Spielanalyse

James Maddison – der Kreativspieler

Das Offensivtalent von Leicester City hat eine enorme Entwicklung hinter sich. Wir werfen einen Blick auf sein taktisches Profil!

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  1. Christopher Toetz

    Christopher Toetz, Redakteur der DFB-Trainerzeitschrift „Fußballtraining“, analysiert Qualitätsmerkmale im internationalen Fußball.

Leicester City ist eines der Überraschungsteams der Premier League. Trainer Brendan Rodgers hat eine spielstarke Mannschaft aus vielen talentierten und einigen erfahrenen Spielern zusammengestellt. Eine der tragenden Säulen ist der 22-jährige James Maddison. Der junge Engländer verfügt gerade in der Offensive über außergewöhnliche Qualitäten.

Auslöser und Beschleuniger

Leicester City agiert größtenteils im 4-3-3. In diesem System bekleidet James Maddison je nach Gegner und Ausrichtung die Position des linken „Achters“ oder linken Außenstürmers. Seine technischen Qualitäten, sein cleveres Positionsspiel ohne Ball sowie seine herausragenden Fähigkeiten als Ballverteiler machen ihn zu einem Angreifer, der die Offensivaktionen entscheidend einleiten oder beschleunigen kann.

Wahrnehmung

Die große Stärke von Maddison liegt darin, dass er durch seine ausgeprägte Spielintelligenz in Verbindung mit seiner variablen Technik oftmals die beste Lösung unter Raum-, Zeit- und Gegnerdruck findet. Als Basis hierfür dient eine sehr gute Vororientierung, durch die er sich ein größeres Zeitfenster verschafft, seine Entscheidungsfindung beschleunigt, was wiederum seine anschließende technische Ausführung erleichtert. Dabei agiert er stets tororientiert und wählt oftmals die Lösung, die beim Gegner zu einer Desorganisation führt.

    1. Söyüncü ist in Ballbesitz. Maddison bietet sich für ein kurzes Zuspiel an und verschafft sich gleichzeitig einen Überblick.

    2. Söyüncü passt zu Maddison, der mit der An- und Mitnahme erneut in die Tiefe blickt.

    3. Maddison nimmt den anlaufenden Gegenspieler im Rücken wahr und dribbelt quer zur Spielrichtung. Dabei überblickt er weiterhin die Situation in der Tiefe.

    4. Das Dribbling und die Körperstellung lassen eine Aktion nach außen vermuten, doch Maddison passt entgegen der Bewegungsdynamik in die Tiefe.

    5. Dort kann Vardy das präzise Zuspiel auf Tielemans klatschen lassen und so den Angriff weiter beschleunigen.

    1. Tielemans erhält ein Zuspiel in der Außenspur. Maddison steht in der Halbspur frei und nimmt bereits die Situation in der Tiefe wahr.

    2. Tielemans passt zu Maddison. Beim Erlaufen des Zuspiels blickt Maddison über die Schulter, um die Situation in seinem Rücken zu „scannen“.

    3. Mit der Annahme orientiert er sich erneut in die Tiefe und nimmt den offenen Raum sowie den Lauf von Pérez wahr.

    4. Maddison passt aus dem Stand zu Pérez in den Lauf, der im weiteren Verlauf mit seiner Hereingabe aber scheitert.

Durchschlagskraft

Maddison verfügt über eine hohe Durchschlagskraft in allen Spielphasen. Während die meisten Spieler seines Alters bis kurz vor dem Strafraum eher auf Sicherheit spielen, versucht er mit seinem Passspiel und seinen Dribblings möglichst viele Gegner zu überspielen und seine Mitspieler in eine für die Spielfortsetzung bestmögliche Position zu bringen. Aufgrund seiner Vororientierung und seines Freilaufverhaltens sind seine Anschlussaktionen von hoher Qualität. Gelegentlich neigt er jedoch dazu, Aktionen erzwingen zu wollen oder die laufende Situation falsch einzuschätzen.

    1. Maddison fordert ein Zuspiel von Pereira, das er auch erhält.

    2. Anschließend passt Maddison zu Barnes in die Außenspur.

    3. Maddison rückt nach und nimmt die Spielsituation wahr. Chilwell hinterläuft derweil den ballführenden Barnes, ...

    4. ... wodurch an der Strafraumecke ein 2 gegen 2 entsteht. Maddison rückt heran, schafft dadurch eine Überzahl und ist im Rücken der Gegenspieler anspielbar. Barnes passt zu Maddison.

    5. Maddison dribbelt in Richtung Strafraum, erkennt den heranstürmenden zentralen defensiven Mittelfeldspieler (ZDM) und umspielt diesen mit einer einfachen Täuschung.

    6. Danach geht Maddison in ein 1 gegen 1 gegen einen Innenverteidiger (IV), den er ebenfalls überspielt. Kurz vor der Grundlinie schließt er aus spitzem Winkel ab, scheitert jedoch am Torwart (TW).

    1. Praet dribbelt entlang der Seitenlinie. Der zentrale defensive Mittelfeldspieler muss daraufhin herausrücken. Maddison erkennt die Situation, verringert sein Tempo ...

    2. ... und bietet sich im Rücken des ZDMs an. Praet passt zu Maddison.

    3. Mit der Annahme blickt Maddison in die Tiefe zu Vardy.

    4. Anschließend blickt Maddison in die Zentrumsspur, in der Barnes frei ist. Daraufhin passt der Innenverteidiger (IV) seinen Laufweg an und wendet sich von Vardy ab. Maddison erkennt die vorteilhafte Situation ...

    5. ... und passt in den Lauf von Vardy, der im weiteren Verlauf mit seinem Torschuss jedoch scheitert.

Offensives Umschalten

Das Konterspiel ist bei Leicester City zwar kein spielbestimmendes Angriffsmittel, doch es gehört dennoch zum erweiterten Offensivrepertoire. Hier zeigt Maddison sein Können gerade dann, wenn er den schnellen Gegenangriff mit der ersten oder spätestens mit der zweiten Aktion einleiten kann. Denn er verfügt mit seiner Risikobereitschaft, Umstellungsfähigkeit und Antizipation über die dafür nötigen Eigenschaften. Dabei nutzt er meist druckvolle Pässe in die Tiefe und eher weniger raumüberwindende Tempodribblings.

    1. Pérez setzt den ballführenden Außenverteidiger (AV) unter Druck, der entlang der Mittellinie dribbelt. Maddison nimmt die Situation wahr und rückt vor.

    2. Dort besetzt er eine Position „zwischen“ ballfernen AV und Innenverteidiger (IV), sodass er bei einem möglichen Pass auf beide Spieler Zugriff hat. Pérez hält den Druck auf den AV aufrecht und spitzelt den Ball zu Maddison.

    3. Maddison blickt umgehend in die Tiefe, nimmt die Laufwege wahr und erkennt den sich öffnenden Passweg zu Vardy.

    4. Maddison nutzt die Möglichkeit und spielt einen präzisen Pass in die Tiefe zu Vardy, ...

    5. ... der per Direktschuss zum 1:0-Führungstreffer verwertet.

    1. Maddison ist in der Rückwärtsbewegung. Der linke Mittelfeldspieler (LMF) erhält ein Zuspiel aus der Zentrumsspur. Pereira erkennt die Situation frühzeitig, setzt den Passempfänger im Sprint unter Druck und erzwingt einen Fehlpass.

    2. Mit dem Pass schaltet Maddison direkt auf Offensive um. Sein erster Blick geht in die Tiefe, wo er jedoch keine Anspielstation ausmachen kann.

    3. Sein zweiter Blick geht nach außen, wo Albrighton in Richtung gegnerisches Tor läuft.

    4. Maddison passt präzise in den Lauf von Albrighton, der im weiteren Verlauf mit seiner Hereingabe scheitert.

Unterschiedsspieler

James Maddison besitzt gerade in der Ballbesitzphase eine außerordentliche Qualität. Mithilfe seiner technisch-taktischen Fähigkeiten ist er in der Lage, Angriffe einzuleiten oder entscheidend zu beschleunigen. Darüber hinaus strahlt er auch durch eigene Abschlüsse, sei es aus dem Spiel heraus oder über Standards, eine stete Torgefahr aus.

James besitzt eine hohe Fußballintelligenz und hat ein hohes technisches Niveau. Von ihm geht stets Torgefahr aus und er findet immer wieder Räume, die ihn oder seine Mitspieler in vorteilhafte Situationen bringen.

Brendan Rodgers, Cheftrainer Leicester City

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