Spielanalyse

Teun Koopmeiners – ein Spieler für die Top-Ligen?

Der Kapitän von AZ Alkmaar gehört zu den überragenden Spielern der niederländischen Eredivisie. Wir schauen uns sein taktisches Profil genauer an.

Alkmaars Teun Koopmeiners trifft vom Elfmeterpunkt im Eredivisie-Spiel gegen den PSV Eindhoven. ©2020 imago images / Pro Shots
  1. Christopher Toetz

    Christopher Toetz, Redakteur der DFB-Trainerzeitschrift „Fußballtraining“, analysiert Qualitätsmerkmale im internationalen Fußball.

Der AZ Alkmaar gehört in der Eredivisie zu den spielstärksten Teams der Liga. Dabei besteht der Kader aus hochtalentierten jungen Spielern – viele aus der eigenen Jugend - und einigen erfahrenen Recken. Ein wichtiges Puzzle-Teil dieser Mannschaft ist Teun Koopmeiners. Der 22-Jährige zeigt gerade in der Ballbesitzphase besondere Fähigkeiten, mit denen er das Spieltempo bestimmt und die Defensive und Offensive miteinander verbindet.

Strukturgeber

Koopmeiners läuft meist als Teil einer 'Doppel-Sechs' in einem 4-2-3-1 auf, wobei er auch die Rolle des alleinigen 'Sechsers' in einem 4-3-3 sowie die des linken Innenverteidigers bekleiden kann. Dort hat er regelmäßig die meisten Ballkontakte seines Teams und sein variables Passspiel ermöglicht es ihm, das Spiel von hinten anzukurbeln. Der Linksfuß spielt im Schnitt 71 Pässe pro Spiel, davon fast drei Viertel vorwärtsgerichtet, die er zu rund 85% erfolgreich an den Mitspieler bringt. Damit unterstützt er das Kombinationsspiel maßgeblich und sorgt für stabile Ballbesitzphasen seiner Mannschaft.

Ballbesitzphase

Bereits in der ersten Phase des Aufbauspiels nimmt Koopmeiners eine prägende Rolle ein. Oftmals agiert er als Teil einer dynamischen Dreierkette und kippt in die linke Halbspur neben die beiden Innenverteidiger ab. Der Vorteil liegt vorwiegend darin, dass er durch die Positionierung vor der ersten Pressinglinie frühzeitig das Tempo und die Spielrichtung bestimmen kann und im besten Fall eine Überzahl kreiert. Dort hat er das ganze Spiel vor sich und kann mit seiner guten Übersicht, seinem taktischen Verständnis und seinem ausgereiften technischen Repertoire schalten und walten.

Im weiteren Verlauf eines Angriffs agiert Koopmeiners als unterstützender Spielertyp, der mit großer Ruhe die Bälle verteilt und als Verbindung zwischen Defensive und Offensive sowie linker und rechter Seite fungiert. Dabei bleibt er oftmals hinter dem Ball und verlässt selten seine Grundposition, um Tiefenläufe in die Spitze zu starten. Dennoch hat er einen großen Einfluss im vordersten Drittel, da er mit seiner Reichweite und Präzision im Passspiel alle Räume bespielen kann. Alkmaars Spielweise beruht darauf, dass viele Angreifer in die Spielfeldmitte rücken, was dafür sorgt, dass sich die gegnerische Abwehrreihe zusammenzieht. Dadurch öffenen sich die Außenspuren, die sich Alkmaar oftmals mit Hilfe der hoch agierenden Außenverteidiger zu Nutze macht. Diese rücken im passenden Moment nach und bieten tororientierte Läufe an. Dies ergänzt sich optimal mit Koopmeiners Qualität im langen Passspiel, der dadurch immer wieder in der Lage ist, seine Außenverteidiger in Szene zu setzen.

    1. AZ im Aufbau: Koopmeiners dribbelt aus der dynamischen Dreierkette an und nimmt die Situation in der Tiefe wahr. Dort registriert er Außenverteidiger Svensson, der in der ballfernen Außenspur einen Lauf in die Tiefe startet und einen Pass in den Rücken der Abwehr fordert.

    2. Daraufhin spielt Koopmeiners einen präzisen Diagonalpass in Svenssons Lauf. Mit dem Pass rücken die überspielten AZ-Angreifer, u. a. de Wit, in den Strafraum nach.

    3. Svensson erläuft das Zuspiel und passt mit dem ersten Kontakt in die Strafraummitte, die de Wit bereits im höchsten Tempo anläuft. Doch letztlich kommt sein Gegenspieler ihm zuvor und klärt die Situation zur Ecke.

    1. Außenverteidiger Svensson bricht den Angriff ab und passt zurück zu Midtsjø, der nach einem Schulterblick direkt zu Koopmeiners (nicht im Bild) in die Zentrumsspur weiterleitet.

    2. Koopmeiners nimmt an und blickt in die Tiefe. Svensson, der nach seinem Pass wieder anspielbereit ist, erkennt die Situation und startet einen tororientierten Lauf in die Tiefe. Stengs unterstützt den Lauf, indem er Koopmeiners entgegenstartet und den Raum im Rücken weiter öffnet.

    3. Koopmeiners schaltet gedankenschnell und spielt einen präzisen Pass zu Svensson in den Rücken der Abwehr.

    4. Svensson erläuft das Zuspiel und köpft direkt in den Rückraum, wo Stengs, der nach seiner Voraktion nachgerückt ist, zum Tor an- und mitnimmt ...

    5. ... und erfolgreich zum 2:0 abschließt.

Räume erkennen und nutzen

Eine Qualität von Koopmeiners liegt darin, dass er durch seine ausgeprägte Spielintelligenz in Verbindung mit seiner variablen Technik oftmals die beste Lösung unter Raum-, Zeit- und Gegnerdruck findet. Als Basis hierfür dient sein konstantes Umblickverhalten, durch das er sich ein größeres Zeitfenster verschafft, seine Entscheidungsfindung beschleunigt, was wiederum seine anschließende technische Ausführung erleichtert. Das bekommt besonders dann zum Tragen, wenn er nach einem Ballgewinn den schnellen Gegenangriff mit der ersten oder spätestens mit der zweiten Aktion einleiten kann. Denn er verfügt mit seiner Risikobereitschaft, Umstellungsfähigkeit und Antizipation über die dafür nötigen Eigenschaften. Dabei nutzt er meist Pässe in die Tiefe und selten raumüberwindende Dribblings.

    1. Beim Versuch den Ball zu erobern, hat sich die gegnerische Defensive stark zum ballführenden AZ-Spieler zusammengezogen. Dies hat zwar Erfolg, doch der Ball landet nach der Grätsche umgehend bei Koopmeiners, dem die Desorganisation bewusst ist und diese mit einem Pass zu Steng umgehend bespielt.

    2. Stengs nimmt nimmt zum Tor an und mit und bindet den gegnerischen Innenverteidiger (IV). Außenverteidiger Sugawara schaltet ebenfalls auf Offensive um und hinterläuft den Ballführenden.

    3. Im Strafraum nimmt Stengs kurz das Tempo raus und lässt so den heraneilenden gegnerischen zentralen defensiven Mittelfeldspieler (ZDM) heranrücken, sodass eine 2-gegen-2-Situation entsteht. In dem Moment, als sich der IV zu Sugawara und der ZDM zum Ball orientiert, kappt Stengs in die Mitte ab und schließt erfolgreich in die ballferne Ecke ab.

    1. Nach einem Ballverlust geht AZ umgehend ins Gegenpressing und setzt den ballführenden Gegenspieler unter Druck, der daraufhin einen Pass in die Tiefe spielt. Koopmeiners spekuliert bereits auf ein solches Zuspiel, doch er kann den scharfen Pass nicht abfangen.

    2. Dies erledigt Martins Indi, der dem freistehenden Koopmeiners direkt in den Lauf passt. Gleichzeitig schiebt der Gegner nach vorne.

    3. Koopmeiners erkennt das Momentum und blickt ohne weitere Ballberührung in die Tiefe, wo er de Wit und Stengs (nicht im Bild) wahrnimmt, die ein Zuspiel in die Tiefe fordern.

    4. Koopmeiners flankt in den Strafraum und damit entgegen der gegnerischen Verschieberichtung in den Strafraum. Stengs läuft ein ...

    5. ... und verwertet die Hereingabe in die ballferne Ecke.

Auf dem Sprung?

Teun Koopmeiners ist zweifellos einer der talentiertesten Spieler der Eredivisie. Mit seiner Spielweise ist der junge Niederländer in den zentralen Räumen vielseitig einsetzbar. Er agiert sehr ruhig mit dem Ball, hat stets den ganzen Platz im Blick und ist in der Lage, das Tempo und die Dynamik des Spiels jederzeit zu verändern. Darüber hinaus ist er bei Standards extrem torgefährlich, sei es vom Elfmeterpunkt (5 Ligatore), durch direkte Freistöße (2) oder auch als Abnehmer bei Ecken (3), wie er erst kürzlich wieder mit einem sehenswerten Treffer im Spiel gegen PSV unter Beweis stellte. Kurzum: Qualitäten, die bei vielen großen Vereinen gefragt sind.

Auf dem Rasen versuche ich, das Spiel an mich zu ziehen.
Teun Koopmeiners, Kapitän AZ Alkmaar