Spielanalyse

Teamanalyse: Atalanta Bergamo

Atalanta Bergamo verfolgt unter Trainer Gasperini eine von Erfolg geprägte Spielidee. Wir zeigen, was dieses Team ausmacht!

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  1. Thomas Stillitano

    Thomas Stillitano, Redakteur der DFB-Trainerzeitschrift „Fußballtraining“, analysiert das Serie A-Team Atalanta Bergamo.

Atalanta Bergamo hat sich in den vergangenen Spielzeiten kontinuierlich weiterentwickelt und eine Spielidee mit einigen interessanten sowie innovativen Aspekten entwickelt. In dieser Saison 2018/19 standen sie im Pokalfinale und sind in der Liga auf UEFA Champions League Kurs.

Kontinuierliche Entwicklung mit klarer Spielidee

Trotz Juventus Turins achter Meisterschaft in Folge ist in der Serie A das Team der Stunde ein anderes. Atalantas positive Entwicklung hat sich seit nunmehr drei Jahren abgezeichnet. Der Vater des Erfolges ist ohne jeden Zweifel Cheftrainer Gian Piero Gasperini, der die Geschicke in Bergamo seitdem leitet und dem Team eine klare Mentalität und Spielidee vermittelt hat. In dieser Spielzeit befindet sich Gasperinis Team auf UEFA Champions League Kurs und stand – nachdem man auch Juventus Turin aus dem Wettbewerb warf – im Pokalfinale, welches jedoch mit 0:2 gegen Lazio Rom verloren ging.

Mannorientiertes Pressing

Atalanta spielt in einem 3-4-2-1 oder 3-4-1-2 ein intensives mannorientiertes Pressing. Eine hohe Lauf- und Sprintbereitschaft sowie aggressives Vorwärtsverteidigen stellen die Gegner vor Schwierigkeiten; immer mit dem Ziel, den Ball zu erobern. Dafür werden die Manndeckungen vor allem auf der Ballseite forciert. Dies ermöglicht, den Druck auf den Ballbesitzer stets hochzuhalten. Und selbst bei fehlender Kompaktheit nehmen die Spieler weite Wege auf sich, um den Raum-, Zeit- und Gegnerdruck aufrechtzuerhalten. So provozieren sie eine Vielzahl von Fehlern, insbesondere gegen Teams, die spielerische Lösungen suchen. Und wenn der Gegner doch auf lange Pässe zurückgreift, haben sie in der letzten Abwehrreihe kopfballstarke Verteidiger.

    1. Zapata mit seinem Anlaufverhalten und Iličić mit seinem mannorientierten Stellungsspiel provozieren einen Pass von Innenverteidiger Rugani zum Außenverteidiger De Sciglio. Castagne verteidigt dieses Zuspiel nach vorne.

    2. Aufgrund des Gegnerdrucks durch Castagne passt De Sciglio zurück zu Rugani (nicht im Bild). Zapata läuft diesem Pass nach, um den Druck aufrechtzuerhalten.

    3. Mit Zapata und Iličić, die ihre direkten Gegenspieler Rugani und Chiellini mannorientiert verfolgen, ist Rugani gezwungen, zurück zu Torhüter Szczęsny (nicht im Bild) zu passen.

    4. Zapata verstellt mit seinem Anlaufen zu Szczęsny den Pass zurück zu Rugani und „schneidet“ damit eine Spielfeldhälfte ab. Iličićs Manndeckung gegen Chiellini und De Roons gegen Bentancur provozieren den Pass zu Außenverteidiger Sandro. Diesen Pass attackiert Außenverteidiger Hateboer im Sprint.

    5. Hateboer setzt Sandro unter Druck, der aufgrund des mannorientierten Deckungsverhaltens von Tolói und Gómez sowie dem Verstellen der Passwege von Iličić und Zapata gezwungen ist, den Ball nach vorne zu schlagen. Konsequenz: Ballgewinn Atalanta.

    1. Bentancur passt, von Pašalić unter Druck gesetzt zu Rugani, der sofort von Gómez angelaufen wird. Zapata, Tolói, Freuler im Mittelfeld sowie Djimsiti, Palomino und Castagne in der letzten Abwehrreihe orientieren sich an ihren unmittelbaren Gegenspielern.

    2. Pašalić bleibt mannorientiert bei Bentancur. Tolói, Djimsiti orientieren sich ballfern an ihren Gegenspielern. Auf der Ballseite wird durch Palominos Manndeckung gegen Ronaldo und Castagnes vorwärtsverteidigen mit dem Pass von Rugani zu Cancelo aktiv Druck ausgeübt.

    3. Cancelo ist gezwungen, nach innen zu dribbeln. Castagne verfolgt ihn konsequent und aggressiv. Durch Freulers und Pašalićs mannorientiertes Verhalten gegen Khedira und Bentancur sowie Gómez’ Zustellen des Rückpasses hat Cancelo keine anderen Optionen der Spielfortsetzung.

    4. Castagne kann den Ball gegen Cancelo erobern und daraufhin zielstrebig zum Tor dribbeln.

    5. Castagne dribbelt ohne Gegnerdruck bis zum Strafraum und erzielt mit einem Schuss in die ballferne Ecke den 1:0-Führungstreffer.

    1. Verteidigt die vorderste Pressinglinie mannorientiert, gewährt der zentrale offensive Mittelfeldspieler Pašalić seinem Gegenspieler Bentancur, der das Zuspiel von Rugani erhält, großen Freiraum. Dennoch versucht er, ihn unter Druck zu setzen.

    2. Pašalić kann den Pass von Bentancur zum ebenfalls freistehenden Dybala nicht unterbinden. Palomino (nicht im Bild) attackiert diesen Pass nach vorne, um die fehlende Kompaktheit zu kompensieren und Druck auf den Ballführenden auszuüben.

    3. Palomino kann Dybala zwar etwas unter Druck setzen, aber den Pass zu Ronaldo dennoch nicht verhindern. Der Zugriff fehlt nach wie vor.

    4. Der zentrale Innenverteidiger Djimsiti verteidigt auch nach vorne und setzt Ronaldo unter Druck, der auf Dybala ablegt. Freuler und Palomini laufen zurück und verdichten den Aktionsraum.

    5. Schlussendlich schafft es Atalanta durch konsequentes, weiträumiges nach-vorne-Verteidigen, Zugriff auf den Ballführenden zu bekommen. Freuler erobert den Ball gegen Dybala und kann den Freiraum in der Zentrumsspur für einen Konter nutzen.

Weiträumiges Gegenpressing

Auch nach Ballverlusten zeichnet sich Atalanta durch ein aggressives Gegenpressing aus. Unabhängig der Distanzen zum Ball verdichten die Spieler auf der Ballseite den Raum und setzen den Ballführenden unter Druck. Und selbst, wenn der erste Rückeroberungsversuch misslingt, setzen die absichernden Spieler ihn weiter fort. Insbesondere im Angriffs- und Mitteldrittel verteidigen sie dabei aggressiv, mutig und auf Ballgewinn ausgerichtet. Dafür nehmen sie auch Foulspiele in Kauf und nutzen diese dann, um wieder in ihre Ordnung zu finden. So schaffen sie es, gefährliche Konter zu unterbinden.

    1. Hateboer flankt nach einem Angriff über die Außenspur in den Strafraum. Calabresi fängt diese ab. Der zweite Ball landet bei Krejčí, der die Hereingabe zuvor nicht blocken konnte.

    2. Atalanta bekommt zunächst keinen Druck auf den Ballführenden Krejčí, der zu Pulgar passt. Dieses Zuspiel attackiert de Roon (nicht im Bild) nach vorne.

    3. Freuler und de Roon setzen Pulgar unter Druck. Auch Iličić kommt dazu und verstellt gleichzeitig mit seinem Deckungsschatten den Pass zu seinem Gegenspieler.

    4. Pulgar gelingt es dennoch, den Druck zu überspielen und zu Sansone zu passen. Nichtsdestotrotz setzt Atalanta in Form von Innenverteidiger Mancini (nicht im Bild) das Gegenpressing fort.

    5. Mancini bekommt aufgrund seines konsequenten sowie gut getimten nach-vorne-Verteidigens Zugriff auf den Ballführenden und erobert den Ball. Zeit vom Ballverlust bis zur Rückeroberung: 7 Sekunden.

    6. Mancini nutzt den dynamischen Ballgewinn für das sofortige Umschaltspiel und passt zu Iličić, der nach innen dribbelt und mit einem Distanzschuss den 1:0-Führungstreffer erzielt.

    1. Mancini wird von Linetty unter Druck gesetzt und passt zu Hateboer, der mit dem Zuspiel den Ball gegen Murru verliert. Der Ball landet schließlich bei Linetty.

    2. Linetty wird von Hateboer und Mancini sofort unter Druck gesetzt, kann aber dennoch zum entgegenkommenden Quagliarella passen.

    3. Das Gegenpressing wird durch de Roon und Djimsiti fortgeführt. Ersterer erobert den Ball, der zu Iličić gelangt. Dieser dribbelt anschließend nach innen. Zeit vom Ballverlust bis zur Rückeroberung: 6 Sekunden.

    4. Iličić spielt einen Doppelpass mit Gómez und dribbelt im Anschluss zielstrebig zum Tor. Der Konter nimmt "Fahrt" auf.

    5. Zapata, zwischen zwei Verteidigern stehend, fordert das Zuspiel. Iličić nimmt die Situation wahr und passt zu ihm. Zapata kann anschließend den 1:0-Führungstreffer erzielen.

Flexibilität im Spielaufbau mit Fokus auf die Außenspur

In Ballbesitz definiert sich Atalanta über ein hohes Maß an Flexibilität. Im Spielaufbau verfolgen sie den Plan, das Spiel möglichst über die Außen aufzubauen, agieren dabei jedoch alles andere als ausrechenbar. Denn trotz der nominell einfach besetzten Außenspur wird diese auf der Ballseite stets von unterschiedlichen Positionen doppelt besetzt – entweder von einem zentralen oder offensiven Mittelfeldspieler oder von einem offensiv agierenden Innenverteidiger. Dieses taktische Konzept führt dazu, dass der Ballbesitzer das Spiel vor sich hat und so unter erleichterten Druckbedingungen nach zielgerichteten Lösungen suchen kann. Gegen tiefstehende Defensivverbände bauen sie geduldig mit vielen Verlagerungen auf und „legen sich den Gegner zurecht“, um dann zielgerichtet ins letzte Drittel zu spielen. Doch auch gegen höher pressende Mannschaften bevorzugen sie spielerische Lösungen, spielen dann jedoch schneller und vertikaler in die Spitze, um den Druck schnellstmöglich zu „überspielen“. Als Zielspieler dient hier meist der physisch starke Stürmer Zapata, der seine Qualitäten in der Ballsicherung hat und seinen Mitspielern so Zeit verschafft, um nachzurücken und gefährliche Situationen zu schaffen.

    1. Der zentrale Innverteidiger Djimsiti passt zum linken Innenverteidiger Mancini. Währenddessen lässt sich der zentrale Mittelfeldspieler Pašalić in die Außenspur fallen, um diese doppelt zu besetzen.

    2. Mancini passt zu Pašalić und setzt sich nach seinem Anspiel in die Zentrumsspur nach vorne ab. Dieser hat das Spiel nun vor sich und kann es ohne Druck fortsetzen.

    3. Pašalić passt zurück zu Mancini, der daraufhin andribbelt.

    4. Mancini wird unter Druck gesetzt und verlagert das Spiel über den zentralen Mittelfeldspieler de Roon. Der rechte Innenverteidiger Tolói nimmt die Situation wahr und schaltet sich nach vorne ein.

    5. De Roon passt zu Iličić, der von Krajnc attackiert wird. Tolói und Hateboer laufen in die Tiefe, wodurch sie Überzahl in der Außenspur schaffen.

    6. Iličić passt zu Hateboer, der den gegnerischen Außenverteidiger andribbelt. Tolói hinterläuft ihn.

    1. Tolói passt zu de Roon, der sich zuvor fallengelassen hat. Nach seinem Abspiel setzt er sich nach vorne ab.

    2. De Roon passt zurück zu Tolói, der nach kurzem andribbeln über Pašalić auf die andere Seite verlagert.

    3. Pašalić passt zu Außenverteidiger Castagne, der von Ghiglione unter Druck gesetzt wird und ...

    4. ... zurück zu Pašalić passt. Dieser wird von Chibsah angelaufen.

    5. Der linke Innenverteidiger Mancini schaltet sich nach vorne ein, um den unter Druck stehenden Pašalić eine Anspieloption zu bieten, die er letztlich auch nutzt. Auf der ballfernen Seite schaffen de Roon, Hateboer und Iličić bereits eine Überzahl. Gómez bindet zwei zentrale Mittelfeldspieler.

    6. Statt die Überzahl in der Außenspur zu nutzen, entscheidet Mancini, zu Gómez zu passen, der mit dem Zuspiel auf die letzte Abwehrreihe dribbelt.

    1. Der rechte Innenverteidiger Tolói passt zum zentralen Djimsiti (nicht im Bild). Mit dem Pass setzen sich der linke Innenverteidiger Mancini und der zentrale Mittelfeldspieler Pašalić nach außen ab.

    2. Djimsiti passt zu Pašalić, der von Chibsah angelaufen und unter Druck gesetzt wird.

    3. Pašalić passt zurück zu Djimsiti (nicht im Bild). Auf der ballfernen Seite setzt sich bereits der zentrale Mittelfeldspieler de Roon nach außen ab, um die Außenspur erneut doppelt zu besetzen.

    4. Djimsiti verlagert das Spiel mit dem Pass zu de Roon auf die andere Seite.

    1. Castagne wird von einem Gegenspieler angelaufen und passt zurück zu Torhüter Gollini (nicht im Bild).

    2. Gollini verlagert das Spiel auf die andere Seite zum linken Innenverteidiger Masiello (nicht im Bild). Chiesa läuft ihn mit dem Zuspiel an.

    3. Masiello passt unter Druck stehend zu Außenverteidiger Gosens, der von Laurini angelaufen wird.

    4. Gosens leitet das Anspiel direkt in die Tiefe weiter zu ...

    5. ... Gómez, der jedoch ebenfalls durch Milenković attackiert wird, sodass auch er per Direktspiel in die Tiefe weiterleitet.

    6. Dort sichert Stürmer Zapata den Ball gegen Pezzella. Gómez startet in die Tiefe, erhält das Zuspiel von Zapata und kann mit viel Freiraum in Richtung gegnerisches Tor dribbeln.

Tormaschine der Liga

Nicht Meister Juventus Turin oder Vizemeister SSC Neapel sind die offensivstärksten Teams, sondern Atalanta, die in Liga und italienischem Pokal mit 84 Treffern (Stand: 23.05.2019) die meisten aller Serie A-Teams erzielten. Dabei fielen 50 Prozent der Tore nach Positionsangriffen, 31 Prozent nach Umschaltsituationen und 19 Prozent nach Standards.

Tore nach Positionsangriff

Baut Atalanta das Spiel vorzugsweise über die Außen auf, werden die meisten Treffer dennoch durch das Zentrum (57 Prozent) und etwas weniger über die Außen (43 Prozent) vorbereitet. Durch das Zentrum bestechen sie beim Herausspielen von Torchancen durch gut aufeinander abgestimmte Läufe in die Tiefe und präzise Schnittstellenpässe, wohingegen bei Angriffen über die Außen die Strafraumbesetzung eine entscheidende Rolle spielt. Hier kommen die im Spielaufbau offensiv agierenden Außen- und Innenverteidiger besonders zum Tragen.

    1. Der zentrale offensive Mittelfeldspieler Gómez dribbelt in der Zentrumsspur an.

    2. Dadurch, dass er keine zielgerichtete Lösung findet, passt er quer zum zentralen Mittelfeldspieler de Roon, der sich zuvor nach außen fallengelassen hat.

    3. Pašalić läuft in die Tiefe, bindet seinen Gegenspieler und öffnet damit einen Raum, der ein erneutes Zuspiel von de Roon zu Gómez ermöglicht.

    4. Gómez sucht und gewinnt das 1 gegen 1 mit Scozzarella. Pašalić läuft nach wie vor in die Tiefe.

    5. Gómez passt im richtigen Moment zu Pašalić, der zwischen den Verteidigern in den Strafraum an- und mitnimmt und den 1:1-Ausgleich erzielt.

    1. Der linke Innenverteidiger Masiello passt ins Zentrum zu Freuler.

    2. Freuler passt zu Stürmer Zapata, der die Innenverteidiger Andreolli und Cesar bindet und damit einen Raum für den in die Tiefe laufenden Iličić freizieht.

    3. Zapata legt direkt in den Lauf zu Iličić ab. Das Timing des Angriffs ist ideal und erlaubt es Iličić, frei in Richtung Tor zu dribbeln.

    1. Pašalić verlagert das Spiel mit einem Pass zu de Roon (nicht im Bild).

    2. De Roon leitet zu Gómez weiter, der sich zuvor in den Rücken des Gegners abgesetzt hat. Innenverteidiger Tolói läuft in die Tiefe in den Strafraum.

    3. Gómez nimmt den Laufweg von Tolói wahr und flankt aus dem Halbfeld zu ihm.

    4. Tolói verwertet per Kopf zum 2:3-Anschlusstreffer.

    1. Iličić dribbelt in den Strafraum und öffnet damit einen Raum in der Außenspur.

    2. Außenverteidiger Castagne läuft in diesen Freiraum und wird von Iličić per Hacke angespielt.

    3. Außenverteidiger Gosens und Gómez besetzen den ballfernen Pfosten, wo Verteidiger Laurini nicht beide im Blickfeld haben kann. Castagne erkennt die Überzahl und flankt zum ballfernen Pfosten.

    4. Gosens kann freistehend zum 3:1 einköpfen. Laurini ist nicht mehr in der Lage, entscheidend einzugreifen.

    1. Gosens passt zu Zapata und läuft nach seinem Zuspiel in die Tiefe. Außenverteidiger Castagne steht so breit wie nötig und so tief wie möglich.

    2. Zapata passt zu Gosens. Castagne bleibt auf der ballfernen Seite weiterhin außerhalb des Sichtfeldes aller Verteidiger.

    3. Gosens legt zurück auf den nach vorne aufgerückten Innenverteidiger Djimsiti. Castagne steht weiterhin außerhalb des Sichtfeldes der Verteidiger, insbesondere von Kouamé.

    4. Djimsiti passt flach ins Zentrum, wo Castagne aus Kouamés Rücken in den Ball läuft und zum 2:0 verwertet.

    1. Atalanta greift über die Außenspur an. Außenverteidiger Castagne passt zu Pašalić. In der Zwischenzeit besetzt der linke Innenverteidiger Mancini den Strafraum.

    2. Pašalić flankt aus dem Halbfeld in den Strafraum, wo Mancini in den Rücken seines Gegenspielers läuft.

    3. Mancini erzielt per Kopf die 1:0-Führung.

Tore nach Konterangriff

Nach Ballgewinnen werden die Umschaltaktionen schnell und vertikal ausgespielt sowohl von dem jeweils Ballführenden als auch von den Spielern ohne Ball. Die Bereitschaft, Konter „mitzugehen“, spricht für die Mentalität dieser Mannschaft.

    1. Innenverteidiger Gagliolo dribbelt an. Stürmer Barrow läuft ihn im Bogen so an, dass ein Pass ins Zentrum provoziert wird. Gómez, Iličić und de Roon verteidigen mannorientiert.

    2. Iličić, Gómez, Freuler, de Roon und Hateboer orientieren sich an ihren direkten Gegenspielern, um Anspieloptionen zu schließen und bei Zuspielen sofortigen Zugriff zu haben. Gaglioli passt ins Zentrum, woraufhin de Roon nach vorne verteidigt und den Ball erobert.

    3. De Roon dribbelt in Richtung Tor. Gómez, Barrow und Iličić laufen in die Tiefe.

    4. De Roon hat zwei Anspieloptionen: In den Lauf von Barrow oder von Iličić. Er entscheidet sich für die letztere. Iličić dribbelt zum Tor.

    5. Iličić schießt aus etwa 16 Metern und erzielt die 1:0-Führung.

    1. Bonaventura passt, von de Roon angelaufen, zu Çalhanoğlu. Innenverteidiger Tolói verteidigt nach vorne und kommt vor ihm an den Ball.

    2. Tolói passt zu de Roon und schaltet sich mit ein.

    3. De Roon passt zurück zu Tolói, der sich in den Rücken des Gegners abgesetzt hat und dribbelt in den freien Raum.

    4. Tolói passt in den Lauf von Rigoni. Gómez und Zapata laufen in die Tiefe.

    5. Rigoni passt zu Zapata. Gómez läuft außerhalb des Sichtfeldes seines Gegenspielers in den Strafraum.

    6. Zapata legt quer zu Gómez, der aus kurzer Distanz den 1:1-Ausgleich erzielt.

Geschwindigkeit als großes Defizit

Doch wie jedes Team, hat auch Atalanta mit Problemen zu kämpfen. Bei ihren 51 Gegentreffern kassierten sie 45 Prozent aus Positionsangriffen, 23 Prozent nach Umschaltaktionen und die übrigen 31 Prozent nach Standardsituationen – hier insbesondere nach Ecken, was aufgrund der Vielzahl kopfballstarker Spieler und der eigenen Stärke bei offensiven Ecken verwunderlich ist. Aus dem Spiel heraus hingegen fällt auf, dass Atalanta dann Schwierigkeiten bekommt, wenn sie schnelle in die Tiefe startende Spieler verteidigen müssen. Denn insbesondere die Innenverteidiger sind zwar physisch stark, jedoch haben sie Defizite bei hohem Tempo

    1. Zapata verliert den Ball gegen Veretout, der anschließend mit einem Dribbling einen Konter einleitet.

    2. Veretout passt zu Benassi. De Roon geht ins Gegenpressing, um den Konter möglichst frühzeitig zu unterbinden.

    3. De Roon bekommt jedoch keinen Zugriff auf den Ballführenden, auch weil Benassi per Direktspiel in die Tiefe zu Chiesa (nicht im Bild) weiterleitet.

    4. Chiesa wird von Palomino unter Druck gesetzt und passt zu dem in die Tiefe laufenden Muriel. Djimsiti und Masiello versuchen, dessen Tempo aufzunehmen, was ihnen jedoch nicht gelingt.

    5. Die Verteidiger können Muriels Tempo nicht mitgehen, sodass dieser freistehend vor dem Torhüter die 1:0-Führung erzielt.

    1. Andreolli passt zu Depaoli, der von Freuler angelaufen wird. Hetemaj läuft in die Tiefe. Masiello nimmt seinen Laufweg auf und lässt sich fallen.

    2. Depaoli spielt den Ball hinter die letzte Abwehrreihe zu Meggiorini. Die Verteidiger Djimsiti und Masiello gehen ins Laufduell mit Meggiorini und Hetemaj.

    3. Djimsiti verliert das Laufduell gegen Meggiorini. Gollini kann dessen ersten Abschluss zunächst noch abwehren.

    4. Mit dem zweiten Versuch trifft Meggiorini jedoch ins leere Tor zur 1:0-Führung.

Klarer Plan – innovative Ideen – super Mentalität

Atalanta Bergamo überzeugt unter Trainer Gasperini mit einer klaren Spielidee, die im Defensivspiel von Intensität, mannorientiertem Deckungsverhalten und einer aggressiven Zweikampfführung geprägt ist. Im Offensivspiel können sie mit der innovativen Idee, die Innenverteidiger bis ins Angriffsdrittel einzubinden, und den sehr offensiv ausgerichteten Außenverteidigern für eine hohe Präsenz im Strafraum sorgen. Zudem wirkt Atalanta wie ein eingeschworenes Team mit einer hervorragenden Mentalität.

Ich denke nicht, dass ein Trainer seine Spieler besser machen kann, aber er kann im Rahmen ihrer Fähigkeiten das beste aus ihnen herausholen.

Gian Piero Gasperini, Cheftrainer Atalanta Bergamo