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Heuschnupfen: Leistungssportler häufiger betroffen

Die allergische Reaktion wird im Profisport oftmals unterschätzt

Medizin & Athletik
Die deutsche Nationalmannschaft trainiert draußen auf einem Fußballplatz. Es sind viele Bäume und die Sonne im Hintergrund zu sehen.
    • Der allergische Schnupfen zählt zu den häufigsten Atemwegserkrankungen.
    • Die Angaben über die Verbreitung des Heuschnupfens unter Leistungssportlern schwanken. Es wird davon ausgegangen, dass vergleichsweise mehr Sportler als Nichtsportler betroffen sind.
    • Mögliche Gründe für ein höheres Auftreten des Heuschnupfens unter Athleten sind: Training im Freien, größeres Atemvolumen, Mundatmung, belastungsinduzierter Anteil weißer Blutkörperchen.
    • Obwohl es bisher keine Studien gibt, die einen direkten Zusammenhang nachweisen, ist es wahrscheinlich, dass die Leistung bei Sportlern mit Heuschnupfen eingeschränkt ist.

Abstract

Heuschnupfen ist weltweit stark verbreitet und 10-40 % der Bevölkerung leidet darunter [3]. Profisportler sind dabei besonders häufig betroffen. Obwohl es bisher keine Studien gibt, die einen direkten Zusammenhang untersuchen, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die Symptome des Heuschnupfens stark auf den Schlaf, die Lebensqualität und die Leistung von Sportlern auswirken.

Des einen Freud, des anderen Leid

Die Nase läuft, die Augen tränen und jucken, das Atmen fällt schwer. Wo es andere freudig nach draußen zieht, leiden Allergiker: Der Sommer ist da und mit ihm die Heuschnupfensaison. Für Sportler wie Fußballer, die vor allem draußen spielen und trainieren, häufig eine Qual. Sind Leistungssportler aber tatsächlich häufiger von der sogenannten allergischen Rhinokonjunktivitis, wie der Heuschnupfen medizinisch genannt wird, betroffen? Wie sehr beeinflussen die kleinen Pollen Faktoren, wie den Schlaf und die Lebensqualität? Und wie leistungsfähig ist man als Sportler noch, wenn der Heuschnupfen zuschlägt? Verschiedene Studien [1–6] haben sich in den letzten Jahren dem Thema gewidmet und kommen zu dem Schluss, dass Heuschnupfen bei Sportlern unterschätzt und zu selten behandelt wird.

Sportler häufiger betroffen

Der allergische Schnupfen zählt zu den häufigsten Atemwegserkrankungen, unter dem ca. 20 % der Normalbevölkerung mindestens einmal im Leben leidet [4]. In manchen Ländern sollen vier von zehn Einwohner von der sogenannten allergischen Rhinokonjunktivitis betroffen sein. Bei Leistungssportlern scheint der Anteil sogar noch höher zu sein. So hatten in einer Studie finnische Eishockeyprofis in 58 % der Fälle (51 von 88 Athleten) eine verstärkte Allergieneigung, jedoch nur 36 % der untersuchten Nichtsportler (17 von 47 Nichtsportlern) [5]. Von den potentiellen australischen olympischen und paralympische Athleten, die vor den Olympischen Sommerspielen 2000 untersucht wurden, berichtete die Hälfte (488 von 977 Athleten) von Symptomen einer allergischen Rhinokonjunktivitis [6]. Ein Haut-Pricktest war sogar bei 547 von 977 Sportlern (56 %) positiv gegenüber Allergenen, die über die Luft verbreitet werden.

Dass vor allem Leistungssportler zu Heuschnupfen neigen, könnte an ihrem veränderten Immunsystem liegen. Es hat sich gezeigt, dass das harte körperliche Training über eine lange Zeit zu einer verstärkten Umbildung bestimmter weißer Blutkörperchen (zum sogenannten Th2-Phänotyp) führen kann. Dies kann dafür sorgen, dass es bei Athleten häufiger zu Erkrankungen der oberen Atemwege und auch zu allergischen Symptomen kommt.

Auch andere Faktoren können dazu führen, dass Sportler häufiger unter Heuschnupfen leiden. Dadurch, dass beim Sport häufiger geatmet wird und bis zu 200 Liter Luft pro Minute durch die Atemwege strömen, können in kürzerer Zeit auch mehr Allergene eingeatmet werden. Wird zusätzlich noch durch den offenen Mund statt durch die Nase geatmet, wird die Luft nicht ausreichend erwärmt und gefiltert und die Allergene können auf der ausgetrockneten Schleimhaut besonders gut in den Körper gelangen. Zudem sind besonders jene Sportler von Heuschnupfen betroffen, die im Freien trainieren. Es trifft auch besonders junge Menschen zwischen 10 und 25 Jahren. Dies ist meist das Alter, in dem die Profilaufbahn von Sportlern Fahrt aufnimmt.

Die Leistung leidet

Bisher gibt es zwar keine Studien, die direkt die Lebensqualität oder die Leistungsfähigkeit von Sportlern mit Heuschnupfen untersuchen. Dennoch ist davon auszugehen, dass die Symptome des Heuschnupfens die Leistung deutlich herabsetzen. Typische Symptome des Heuschnupfens beinhalten eine juckende, verstopfte und laufende Nase sowie Niesen. Zusätzlich kann es zu juckenden und tränenden Augen kommen. All diese Symptome können direkt oder indirekt die Lebensqualität und die sportliche Leistung stark beeinflussen.

Eine verstopfte Nase kann zu Schnarchen und einem unterbrochenen Schlaf führen. Dadurch kann es zu Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit kommen, beides fatal für die sportliche Leistungsfähigkeit. Die veränderte Luftstromdynamik und der Luftaustausch einer verstopften Nase können sich möglicherweise negativ auf die Leistung auswirken. Beispielsweise wurde bei betroffenen Athleten eine längere 10 km Laufzeit und größere Erschöpfung festgestellt [7]. Personen mit einer allergischen Rhinitis, die einer Pollenbelastung ausgesetzt wurden, zeigten eine Verringerung in der Reaktionszeit und der Aufmerksamkeit [8]. Darüber hinaus könnte gerade beim Sprinten eine eingeschränkte Nasenatmung die Leistung negativ beeinflussen.
Zudem verursacht ein chronischer Heuschnupfen auch andere Beschwerden, wie häufige Entzündungen der Nasennebenhöhlen oder auch Asthma. Bei Allergikern können zusätzlich verstärkt sogenannte Zytokine freigesetzt werden. Dies sind Proteine, die das Wachstum und die Differenzierung von Zellen regulieren. In Versuchen wurde festgestellt, dass es zu erheblich schwächeren Leistungen führt, wenn Zytokine verabreicht werden. 

Insgesamt ist es für Sportler mit Allergien besonders wichtig, sich im Training an den aktuellen Wetter- und Umweltbedingungen zu orientieren und sich ärztlich zu Behandlungsmöglichkeiten beraten zu lassen. Eine geeignete Behandlung beginnt mit einer korrekten Diagnose und Identifizierung von auslösenden Faktoren.

Die Inhalte basieren u. a. auf der Studie "Allergic rhinoconjunctivitis in elite athletes.”, die 2003 in "Sports Medicine" veröffentlicht wurde.

Literatur

  1. Katelaris, C. H., Carrozzi, F. M., & Burke, T. V. (2003). Allergic rhinoconjunctivitis in elite athletes. Sports Medicine, 33(6), 401-406.

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    1. Katelaris, C. H., Carrozzi, F. M., & Burke, T. V. (2003). Allergic rhinoconjunctivitis in elite athletes. Sports Medicine, 33(6), 401-406.

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    2. Dijkstra, H. P., & Robson-Ansley, P. (2011). The prevalence and current opinion of treatment of allergic rhinitis in elite athletes. Current opinion in allergy and clinical immunology, 11(2), 103-108.

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    3. Radulovic, S., Calderon, M. A., Wilson, D., & Durham, S. (2010). Sublingual immunotherapy for allergic rhinitis. Cochrane database of systematic reviews, (12).

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    4. Bachert C, Borchard U, Wedi B, Klimek L, Rasp G, Riechelmann H, et al. Allergische rhinokonjunktivitis - Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). Allergo J. 2003;12(3):182–94.

    5. Lumme, A., Haahtela, T., Öunap, J., Rytilä, P., Obase, Y., Helenius, M., ... & Helenius, I. (2003). Airway inflammation, bronchial hyperresponsiveness and asthma in elite ice hockey players. European Respiratory Journal, 22(1), 113-117.

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    6. Katelaris, C. H., Carrozzi, F. M., Burke, T. V., & Byth, K. (2000). A springtime Olympics demands special consideration for allergic athletes. Journal of allergy and clinical immunology, 106(2), 260-266.

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    7. Robson-Ansley, P. J., Milander, L. D., Collins, M., & Noakes, T. D. (2004). Acute interleukin-6 administration impairs athletic performance in healthy, trained male runners. Canadian journal of applied physiology, 29(4), 411-418.

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    8. Komarow, H. D., & Postolache, T. T. (2005). Seasonal allergy and seasonal decrements in athletic performance. Clinics in sports medicine, 24(2), e35-e50.

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