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DFB-Akademie setzt Hackathon online fort: "Digitale Angebote verstärken"

Noch bevor die Veranstaltung offiziell begann, rückten die Teilnehmer zusammen. Diesmal auf virtuelle Weise. Pascal Bauer, Manager Datenanalyse und maschinelles Lernen bei der DFB-Akademie, bat zur Eröffnung um ein kurzes Selfie: Jeder Teilnehmer knipste sich, wie er zu Hause am Notebook die Online-Konferenz verfolgte und schickte das Foto per E-Mail zur DFB-Akademie. Aus Lissabon und Manchester, aus München und Frankfurt – aus vielen Städten flatterten die Bilder ein. Am Ende entstand eine gemeinsame Collage mit dem Titel #StayAtHome. Eine Aufforderung, um die derzeitige Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen."So, wie wir als Gesellschaft nur gemeinsam das Virus bekämpfen können, steht auch die Fußball-Familie weiterhin ganz eng zusammen", sagt Tobias Haupt, Leiter der DFB-Akademie: "Und wenn es die Situation erfordert, dann eben aktuell rein digital."

Die DFB-Akademie hat gemeinsam mit Eintracht Frankfurt und dem DFL-Tochterunternehmen Sportec Solutions einen "Hackathon" ins Leben gerufen. Ausgewählte Datenwissenschaftler, Spielanalysten und Trainer aus der ganzen Welt kommen dafür regelmäßig zusammen. "Sie analysieren Ereignis- und Positionsdaten von Fußballspielen und -spielern mit Hilfe maschineller Programme", sagt Bauer. "Es geht darum, aus Big Data nun Smart Data zu machen." Die faktisch untermauerten Erkenntnisse können den Trainern in ihrer Arbeit mit den Teams helfen. Beispiele: Welche Pässe sind besonders wertvoll? Welche Laufwege reißen tatsächlich Löcher in die gegnerische Abwehr? Wie und wo lassen sich unterschiedliche Stürmertypen mit ihren Stärken am besten einsetzen?

Hackathon in Form von Online-Konferenzen

Das Projekt startete am 4. Februar 2020 rund um das DFB-Pokalspiel zwischen Eintracht Frankfurt und RB Leipzig. Seitdem kommen die Experten immer wieder zusammen, um den verschiedenen Fragestellungen nachzugehen. Am Freitag organisierte die DFB-Akademie zwei Vorträge – von SudarshanGopaladesikan, Chef-Datenwissenschaftler bei Benfica Lissabon, und von Paul Power, leitender Wissenschaftler im Bereich Künstliche Intelligenz bei "Stats perform". Derartige Impulse gehören zum Programm des "Hackathons" dazu. Auch die Möglichkeit, Vorträge auf Video aufzunehmen und anschließend an die Teilnehmer zu senden, wird genutzt.

Da das Coronavirus die Welt momentan mehr und mehr in den Griff bekommt, entschied die DFB-Akademie kurzfristig, den "Hackathon" nicht abzusagen, sondern in Form von Online-Konferenzen fortzusetzen und plante um. Zumal ohnehin viele Menschen im "Home Office" arbeiten. "Mit verstärkten digitalen Angeboten wollen wir auch in dieser schweren Zeit unserer Rolle als Wegbereiter und Impulsgeber gerecht werden", sagte Akademie-Leiter Tobias Haupt. Es funktionierte. Die Fußballexperten wählten sich von zu Hause aus in eine Online-Konferenz ein. Etwa 50 Teilnehmer waren dabei.

Der Engländer Power referierte unter anderem über die Bewegungsradien von Filip Kostic (Eintracht Frankfurt), Aaron Ramsey (Arsenal London/Juventus Turin) sowie Eden Hazard (FC Chelsea/Real Madrid) und zeigte auf, wie sie immer wieder gefährliche Aktionen kreieren. Auch Spielszenen ließ er online ablaufen. Gopaladesikan von Benfica Lissabon gab einen Einblick, wie der portugiesische Rekordmeister gezielt Daten nutzt, um die Spieler von Nachwuchsakademie bis Profimannschaft weiterzuentwickeln. Dabei stellte er auch einige Analysetools des Klubs vor. Nach jedem Vortrag konnten die Teilnehmer ihre Fragen stellen und miteinander in den Austausch kommen. Dafür wurde ein spezielles Online-Tool genutzt, damit trotz 50 Online-Anwesenden kein "Durcheinander" entsteht.

Bauer: "Schön, welch inhaltlicher Mehrwert für die Teilnehmer entstand"

"Auch für uns war die Online-Konferenz in dieser Größenordnung ein kleines Pilotprojekt", sagt Bauer. "Umso schöner ist, wie hervorragend vieles funktioniert hat und welch inhaltlicher Mehrwert für die Teilnehmer entstand. Wir werden diese innovative Möglichkeit definitiv auch für weitere Impulsvorträge während des Hackathons nutzen." Damit sich der deutsche Fußball – auch dank internationaler Expertise – in Zeiten der "coronabedingten" Spielpause trotzdem ein wenig weiterentwickeln kann. Eintracht Frankfurt und Sportec Solutions kündigten zudem an, zentrale Ergebnisse des Hackathons mit den 36 Vereinen der ersten und zweiten Liga nach Projektabschluss teilen zu wollen.

Als "Mentoren" sind mit Manuel Baum, Toni di Salvo, Daniel Niedzkowski und Anouschka Bernhard auch DFB-Trainer von U-Nationalmannschaften sowie DFB-Torwartkoordinator Marc Ziegler eingebunden. Sie gehören zum erweiterten "Hackathon"-Team. "Es ist sehr positiv, wie sich unsere Trainer – insbesondere in der aktuellen Situation – einbringenund den Teilnehmern praktisches Feedback auf ihre Ideen geben", sagt Haupt.