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Belastungsmonitoring: Welche Indikatoren weisen den richtigen Weg?

Übersichtsstudie zum Zusammenhang von Belastungsindikatoren mit der Fitness, der Erkrankung und dem Verletzungsrisiko

Medizin & Athletik
U 17 Nationalmannschaft beim Training ©  2019 Getty Images
    • Unterteilung der Trainingsbelastung in äußere Belastung und innere Beanspruchung.
    • Hochintensives Training (> 90% HRmax) ist ein wirksamer Reiz zur Verbesserung der aeroben Leistungsfähigkeit.  
    • Hochintensives Training steht gleichzeitig mit einem höheren Verletzungsrisiko in Verbindung.  
    • Die Distanz, die bei hohen Laufgeschwindigkeiten (> 14,4 km/h) zurückgelegt wird, steht in Zusammenhang mit gesteigerter Fitness.
    • Das subjektive Anstrengungsempfinden der Muskulatur (RPEmus) hängt mit physischen Kraft-/ Schnellkraftparametern zusammen.  
    • Das Muskel-Skelett-System benötigt mehr Zeit zur Wiederherstellung als das Herz-Kreislauf-System. 
Abstract

Im Optimalfall erhält der Trainer über ein Belastungsmonitoring verlässliche Informationen, die ihm dabei helfen, im anstehenden Training das Maß an Belastung zu wählen, das die körperliche Fitness der Spieler steigert und gleichzeitig Verletzungen vermeidet. Allerdings werden im Profifußball unterschiedlichste Belastungsindikatoren verwendet, bei denen zum Teil nicht ganz klar ist, zu welchem Trainingsergebnis sie führen. In einer systematischen Überblicksarbeit haben Forscher darum analysiert, welche Erkenntnisse Studien zum Zusammenhang von Trainingsbelastungsindikatoren und den Folgen (physische Leistungsfähigkeit, Erkrankung, Verletzungsrate) bereithalten. 

Indikatoren für eine angemessene Trainingsbelastung

Ein optimal ausgewogener Trainingsplan berücksichtigt, welche Trainingsform in welcher Häufigkeit, welchem Umfang und welcher Intensität genau die physischen Anreize schafft, um bei den Spielern eine positive Leistungsentwicklung herbeizuführen. Gleichzeitig muss der Trainer auf die richtige Dosierung von Belastungs- und Erholungsphasen achten, um das Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten. Im Durchschnitt verletzt sich jeder Profifußballer im Verlauf einer Saison zweimal. Die generelle Verletzungsanfälligkeit im europäischen Profifußball liegt bei acht Verletzungen pro 1.000 Trainings- und Spielstunden [1]. Als mögliche Gründe dieser Verletzungsrate werden gestiegene Anforderungen an das moderne Fußballspiel, überfrachtete Spielpläne und ein Ungleichgewicht zwischen Belastung und Erholung genannt [2-4].  

Für eine angemessene Trainingssteuerung, die das Verletzungs- und Erkrankungsrisiko so gering wie möglich hält, gleichzeitig aber auch ausreichende Anforderungen für leistungssteigernde Prozesse bereitstellt, ist ein kontinuierliches Monitoring der Trainingsbelastung unerlässlich. Das Monitoring erfasst anhand verschiedener Parameter äußere Belastungen sowie innere Beanspruchungen (vgl. TAB. 01).

Vergleich von äusserer Belastung und innerer Beanspruchung
Vergleich von äusserer Belastung und innerer Beanspruchung

Obgleich im Profifußball mittlerweile eine Vielzahl an Variablen und Messmethoden zur Verfügung stehen, ist nicht eindeutig geklärt, inwieweit Indikatoren der äußeren Belastung und der inneren Beanspruchung mit

  • a) der Steigerung der physischen Leistungsfähigkeit,
  • b) Erkrankung und
  • c) dem Verletzungsrisiko zusammenhängen.

Um einen Überblick über diese Zusammenhänge zu erhalten, hat ein Forscherteam um Arne Jaspers in einer systematischen Übersichtsarbeit den aktuellen Kenntnisstand zusammengetragen und zwölf bedeutsame Studien identifiziert.

Zusammenhang äußerer Belastungsparameter mit physischer Leistungsfähigkeit

Auswertungen der Laufdaten, die per GPS erhoben wurden, ergaben: Die zurückgelegte Gesamtdistanz bei hohen Laufgeschwindigkeiten (THSR: total distance of high-speed running; 14,4 km/h) korrelierte deutlich mit der Herzfrequenzvariabilität (HRV) [5]. Die HRV gilt als wichtiger Gradmesser für die allgemeine Leistungsfähigkeit des Körpers und die Fähigkeit zur Erholung [6]. In einer weiteren Studie nahm die HRV um eine Einheit ab sobald sich die THSR um 300 Meter erhöhte. Diese Korrelation werteten die Autoren als Indikator einer gestiegenen aeroben Leistungsfähigkeit [7]. Das bedeutet, dass hochintensive Belastungen mit einer Verbesserung der aeroben Ausdauerfähigkeit in Verbindung stehen. 
Weil einige Studien in der Saisonvorbereitungsphase durchgeführt wurden, lassen sich kaum Rückschlüsse hinsichtlich eines optimalen Trainingsbelastungsmaßes während der Saison ziehen. Insofern bleibt unklar, was der optimale Umfang an hochintensiven Belastungen während der Wettkampfphase ist.

Die Trainingsplanung sollte in jedem Fall eine Unterscheidung zwischen Stammspielern (z. B. mehr als 1.000 Spielminuten in einer Saison) und seltener eingesetzten Spielern (z. B. weniger als 1.000 Spielminuten in einer Saison) machen und für die Nicht-Stammspieler gegebenenfalls zusätzliche Trainingseinheiten einplanen. Denn Spieler, die über eine Saison hinweg auf mehr Spielminuten kommen, hatten bessere Sprint- und Sprungleistungen [8]. Das zeigt, dass der Wettkampf ein spezifischer Trainingsreiz für die Erhaltung und Verbesserung von konditionellen Fähigkeiten ist. 
Keine Korrelation ergab sich beim Vergleich von Gesamtbelastungsdauer und der Veränderung der Körperzusammensetzung (z. B. Körperfett) [9].

Zusammenhang zwischen innerer Beanspruchung und physischer Leistungsfähigkeit

Die Studien, die sich mit Indikatoren interner Beanspruchung in Bezug auf die Veränderung der Fitness beschäftigten, geben kein einheitliches Bild ab. Beispielsweise konnte ein negativer Zusammenhang des subjektiven Anstrengungsempfinden der Muskulatur (RPEmus) mit Kraft-/Schnellkraftleistungen ermittelt werden [10]. Das generelle subjektive Anstrengungsempfinden (RPE) zeigte dagegen keine signifikanten Zusammenhänge zwischen Beanspruchung und Änderungen in physischen Leistungsparametern. 
In weiteren Studien nutzten Sportmediziner die Herzfrequenzrate (HR) als Indikator für Trainingsbeanspruchung, um zu prüfen, inwiefern sich hochintensives Training auf den Fitnesszustand auswirkt. Ergebnis: Trainingszeiten, die sich laut Herzfrequenzrate in einem intensiven Bereich (ca. 90% der maximalen HR) befinden, verbesserten den Fitnessgrad signifikant [11]. 
Die teils widersprüchlichen Ergebnisse bezüglich des muskulären Anstrengungsempfindens (RPEmus) und der HR-basierten Indikatoren der Beanspruchung könnten nach Ansicht der Autoren darauf hindeuten, dass für den Bewegungsapparat und für das Herzkreislaufsystem unterschiedliche Anpassungsmechanismen und Erholungszeiten gelten. Auf das Fußballtraining bezogen würde demnach der Bewegungsapparat eine längere Erholungsphase benötigen als das kardiovaskuläre System.

Zu hohe Trainingsbeanspruchung kann Verletzungsrisiko erhöhen

Gibt es Indikatoren, die eine erhöhte Anfälligkeit für Verletzungen oder Erkrankungen anzeigen? Einen Zusammenhang zwischen der aufsummierten Belastungsdauer aus Spiel und Training mit dem Auftreten von Muskelzerrungen konnte eine Studie nicht bestätigen [12]. Im Gegensatz dazu fanden Forscher eine signifikante Korrelation zwischen Trainingsbeanspruchung und Verletzungsanfälligkeit: Je länger Spieler in einem hochintensiven Bereich (85-89% der maximalen Herzfrequenz) trainierten, desto höher lag das Verletzungsrisiko. Auch die Wahrscheinlichkeit einer Verletzung im Wettkampf steigt, wenn die Spieler mehr Trainingszeit mit einer Herzfrequenz von über 90% der HFmax absolvieren [13]. 
In Trainingseinheiten, die die Spieler als sehr anstrengend empfanden (hoher session-RPE), verringerte sich die Konzentration des Immunglobulin-Antikörpers (IgA) im Speichel signifikant. Niedrige IgA-Konzentrationen erhöhen die Anfälligkeit für Infektionen der oberen Atemwege. Stark beanspruchende Trainingseinheiten können somit das Auftreten von Erkrankungen begünstigen, folgern Owen et al. [14].

Wenige Studien – schlecht vergleichbar

Insgesamt ergibt die Studienlage kein einheitliches Bild zum Zusammenhang von Belastungen und Beanspruchung einerseits und Fitness bzw. Verletzungsrisiko andererseits. Obwohl heutzutage eine Vielzahl an Variablen und Messmethoden zur Verfügung stehen, existieren verhältnismäßig wenige wissenschaftliche Studien zum Zusammenhang von Belastungsindikatoren und der Leistungsentwicklung, wundern sich die Autoren. In ihrer Schlussbetrachtung geben sie zu Bedenken, dass sich die Studien aufgrund ihrer teilweise sehr unterschiedlichen Methodik (Monitoring der Trainingseinheiten und/oder der Wettspiele, unterschiedliche Parameter, verschiedene Mannschafts- und Spielereigenschaften) nur eingeschränkt miteinander vergleichen lassen. 
Darüber hinaus waren die Fallzahlen   ̶  wie häufig im Hochleistungssport   ̶  in den meisten Studien relativ gering (10-35 Spieler). Um einen besseren Einblick in die Zusammenhänge aus Belastung/Beanspruchung einerseits und Fitnessstand/Verletzungsanfälligkeit andererseits zu erhalten, empfehlen die Autoren, das Monitoring zukünftig in größerem Maßstab sowohl bei Trainingseinheiten als auch in Wettspielen durchzuführen. 

Literatur

  1. Jaspers, A., Brink, M. S., Probst, S. G., Frencken, W. G., & Helsen, W. F. (2017). Relationships between training load indicators and training outcomes in professional soccer. Sports Medicine, 47(3), 533-544.
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    1. Ekstrand J, Hägglund M, Waldén M. (2011) Injury incidence and injury patterns in professional football: the UEFA injury study. Br J Sports Med. 45(7):553–8.

      Studie lesen
    2. Bush M, Barnes C, Archer DT, et al. (2015) Evolution of match per- formance parameters for various playing positions in the English Premier League. Hum Mov Sci. 39:1–11.

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    3. Bengtsson H, Ekstrand J, Hägglund M. (2013) Muscle injury rates in professional football increase with fixture congestion: an 11-year follow-up of the UEFA Champions League injury study. Br J Sports Med. 47(12):743–7.

      Studie lesen
    4. Ekstrand J, Hägglund M, Kristenson K, et al. (2013) Fewer ligament injuries but no preventive effect on muscle injuries and severe injuries: an 11-year follow-up of the UEFA Champions League injury study. Br J Sports Med. 47(12):732–7.

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    5. Thorpe RT, Strudwick AJ, Buchheit M, et al. (2015) Monitoring fatigue during the in-season competitive phase in elite soccer players. Int J Sports Physiol Perform. 10(8):958–64.

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    6. Dr. Ronald Burger - HRV Messung

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    7. Buchheit M. (2014) Monitoring training status with HR measures: do all roads lead to Rome? Front Physiol. 5:73.

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    8. Silva JR, Magalhaes JF, Ascensao AA, et al. (2011) Individual match playing time during the season affects fitness-related parameters of male professional soccer players. J Strength Cond Res. 25(10):2729–39.

      Studie lesen
    9. Carling C, Orhant E. (2010) Variation in body composition in professional soccer players: interseasonal and intraseasonal changes and the effects of exposure time and player position. J Strength Cond Res. 24(5):1332–9.

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    10. Los ArcosA,Martınez-Santos R, Yanci J, et al. (2015) Negative associations between perceived training load, volume and changes in physical fitness in professional soccer players. J Sports Sci Med. 14(2):394–401.

    11. Castagna C, Impellizzeri FM, Chaouachi A, et al. (2013) Preseason variations in aerobic fitness and performance in elite-standard soccer players: a team study. J Strength Cond Res. 27(11):2959–65.

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    12. Mallo J, Dellal A. (2012) Injury risk in professional football players with special reference to the playing position and training periodization. J Sports Med Phys Fit. 52(6):631–8.

    13. Owen AL, Forsyth JJ, Wong DP, et al. (2015) Heart rate-based training intensity and its impact on injury incidence amongs elite-level professional soccer players. J Strength Cond Res. 2015;29(6):1705–12.

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    14. Owen AL, Wong DP, Dunlop G, et al. (2014) High-intensity training and salivary immunoglobulin-A responses in professional top-level soccer players: effect of training intensity. J Strength Cond Res.

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