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Nahrungsergänzung: Kaffee oder Zuckerwasser?

Was Nahrungsergänzungsmittel im Fußball bringen

Medizin & Athletik
Ein Spieler einer deutschen U-Nationalmannschaft trinkt während einer Trainingspause Wasser am Spielfeldrand.
    • Kohlenhydrat-Elektrolyt-Getränke steigern die Leistungsfähigkeit.
    • Mundspülungen sind ebenfalls effektiv.
    • Beim Koffein ist die Wirksamkeit nicht eindeutig, es scheint auch auf die Dosis anzukommen. 

Abstract

Jeder Trainer möchte die Leistungsfähigkeit seiner Spieler fördern. Dabei werden mitunter Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt, ohne die genaue Wirksamkeit zu kennen. Mark Russell und Michael Kingsley sind in einer Übersichtsstudie der Frage auf den Grund gegangen, welche Substanzen die technischen Fertigkeiten beeinflussen und welche nicht. Die Wissenschaftler werteten 279 Studien aus den Jahren 2009-13 aus und unterwarfen sie dabei einem strengen Qualitätscheck – nur 13 Studien blieben danach für eine weitere Analyse übrig (acht über Kohlenhydrate, drei über Flüssigkeitszufuhr und zwei über Koffein). Sechs der acht Kohlenhydrat-Studien zeigen, dass ein sechs bis acht-prozentiges Kohlenhydrat-Elektrolyt-Getränk, das Dribbling, den Torschuss oder das Passspiel während einer 90-minütigen Spielbelastung positiv beeinflussen. Zu den Themen Koffein und Flüssigkeitszufuhr konnten die beiden Forscher, in Bezug auf fußballspezifische Fertigkeiten, keine eindeutigen Ergebnisse finden.

Koffein- oder Kohlenhydrat-Elektrolyt-Getränk – was bringt mehr?

Profifußballer müssen verschiedene Fähigkeiten und fußballspezifische Fertigkeiten trainieren: Wahrnehmung und Kognition ebenso wie motorische Fertigkeiten. Sie dribbeln, spielen Pässe, schießen Tore, müssen sich in einer schnell verändernden Situation orientieren und entsprechend reagieren. Ziel ist es dabei, schneller und vor allem mehr Tore zu schießen als der Gegner. Doch in der zweiten Halbzeit ändert sich die Leistungsfähigkeit der Spieler: häufig tritt eine körperliche Ermüdung ein [1].

Beispielsweise wurde festgestellt, dass Fußballer während des Weltcups bis zu zehn verschiedene Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Sie hoffen, damit ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten oder bei drohender Erschöpfung wieder steigern zu können. Doch bisher ist unklar, welche Stoffe den entscheidenden Mehrwert bringen und welche Faktoren die Wirksamkeit dieser Stoffe beeinflussen könnten.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, machten sich sie Wissenschaftler Mark Russell von der Northumbria University in England und Michael Kingsley von der La Trobe University in Australien daran, 279 Studien aus den Jahren 2009-13 genauer unter die Lupe zu nehmen. Nach Anwendung diverser Ausschlusskriterien und Qualitätssicherungsverfahren auf der Grundlage der Physiotherapie-Evidenzdatenbank (PEDro) blieben nur 13 Studien übrig (acht über Kohlenhydrate, drei über Flüssigkeitszufuhr und zwei über Koffein), die in die Bewertung und Analyse einfließen durften. Ausgeschlossen wurden dabei unter anderem Studien, die mit den spezifischen Anforderungen im Fußball nichts zu tun hatten und darum nicht vergleichbar waren.

171 Studienteilnehmer wurden in dieser Überblicksstudie insgesamt untersucht. Fast alle (94 Prozent) waren männlich, gut trainiert (maximale aerobe Kapazität liegt bei 50-59 ml x kg-1 x min-1) und wurden während einer 75 bis 90-minütigen Spielbelastung untersucht.

Zwischen manchen Parametern gab es erhebliche Unterschiede. Einige der verwendeten Studien untersuchten nur spezifische Fertigkeiten wie das Passen, den Torschuss, das Dribbeln oder sie verwendeten unterschiedliche Methoden der Beurteilung der Fertigkeiten (beispielsweise subjektive Bewertungen oder auf bestimmten Kriterien basierende Messungen). Das erschwert eine eindeutige Vergleichbarkeit. Andere Variablen, wie beispielsweise die Dauer des durchgeführten Trainings, die aerobe Fitness der Spieler, das Geschlecht oder die Umweltbedingungen waren wiederum relativ gut vergleichbar. 

Das Kohlenhydrat-Elektrolyt-Getränk bringt es – ein bisschen zumindest

Allgemein bekannt ist, dass die Aufnahme von Kohlenhydraten während eines längeren Trainings den Blutzuckerspiegel aufrechterhalten und die Energieversorgung der Muskeln verlängern kann [2,3]. Insbesondere kohlenhydrathaltige Getränke haben positive Auswirkungen auf die Laufausdauer, die Sprints und die Beinarbeit [4-8]. Aber auch geistigen Leistungen (schnelle Entscheidungsprozesse während des Fußballspiels) werden durch die Zucker-Konzentration im Blut beeinflusst [9], da das Gehirn in erster Linie vom Blutzucker abhängig ist, um optimal zu funktionieren.

Daher untersuchen acht der 13 verwendeten Studien den Einfluss der Kohlenhydrate. 112 männliche Spieler nahmen vor und während der Spielbelastung Getränke zu sich, die zwischen sechs bis acht Prozent Zucker in Form von Saccharose, Maltodextrin, einem Glukosepolymer oder Honig enthielten.

Sechs dieser acht Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Kohlenhydrate mindestens einen Aspekt der beobachteten technischen Fertigkeit verbessern können. Eine acht-prozentige Glukoselösung kann beispielsweise den Rückgang der Schuss- und Passgenauigkeit in den letzten 15 Minuten eines Spiels kompensieren; ein 7,5-prozentiges Maltodextrin-Getränk die allgemeine Dribbel- und Schussleistung optimieren [10,11].

Doch ganz so einfach ist es nicht: Unterschiedliche Dosen zeigen unterschiedliche Auswirkungen auf die Schuss-, Pass- und Dribbelfertigkeiten. Und dies hängt auch davon ab, ob die Kohlenhydrate vor und während der fußballspezifischen Belastung eingenommen werden [12]. Unklar ist, ob die untersuchten Kohlenhydratdosen optimal waren, um eine allgemeine Aussage treffen zu können. Fakt ist aber, dass die zugegebenen Kohlenhydrate mit anderen physiologischen Veränderungen während der fußballspezifischen Belastung wechselwirken und dadurch eine Komplexität entsteht, die eine klare Analyse erschwert. 

Kohlenhydratlösung als Mundspülung

Auch die Art und Weise, wie der Spieler die Kohlenhydratlösung zu sich nimmt, ist nicht egal: Im Radsport (Zeitfahren) und bei Sprints wurde eine Leistungssteigerung beobachtet, wenn eine ca. 6-prozentige Kohlenhydratlösung als Mundspülung benutzt wurde [13,14]. Daher kann die Mundspülung eine alternative Strategie für diejenigen Spieler sein, die aufgrund von Magen-Darm-Beschwerden Kohlenhydratlösungen nur ungern trinken. Die Studienergebnisse deuten jedenfalls darauf hin, dass das Vorhandensein von Kohlenhydraten im Mund den Leistungsabfall im Laufe eines Spiels bremsen kann. Allerdings fehlt es derzeit an Forschungen, die dies genauer untersuchen.

Mit Wasser den Flüssigkeitshaushalt im Körper regulieren

Müdigkeit und Erschöpfung bei hochintensivem Intervalltraining kann auch vom Wasserhaushalt des Körpers abhängen. Insbesondere wenn eine hohe Kraftleistungsfähigkeit und anaerobe Ausdauer erfordert wird, kann Wassermangel die Leistung der Spieler beeinträchtigen [15]. Denn Wassermangel wird mit einer erhöhten Glykogenverwertung, einer veränderten Aktivität des zentralen Nervensystems und einer erhöhten Belastung der Herzkranzgefäße in Verbindung gebracht [16,17].

Doch welchen Einfluss hat die Flüssigkeitsversorgung auf welche Trainingsleistung jetzt genau? Dies wurde in drei der 13 Studien untersucht. Bei den insgesamt 32 untersuchten Spielern (darunter auch zehn Frauen) führte das Trinken von Wasser zu insgesamt nicht eindeutigen Ergebnissen: Mal gibt es eine fünfprozentige Verbesserung beim Dribbling, dann wiederum ist keine Verbesserung beim Passen oder dem Torschuss zu erkennen.  

Koffein als derzeit legale Substanz

Koffein stimuliert unser zentrales Nervensystem und wirkt sich auf die Konzentration und die Reaktionszeit bei Entscheidungen aus. Da mentale Prozesse auch im Fußball eine hohe Bedeutung haben wurde vermutet, das sich Koffein auch hier positiv sich auf die Dämpfung von Leistungseinbußen auswirken kann [18].

Nur eine der 13 untersuchten Studien hat sich dabei auf die Auswirkungen von Koffein (als einzigen Wirkstoff) auf fußballspezifische Fertigkeiten konzentriert. Eine weitere untersuchte, wie Koffein mit Kohlenhydraten zusammenwirkt. 27 Männer nahmen Koffein in Dosen von 3,7 und 6 mg pro kg Körpergewicht als Getränk oder Kapsel ein. In einer Studie (6 mg) wurde eine Leistungssteigerung von 4,3 Prozent beim Spielen von Pässen im Vergleich zum Placebo festgesellt, in einer anderen (3,7 mg) wurde keine Leistungssteigerung festgestellt [19,18,20]. Vermutlich war die Koffein-Dosis in der zweiten Studie zu gering.

Auch beim Koffein kommt es auf die Art der Aufnahme an: Insbesondere das Kauen von koffeinhaltigem Kaugummi bringt deutlich schnellere Wirkzeiten mit sich – verglichen mit der Einnahme einer Kapsel [21].

Außerdem wirkt Koffein bei jedem Menschen anders [22-24]: Ob es bei geistiger Leistung stärker stimulierend wirkt oder weniger, hat vermutlich auch genetische Ursachen, wie in einer der zitierten Studien beschrieben wird [25]. Wenn es um Bewegung und körperliche Leistungsfähigkeit geht, ist der genetische Einfluss der Koffeinreaktion noch nicht geklärt und bietet zukünftige Forschungsmöglichkeiten.

Der Mix macht es nicht wirklich besser

Die Forscher zitieren auch ihre eigene Studie, in der sie feststellen, dass eine 9,6-prozentige Lösung aus einer Mischung aus Kohlenhydraten, Koffein und Elektrolyten (mit 6 mg Koffein pro kg Körpergewicht) und einem Kohlenhydrat-Elektrolyt-Gel die mittlere Sprintleistung während einem simulierten Spiel um ca. drei Prozent im Vergleich zu einem Placebo verbessern kann [26]. Das ist zumindest etwas, aber ist es viel? 

Welche weiteren Einflussfaktoren sind wichtig?

Die meisten nahrungsergänzenden Strategien wollen in erster Linie körperliche Aspekte wie hochintensive Trainingsleistung und Ausdauer verbessern. Hier kann die Verabreichung ausgewählter Substanzen wie Kohlenhydrate, Koffein und Flüssigkeit ermüdungsbedingte Leistungsrückgänge im Fußball ausgleichen.

Getränke, die zwischen sechs bis acht Prozent Kohlenhydrate in Form von Glukose, Saccharose und Maltodextrin enthalten, die vor und während des intermittierenden Trainings mit Raten von 30-60 g pro Stunde aufgenommen wurden, sind empfehlenswert. Die Nutzung der Mundspülung anstelle des Kohlenhydratkonsums sollte ebenfalls berücksichtigt werden.

Für die Einnahme von Koffein und die Flüssigkeitsversorgung sind die Ergebnisse allerdings nicht eindeutig. Obwohl die zukünftige Forschung versuchen sollte, weitere Beweise zu liefern, kann der Konsum von Koffein (6 mg pro kg Körpergewicht) ebenfalls Effekte hervorrufen. Auch mehr Flüssigkeitszufuhr könnte sinnvoll sein.

Darüber hinaus hebt dieser Übersichtsartikel hervor, dass die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungen durch weitere spezifische Faktoren gesteuert werden könnte, die in den bereits durchgeführten Studien zu wenig oder zu unsystematisch untersucht wurden: Zum einen geht es dabei um die Art der untersuchten fußballspezifischen Fertigkeit, zum anderen um die Substanz an sich: ihre Dosis, die Art der Verabreichung (trinken oder Mund spülen) und ihre Wirkung auf andere körperliche Veränderungen, die während des Trainings auftreten werden. Diese Faktoren sollten von Trainern und Forschern ebenfalls berücksichtigt werden, wenn sie die Leistung der Spieler verbessern möchten.

Die Inhalte basieren auf der Originalstudie "The efficacy of acute nutritional interventions on soccer skill performance.", die 2014 in "Sports Medicine" veröffentlicht wurde.

Literatur

  1. Russell, M., & Kingsley, M. (2014). The efficacy of acute nutritional interventions on soccer skill performance. Sports medicine, 44(7), 957-970.

    Studie lesen
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    2. Coyle EF, Coggan AR, Hemmert MK, et al. Muscle glycogen utilization during prolonged strenuous exercise when fed carbohydrate.J Appl Physiol. 1986;61:165–72.

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