, sondern auch Lösungen umsetzen.

DFB.de: Der Fußball-Lehrer-Lehrgang der DFB-Akademie wurde bereits strukturell und inhaltlich reformiert. Zudem wurde nun ein Mentorenprogramm für ehemalige Spieler initiiert. Was hat es damit auf sich?

Bierhoff: Das sind Teile unserer Gesamtstrategie, um zurück an die Weltspitze zu gelangen. Wir möchten den deutschen Fußball weiterentwickeln - daher haben wir kritisch hinterfragt, was wir in unserer Trainerausbildung besser machen können. Unsere Fußball-Lehrer werden nun praxisnäher, individueller und ortsunabhängiger ausgebildet, indem wir auch die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen und einen "Digitalen Campus" aufgebaut haben. Unsere Trainer sind entscheidend für die Qualität unserer Spieler. Wir müssen es generell schaffen, ihnen mehr Möglichkeiten in der Aus- und Weiterbildung zu geben. Zudem muss es uns gelingen, den Erfahrungsschatz und das Wissen von Ex-Profis viel stärker im System zu halten - sei es als Trainer, Sportdirektor oder Fachexperte. Der Name alleine reicht aber nicht: Wir müssen sie begleiten und coachen, damit sie eine gewisse Kompetenz aufbauen. Auch deswegen haben wir das Mentorenprogramm mit unserer Akademie initiiert.

DFB.de: Die DFB-Akademie hat als Dienstleister und Impulsgeber das Ohr "am Puls der Zeit", blickt mit Experten über den Tellerrand hinaus und wirkt als Netzwerker für den deutschen Fußball. Wie wichtig ist diese verknüpfende Rolle?

Bierhoff: International gibt es keine vergleichbare Institution und kein vergleichbares Forum zur DFB-Akademie - deswegen freuen wir uns zusätzlich auf den DFB-Neubau, den unser Generalsekretär Friedrich Curtius hervorragend vorantreibt. Wir erhalten somit auch eine sportliche Heimat. Mit unserer Akademie sind wir ein kleines, kompaktes Kompetenzzentrum, in dem sich Theorie und Praxis immer wieder gegenseitig verbessern. In unseren derzeitigen Projekten leben wir dies bereits. Wir möchten immer wieder die verschiedenen Experten und Akteure zusammenbringen, Wissen generieren und dies anwendungsorientiert ins System zurückspielen.