Spielanalyse

Spielaufbau mit Dreierkette

Zwei Varianten im Vergleich

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  1. Christopher Toetz

    Christopher Toetz, Redakteur der DFB-Trainerzeitschrift „Fußballtraining“, analysiert Qualitätsmerkmale im internationalen Fußball.

Im modernen Fußball verteidigen viele Mannschaften in Spielsystemen mit zwei Spitzen. Dabei sind die beiden Angreifer für das Anlaufen und Lenken der gegnerischen Innenverteidiger zuständig. Als logische Reaktion darauf binden viele Teams einen weiteren Spieler in die erste Aufbaulinie ein. Die Grundidee ist es, dort eine Überzahl herzustellen und so die Ballsicherheit zu erhöhen und das Herausspielen aus der Abwehr zu erleichtern. Hierbei lassen sich zwei unterschiedliche Varianten unterscheiden.

Erstens: Statische Dreierkette

Der einfachste Weg für das Schaffen einer Überzahl in der ersten Aufbaulinie ist die Einführung eines Systems mit drei Innenverteidigern, einer sogenannten statischen Dreierkette. Diese stellt sich im Spiel gegen den Ball häufig durch die tiefe Position der Außenverteidiger als Fünferkette dar, beispielsweise im 5-4-1 und 5-3-2. Anders als die Viererkette mit zwei Innenverteidigern und zwei Außenverteidigern setzt sich die statische Dreierkette aus einem zentralen und zwei Halbverteidigern zusammen. Häufig werden die Positionen der Halbverteidiger durch „klassische“ Innenverteidiger besetzt, wodurch das Zentrum durch drei Defensivspezialisten in der letzten Linie gestärkt wird. Ein Vorteil dieser taktischen Ausrichtung ist, dass sich kein Mittelfeldspieler nach hinten fallen lassen muss. Stattdessen kann er weiterhin Lücken öffnen, als Anspielstation dienen oder als Wandspieler für einen aufrückenden Mitspieler aus der Defensive fungieren.

    1. Die DFB-Elf baut mit einer statischen Dreierkette auf. Die beiden gegnerischen Stürmer (ST) orientieren sich an Tah und Ginter, sodass Süle in der Zentrumsspur andribbelt.

    2. Durch das Dribbling orientieren sich die ST dann jedoch verstärkt an Süle. Der setzt sein Dribbling fort, woraufhin der zentrale offensive Mittelfeldspieler (ZOM) herausrückt. Zeitgleich bietet sich Werner für ein Anspiel an, das er auch erhält.

    3. Werner passt direkt zu Ginter, der nun ohne Gegnerdruck die erste gegnerische Pressinglinie überdribbeln ...

    4. ... und das Spiel mit einem diagonalen Pass in das Angriffsdrittel fortsetzen kann.

    1. Schär dribbelt als zentraler Innenverteidiger an ...

    2. ... und bindet vier Gegenspieler. Schär passt zu Xhaka und startet in die Tiefe. Xhaka leitet direkt zu Zakaria weiter, der durch das vorherige gegnerbindende Dribbling keinen Druck hat.

    3. Zakaria passt zu Embolo in die Spitze, während Schär seinen Lauf in die Tiefe fortsetzt.

    4. Embolo nimmt den freistehenden Schär wahr und passt in dessen Lauf, der präzise in die ballferne Ecke zum 1:0 abschließt.

Zweitens: Dynamische Dreierkette

Eine weitere Variante ist die dynamische Dreierkette. Diese entsteht überwiegend im Spiel mit dem Ball, beispielsweise durch einen zentral zwischen die beiden Innenverteidiger fallenden oder neben die beiden Innenverteidiger in die Halbspur abkippenden „Sechser“. Der Vorteil liegt vorwiegend darin, einen meist technisch und strategisch besseren Spieler für das Aufbauspiel bereits vor der ersten gegnerischen Pressinglinie zu positionieren. Die jeweilige defensive Grundordnung ist meist eine Viererkette mit vielfältigen Anordnungsvarianten der Mittelfeldspieler und Stürmer (z. B. 4-3-3, 4-2-3-1).

    1. Varane passt zu Ramos. Zeitgleich kippt Kroos ab und bietet sich für ein Anspiel an.

    2. Ramos passt zu Kroos, der in den freien Raum andribbelt.

    3. Anschließend passt Kroos zu Bale, der das Spiel mit einem Dribbling fortsetzt.

    1. Pepe passt zurück zu Torwart Marchesín. Zeitgleich lässt sich Pereira aus dem Mittelfeld zwischen die Innenverteidiger fallen.

    2. Marchesín passt zu Pereira, der durch seine Position eine Überzahl hergestellt hat und nun die beiden gegnerischen Stürmer (ST) bindet.

    3. Pereira passt zu Mercado, der ohne Druck andribbeln ...

    4. ... und das Spiel mit einem scharfen Pass zu Telles fortsetzen kann.

Anforderungen

Für die Umsetzung der jeweiligen Grundordnung mit ihren daraus resultierenden Spielsystemen ergeben sich unterschiedliche Positionen und positionsspezifische Anforderungsprofile. Generell benötigen die Aufbauspieler eine gute Übersicht, taktisches Verständnis und ein ausgereiftes technisches Repertoire, um die Überzahl erfolgreich ausspielen zu können. Schließlich haben die Aufbauspieler das Spiel vor sich und verfügen über optimale Voraussetzungen für eine saubere Spielfortsetzung. Sie können den Gegner mit einem scharfen Pass in die Tiefe überspielen, mit einem Tempodribbling einen Angriff einleiten oder das Spiel mit einem sicheren Querpass verlagern.

Aufbau vereinfachen

Sowohl die statische als auch die dynamische Dreierkette bieten den Teams die Möglichkeit, in der ersten Aufbaulinie eine Überzahl herzustellen, wodurch das Herausspielen aus der Abwehr vereinfacht wird. Dabei sind die Varianten besonders effektiv gegen zwei gegnerische Stürmer, um die erste Pressinglinie zu überspielen.

Ich bin großer Fan der Dreierkette, weil wir damit sehr variabel im Aufbau sind und in der Defensive immer einen Mann mehr zum Verschieben haben. Damit kann man sehr kompakt sein.

Niklas Süle, DFB-Nationalspieler