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Aktive Erholung vs. passive Erholung

Aktive Regeneration zwischen zwei Wettkämpfen hat keinen Einfluss auf oxidative Stressmarker

Medizin & Athletik
Nationalspielerin Turdi Kraak trainiert während der FIFA-Frauen-WM 2019 an einem Gerät in einem Fitnessraum.
    • Vergleich von aktiver und passiver Erholungsstrategie zwischen zwei Wettkämpfen innerhalb von 72 h im Frauenfußball.
    • Aktive Erholung bestand aus 30 min lockeren Radfahrens (60 % max. Herzfrequenz) und 30 min leichten Widerstandstrainings (50 % des Ein-Wiederholungsmaximums).
    • Laborwerte: Oxidative Stressmarker im Blut (21, 45, 69 h nach dem Wettkampf) werden durch die verordnete aktive Erholung nicht reduziert.
    • Maßnahmen zur Erholung sollten individuell angepasst werden.

Abstract

Leichte Bewegung nach intensiver Belastung soll helfen, sich schneller zu erholen. Antioxidantien und Ermüdungsmarker im Blut zeigen jedoch an, dass der sogenannte oxidative Stress durch eine aktive Erholung (Radfahren und Widerstandstraining) bei getesteten Profifußballerinnen am Folgetag(en) nicht reduziert werden kann. Dieser soll die Symptome der körperlichen Erschöpfung mit auslösen. Ob die angewandte Wiederherstellungsstrategie andere Funktionsebenen (z. B. zentrales Nervensystem) beeinflusst, war nicht Gegenstand der Studie.

Bewegung zur Erholung

Strategien zur Wiederherstellung bei der Erholung nach einer intensiven Trainingseinheit oder einem Wettkampf gibt es viele (aktive und passive Methoden). Gerade bei Turnieren, bei denen häufig nur zwei Tage zwischen den Wettkämpfen liegen, ist eine effektive Erholung sehr wichtig. Eine der weit verbreiteten Maßnahme ist dabei eine leichte körperliche Aktivität durch Beanspruchung der großen Muskelgruppen. Joggen, Radfahren, Aquajogging oder leichtes Krafttraining (Widerstandstraining) sollen dabei die Regeneration fördern und Muskelschmerzen vorbeugen. Die aktive Erholung gehört zu den am häufigsten verwendeten Regenerationsverfahren in der Praxis. Aber lässt sich tatsächlich auch messen, ob die leichte Bewegung bei geringer Intensität hilft?

Oxidantien und Antioxidantien

In einer Studie aus dem Jahr 2010 haben Helena Andersson und Kollegen untersucht, in wie weit sich bestimmte Stoffe, die auf einen sogenannten oxidativen Stress hinweisen, im Blut ändern, wenn sich Profifußballerinnen nach dem Spiel leicht bewegen oder ausruhen [1]. Oxidativer Stress steht im Verdacht, körperliche Erschöpfungssymptome auszulösen und biologische Strukturen zu schädigen. In der Studie zeigte sich, dass Antioxidantien und anderen sogenannte oxidative Stressmarker zwar nach dem Spiel in allen Fällen anstiegen. Es machte aber keinen Unterschied, ob sich die untersuchten Spielerinnen aktiv oder passiv erholten, sich also einfach komplett ausruhten.
Frühere Studien haben gezeigt, dass männliche Fußballspieler bei einem Wettkampf verstärkt Oxidantien ausschütten. Diese greifen zum Beispiel die Zellen an und lösen Entzündungen aus. Wenn bei starker körperlicher Belastung Oxidantien ausgeschüttet werden, führt dies zum oxidativen Stress. Antioxidantien bauen die Oxidantien ab und sorgen für ein Gleichgewicht. Oxidative Stressmarker zeigen an, ob die schädlichen Oxidantien tatsächlich abgebaut werden.

Profispielerinnen in Bewegung und Ruhe

In der Studie wurden 16 Spielerinnen aus der ersten schwedischen und norwegischen Liga untersucht, die zwei Wettkämpfe innerhalb von vier Tagen absolvierten. Eine Gruppe führte nach dem ersten Wettkampf eine einstündige Phase der aktiven Erholung durch (22 und 46 h nach dem Wettspiel). Diese bestand aus einer halben Stunde lockeren Radfahrens (60 % der maximalen Herzfrequenz) und einer halben Stunde leichten Widerstandstrainings (50 % des Ein-Wiederholungsmaximums). Die Kontrollgruppe ruhte sich währenddessen aus. Allen Spielerinnen wurde vor, nach und zu verschiedenen Zeiten (21, 45, 69 h) zwischen den beiden Spielen Blut abgenommen und dieses analysiert.

Theorie und Praxis

Theoretisch soll die leichte körperliche Betätigung helfen, die während der starken körperlichen Belastung im Muskel und Blut angesammelte Milchsäure abzutransportieren und abzubauen. Dadurch soll das sogenannte Milieu für die Antioxidantien begünstigt werden, die die schädliche Oxidantien abbauen. Wenn also die Milchsäure abtransportiert und das Gewebe weniger sauer wird, können die Antioxidantien wirken.
Auch soll die zusätzliche Bewegung verhindern, dass die Körperkerntemperatur in der Ruhephase schnell abfällt. Wenn dies geschieht, wird das zentrale Nervensystem angeregt, wodurch der Körper schwerer zu Ruhe kommt und der Schlaf leiden kann. Darüber hinaus wird davon ausgegangen, dass eine aktive Erholung verhindern könnte, dass leichte Muskelverletzungen vernarben. Manche Forscher gehen auch von einem positiven Einfluss auf das Immunsystem aus [2]. Dennoch scheinen diese Effekte der aktiven Erholung keinen Einfluss auf messbare Blutparameter und die Leistungsfähigkeit am Folgetag zu haben.

Kein Nutzen, kein Schaden

Zwar zeigten auch andere Studien keine Hinweis auf eine durch aktive Erholung begünstigte Wiederherstellung der messbaren sportlichen Leistung (Counter-Movement-Jump, 20 m Sprint und maximale isokinetische Kniebeugung und -streckung) am Folgetag [3]. Dennoch berichten viele Spielerinnen und Spieler davon, dass ihnen das leichte Bewegungstraining hilft, sich nach dem Wettkampf zu erholen. Da die Regeneration immer individuell ist und auch keine schädliche Wirkung der aktiven Erholung festgestellt werden konnte, kann diese bei Bedarf auch durchgeführt werden. Eine Studie aus dem Jahr 2018 hat zudem gezeigt, dass die Kombination von leichter Bewegung, Stretching und Muskellockerung nach dem Wettkampf durchaus bei der Erholung helfen kann. Regeneration sollte dabei jedoch immer individuell angepasst werden.

Die Inhalte basieren auf der Originalstudie "Active recovery training does not affect the antioxidant response to soccer games in elite female players.", die 2010 im „British Journal of Nutrition" veröffentlicht wurde.

Literatur

  1. Andersson, H., Karlsen, A., Blomhoff, R., Raastad, T., & Kadi, F. (2010). Active recovery training does not affect the antioxidant response to soccer games in elite female players. British journal of nutrition, 104(10), 1492-1499.

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    1. Andersson, H., Karlsen, A., Blomhoff, R., Raastad, T., & Kadi, F. (2010). Active recovery training does not affect the antioxidant response to soccer games in elite female players. British journal of nutrition, 104(10), 1492-1499.

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    2. Rey, E., Padrón-Cabo, A., Barcala-Furelos, R., Casamichana, D., & Romo-Pérez, V. (2018). Practical active and passive recovery strategies for soccer players. Strength & Conditioning Journal, 40(3), 45-57.

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    3. Nédélec, M., McCall, A., Carling, C., Legall, F., Berthoin, S., & Dupont, G. (2013). Recovery in soccer. Sports medicine, 43(1), 9-22.

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