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Vor- und Nachteile von Kleinfeldspielen als Trainingsmittel der Ausdauer

Wer Fußball spielt, sollte auch fußballspezifisch trainieren

Coaching
Medizin & Athletik
Vier Spieler einer deutschen U-Nationalmannschaft sind zu sehen, die zwei gegen zwei im Kleinfeld trainieren.
    • Kleinfeldspiele sind mit einer höheren Übertragbarkeit auf den Wettkampf und einer größeren Motivation der Spieler verbunden, als Ausdauertraining ohne Ball.
    • Neben der physiologischen Kapazität schulen Kleinfeldspiele gleichzeitig auch technisch-taktische Fertigkeiten.
    • Einflussgrößen auf die physiologische Belastung sind Spielfeldgröße, Spielerzahl, Spieldauer, Einsatz von Toren und/oder Torwarten sowie methodische Zwänge.
    • Im Vergleich zu traditionellem Ausdauertraining bringen Kleinfeldspiele einen erhöhten Organisationsaufwand und eine erschwerte Belastungssteuerung mit sich.

Abstract

Der Einsatz von Kleinfeldspielen im Fußball bringt einige Vorteile mit sich. Zugleich ergeben sich aus trainingspraktischer Sicht größere Herausforderungen bezüglich der Belastungssteuerung als bei traditionellem Ausdauertraining ohne Ball. Das narrative Review von Little untersucht, welche Auswirkungen verschiedene Faktoren der Rahmenbedingungen von Kleinfeldspielen auf die physische Belastung haben. Außerdem werden Hinweise darauf gegeben, wie Kleinfeldspiele optimal strukturiert werden können. 

Das folgende Video gibt einen Einblick in die Anwendung von Kleinfeldspielen als Trainingsmittel der Ausdauerleistungsfähigkeit:

Kleinfeldspiele trainieren Fähigkeiten des Spielers in ihrer Gesamtheit

Die konditionelle Belastung im Hochleistungsfußball ist über die letzten 15 Jahre weiter gestiegen. Beispielsweise hat sich die Distanz von hochintensiven Läufen, die Anzahl an Sprints und die Anzahl an gespielten Pässen in der englischen Premier League von der Saison 2006-07 bis zur Saison 2012-13 erhöht [1]. Parallel wurden Trainingsmethoden des Ausdauertrainings mit traditionellen Zugängen ohne Ball, um Trainingsmittel ergänzt, die gleichzeitig die physische Kapazität und die technisch-taktischen Fertigkeiten trainieren. Kleinfeldspiele (engl. small-sided games) bieten die Möglichkeit den fußballspezifischen Charakter eines Wettspiels abzubilden und verschiedene Leistungsfaktoren gleichzeitig anzusprechen. Darüber hinaus sind sie eine nützliche Lösung zur Steigerung der Trainingseffizienz, da die Trainingszeit häufig einen limitierenden Faktor darstellt.

Übergreifend formuliert ist es ein Ziel des Ausdauertrainings, eine bestimmte Belastung über eine möglichst lange Zeit aufrechthalten zu können und/oder eine rasche Widerherstellung nach einer sportlichen Belastung zu erreichen. Im Fußball unterscheidet man strukturell die Grundlagenausdauer (als aerobe Basiskapazität) und die spezielle Ausdauer (als fußballspezifische aerob-anaerobe Kapazität). Spielformen bieten grundsätzlich die Möglichkeit als Trainingsmittel für beide Ausdauerformen eingesetzt zu werden, benötigen aber Detailwissen über die Modifizierung der Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die Belastungsparameter. Trainer können Einflussfaktoren wie Spieleranzahl, Abmessungen des Feldes und die Spielregeln variieren und somit die jeweiligen Bedingungen optimal einstellen [2,3]. Neben physischen Fähigkeiten ist auch die individuelle Motivation jedes einzelnen Spielers beim Ausdauertraining (Willensschulung) von Bedeutung. Gerade die Motivation der Spieler zählt zu einer der Hauptvorteilen von Kleinfeldspielen, im Vergleich zu traditionellem Lauftraining ohne Ball (siehe Tab. 1).

In der Tabelle werden Kleinfeldspiele und traditionelles Lauftraining in Bezug auf das Training der Ausdauerleistungsfähigkeit verglichen. Es werden jeweils Vor- und Nachteile aufgezeigt.

Welche Faktoren spielen eine wichtige Rolle in der Trainingsplanung?

Der Organisationsaufwand für ein fußballspezifisches Training mittels Kleinfeldspielen ist größer als für eine herkömmliche Trainingseinheit des Lauf- oder Konditionstrainings. Trainer müssen eine Vielzahl an Parametern berücksichtigen und deren Bedeutung festlegen, wie z. B.:

  • Art der Kleinfeldspielform,
  • Spieleranzahl,
  • Spielfeldgröße,
  • mit/ohne Torwarte,
  • Dauer pro Wiederholung,
  • Anzahl der Wiederholungen,
  • Erholungs-/Belastungsverhältnis,
  • Zusatzregeln (z. B. Kontaktbegrenzung).

Spieleranzahl

Ein wichtiger Faktor ist beispielsweise die Spieleranzahl. Aus der Literatur ist bekannt, dass ein enger Zusammenhang zwischen der Belastungsintensität und der Anzahl der Spieler besteht: Bei gleichbleibender Feldgröße führen weniger Spieler zu einer höheren Belastung jedes Einzelnen. Herzfrequenz-, Laktat- und RPE-Werte (subjektives Belastungsempfinden) der Spieler sind bei einem 1-gegen-1 höher als bei einem 4-gegen-4. Videoanalysen zeigen zudem, dass eine Verringerung der Spielerzahl zu mehr Ballkontakten und einer größeren Anzahl an hochintensiven Bewegungen, wie dem Sprinten, führt [2,3,5]. Spielformen mit fünf bis acht Spielern pro Team führen zu Intensitäten, die den Anforderungen eines Laktatschwellenwert-Trainings (ca. 80-90 % der maximalen Herzfrequenz) entsprechen (siehe Tab. 2), während die Spieler in kleinen 3er- oder 4er-Teams mehr gefordert werden (90-95 % der maximalen Herzfrequenz), was zur Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme geeignet ist [6]. Spielformen mit 2er-Teams eignen sich dagegen für anaerobes Training, wobei die Schwelle zwischen aeroben und anaeroben Training ein wichtiger Anhaltspunkt für die Trainingssteuerung ist (siehe Tab. 2).

Die Tabelle zeigt drei Typen von Ausdauertraining mittels Kleinfeldspielen. Diese sind: Laktat-schwelle, VO2-max und anaerob. Es werden jeweils die Intensität, die Dauer und die Spielformate aufgezeigt.

Spielfeldgröße

Die Belastungsintensität kann auch durch die Spielfeldgröße (absolute und relative Spielfeldgröße) beeinflusst werden. Die relative Spielfeldgröße pro Spieler ist definiert als die Gesamtspielfeldgröße durch die Anzahl der Spieler. Die Mehrheit der Studien zeigt, dass größere Spielfelder (über 100 m² pro Spieler) zu einer Zunahme der physiologischen Belastung führen, unabhängig des Spielformats [10].  Bei größeren Feldern sind die potenziellen Laufdistanzen größer und die Bewegungsräume der Spieler maximiert. Kleinere Spielfelder dagegen haben den Vorteil, dass sie leichter räumlich begrenzte Spielsituationen wie z. B. Zweikämpfe abbilden können und ein individuelleres Coaching erlauben. Ein 5-gegen-5 kann beispielsweise von klein (20 x 28 m, 56 m² pro Spieler), über mittel (25 x 35 m, 87,5 m² pro Spieler) bis hin zu groß (30 x 42 m, 126 m² pro Spieler) organisiert werden.

Spieldauer

Grundsätzlich unterscheidet man fortlaufende und intermittierende Kleinfeldspiele. Eine Studie mit Amateurfußballern stellte bei Kleinfeldspielen mit fortlaufender Spielzeit (1 x 16 Minuten) höhere physische Belastungen fest als bei intermittierenden Kleinfeldspielen (4 x 4 Minuten). Allerdings unterschied sich die Herzfrequenz nicht signifikant voneinander [11]. Eine weitere Studie mit U17-Spielern stellte keine Unterschiede bezüglich der physischen Belastung zwischen fortlaufenden und intermittierenden Kleinfeldspielen fest [12]. Generell scheint es empfehlenswert, kleinere Spielformate mit einer höheren Anzahl an Durchgängen und einer kürzeren Spieldauer pro Durchgang zu absolvieren. Je mehr Spieler in das Spielformat integriert werden, desto länger kann - bei gleichzeitiger Reduzierung der Wiederholungen - ein einzelner Durchgang dauern [10].

Ballbesitz

Kleinfeldspiele, bei denen der Ballbesitz oberstes Ziel ist (ohne Torwarte), steigern generell die Trainingsintensität [7]. Der Autor vermutet, dass weniger Spielunterbrechungen und geringere Einschränkungen im Positionsspiel dafür verantwortlich sein könnten. Zudem wurde bei den Zusatzregeln bezüglich der Einschränkung von Ballkontakten und der Zuordnung von Mann-zu-Mann eine Erhöhung der Belastungsintensität bewirkt. Positiver Nebeneffekt bei dieser Kleinfeldspielvariante ist, dass ein längerer Ballbesitz mittrainiert wird.

Motivation

Nicht zuletzt sind Sieg und Niederlage wichtige Motivationsfaktoren im Fußball. Wettbewerb im Training ist daher unerlässlich. Entscheidet sich der Trainer beispielsweise für eine Turnierform, in der jede Mannschaft gegeneinander spielt, beeinflusst die Anzahl der Teams, wie viele Spielwiederholungen jeder Spieler absolviert. Bei unterschiedlichen Spielregeln bei einem Mehrfeldspielmodus, sollte sichergestellt sein, dass alle Teams nicht nur die gleiche Anzahl an Spielen absolvieren, sondern auch alle Spielfelder durchlaufen. Die Dauer eines einzelnen Spiels muss so gewählt sein, dass am Ende die gewünschte Trainingsintensität und Gesamtbelastungsdauer pro Spieler sichergestellt ist.

Sorgfältige Trainingsplanung ist der halbe Erfolg

Grundlage von gutem Training ist ein konsistenter Plan, bei dem die einzelnen Elemente inhaltlich, zeitlich und in ihrer Belastungsintensität gut aufeinander abgestimmt sind. Damit sich der erhoffte Trainingserfolg einstellt, muss das Trainerteam vor allem den zeitlichen Überblick über die kurzfristigen als auch über die langfristigen Ziele der Mannschaft im Auge behalten. Den richtigen Trainingsschwerpunkt und die dazu passenden Übungs- und Spielformen zu finden, setzen sowohl umfassendes Fachwissen als auch Kommunikationsbereitschaft, Sorgfalt und Erfahrung voraus. Fußballspezifisches Training hat im Vergleich zu allgemeinem Fitnesstraining, wie in Tabelle 1 verdeutlicht wurde, gewichtige Vorteile. Da sich die Leistungsbereitschaft innerhalb einer Mannschaft aber von Spieler zu Spieler unterscheidet, wird das Training meist unterschiedlich gut angenommen. Auch sollte berücksichtigt werden, dass die Spieler ein Mindestmaß an technischen Fertigkeiten mitbringen. Anderenfalls kommt es häufig zu Spielunterbrechungen und die Belastungsintensität sinkt. Um die Unterbrechungsdauer zu minimieren, ist es ratsam ausreichend Ersatzbälle am Spielfeldrand bereitzulegen, die bei Bedarf sofort eingespielt werden können.

Die Inhalte basieren auf der Originalstudie "Optimizing the use of soccer drills for physiological development.", die 2009 im "Strength & Conditioning Journal" veröffentlicht wurde.

Literatur

  1. Little, T. (2009). Optimizing the use of soccer drills for physiological development. Strength & Conditioning Journal, 31(3), 67-74.

    Studie lesen
    1. Barnes, C., Archer, D., Hogg, B., Bush, M., & Bradley, P. S. (2014). The evolution of physical and technical performance parameters in the english premier league. International Journal of Sports Medicine, 35(13), 1095–1100.

    2. Little T and Williams AG. Measures of exercise intensity during soccer training drills with professional footballers. J Strength Cond Res 21: 367–371, 2007.

    3. Rampinini E, Impellizzeri FM, Castagna C, Abt G, Chamari K, Sassi A, and Marcora SM. Factors influencing physiological responses to small-sided soccer games. J Sports Sci 25: 659–666, 2007

    4. Bangsbo J. Fitness Training in Football: A Scientific Approach. Bagsvaerd, Denmark: HO+Storm, 1995. pp. 101–221

    5. Little T and Williams AG. Suitability of soccer training drills for endurance training. J Strength Cond Res 20: 16–319, 2006

    6. Grant A, Williams M, Dodd R, and Johnson S. Physiological and technical analysis of 11 v 11 and 8 v 8 youth football matches. Insight: FA Coaches Assoc J 2: 29–30, 1999.

    7. Sassi R, Reilly T, and Impellizzeri F. A comparison of small sided games and interval training in elite professional soccer players. J Sports Sci 22: 562, 2004.

    8. Couttes A. Use of skill-based games in fitness development for team sports. Sports Coach 24: 18–19, 2002

    9. Owen A, Twist C, and Ford P. Small-sided games: the physiological and technical effect of altering pitch size and player numbers. Insight: FA Coaches Assoc J 7: 50–53, 2004.

    10. Sarmento, H., Clemente, F. M., Harper, L. D., Costa, I. T. D., Owen, A., & Figueiredo, A. J. (2018). Small sided games in soccer–a systematic review. International Journal of Performance Analysis in Sport, 18(5), 693-749.

    11. Casamichana, D., Castellano, J., & Dellal, A. (2013). Influence of different training regimes on physical and physiological demands during small-sided soccer games: Continuous vs. intermittent format. The Journal of Strength & Conditioning Research, 27(3), 690–697.

    12. Koklu, Y. (2012). A comparison of physiological responses to various intermittent and continuous small-sided games in young soccer players. Journal of Human Kinetics, 31, 89–96.