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Leichte Verletzung: Weiterspielen oder Auswechseln?

„Stay & Play“: medizinische Maßnahmen, um die Spielfähigkeit zu bewahren

Medizin & Athletik
Leroy Sané fasst sich nach seiner Verletzung an das rechte Schienbein, die er sich beim Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und Serbien zugezogen hat.
    • Unter „Stay & Play“ versteht man Präventionsmaßnahmen, Diagnostik- und Therapiestrategien bei leichten Verletzungen, die den Spieler möglichst ohne Zeitverlust sofort auf das Spielfeld zurückzubringen sollen.
    • Dabei kommt es auf die Fähigkeiten des medizinischen Teams, die individuellen Voraussetzungen der Spieler und der Art der Verletzung an.
    • Insbesondere bei leichten traumatischen Verletzungen und Überlastungssyndromen kann nach den „Stay & Play“-Strategien vorgegangen werden.
Abstract

Nicht jede Verletzung im Fußball führt zwangsläufig zu einer Spiel- bzw. Trainingspause. Während schwere Verletzungen und deren anschließende Rückkehr in das Training und das Spiel häufig untersucht werden, gibt es zur Behandlung von leichten Verletzungen nur wenig verlässliche Belege in der Forschung. Eine Studie hat das Akutmanagement am Spielfeldrand, die Diagnostik und den Einsatz konservativer Therapie bei leichten Verletzungen zusammengefasst. Mit dem Begriff „Stay & Play“ werden geeignete medizinische Maßnahmen bei leichten Verletzungen verbunden, die eine Fußballpause verhindern sollen.

Diagnose auf dem Spielfeld

Im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen stehen häufig schwerwiegende Verletzungen (z. B. Kreuzbandrisse oder Achillessehnenrisse), da sie zu langen Ausfallzeiten führen. Ärztliche Leitlinien mit gesicherten Belegen, wann Spieler bei leichten Verletzungen geschont werden sollten und wann sie unter Umständen sogar weiterspielen können, gibt es derzeit kaum. Werner Krutsch von der Universitätsklinik Regensburg und Kollegen erachten die bisherige Klassifikation von leichten Verletzungen:

  1.  Ohne Fußballpause, kein fehlendes Spiel
  2.  Mit Fußballpause, mindestens ein fehlendes Spiel

als verbesserungsbedürftig. Mit dem Ziel, leicht verletzte Spieler möglichst ohne Zeitverlust sofort auf das Spielfeld zurückzubringen, wird in der analysierten Studie eine detailliertere Klassifizierung von leichten Verletzungen vorgenommen. Entscheidend dabei sind die medizinischen Maßnahmen („Stay & Play“) die passend zu den unterschiedlichen Verletzungstypen, beispielsweise als Akutmanagement auf dem Platz, durchgeführt werden (s. TAB. 01).    

Die Tabelle klassifiziert den Typ der leichten Verletzung, beschreibt die Ausfallzeit für diesen und ordnet jedem einzelnen die notwendige "Stay & Play"-Strategie zu.
Worauf es ankommt

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass es durchaus möglich ist, Spieler bei leichten Verletzungen sowohl im Training als auch im Spiel zu belassen. Dabei sind für diese Entscheidung die Fachexpertise und die Erfahrungen des betreuenden medizinischen Stabs wichtig. Konkret kommt es besonders darauf an, möglichst bereits am Spielfeldrand die richtige Diagnose zu stellen, gut mit den Spielern und Trainern zu kommunizieren (s. TAB. 02) und mögliche Langzeitfolgen sorgsam abzuwägen. In die Entscheidungsfindung werden auch spielrelevante Faktoren mit einbezogen. Handelt es sich um ein entscheidendes Spiel? Wie belastungsintensiv ist das kommende Training oder Spiel? Wie wichtig ist es, im Spiel zu bleiben? Dabei kann und darf den Spielern bei leichten Verletzungen die Entscheidung nie vollständig abgenommen werden.

Darstellung des Informationstransfers geordnet nach Zeitpunkt der Information, dendazugehörigen Hintergründen und möglichen Folgend der Inforamationsweitergabe.
Typische „Stay & Play“-Verletzungen

Verletzungen, die nach dem „Stay & Play“-Prinzip behandelt werden können, sind zum Beispiel sogenannte traumatische Verletzungen, wie Prellungen, Verletzungen der Haut, Verstauchungen oder Muskelzerrungen. Sogar Brüche der Finger oder Arme bei Feldspieler können mit entsprechenden Protektoren versorgt werden, ohne dass die Spieler zwangsläufig ausfallen müssen.

Neben den traumatischen Verletzungen kann auch bei Überlastungssyndromen, beispielsweise der Lendenwirbelsäule, des Iliosakralgelenks, der Schambein- und Leistenregion oder der Achillessehne, mit dem „Stay & Play“-Prinzip verfahren werden. Um zu verhindern, dass eine Überlastung chronisch wird oder auch um Folgeverletzungen zu verhindern, ist es sehr wichtig, auf Warnsignale einer Verschlechterung der Beschwerden zu achten. Treten beispielsweise zunehmende Schmerzen in der Leistenregion auf, kann dies schlimmstenfalls sogar zu einem Abriss der Adduktorenmuskulatur führen. 

Konservative Therapien

Neben dem Akutmanagement unter Beachtung der PECH-Regel sowie einer ausreichenden Erste-Hilfe-Ausrüstung, kommen bei einer weiterführenden Behandlung sogenannte konservativen Therapien, also Therapien ohne Operation, zum Einsatz. Diese können eine große Bandbreite haben. Dazu gehören z. B. manuelle Therapien, Medikamente, Nadeltechniken, Tapes und Verbände sowie Physio- und Trainingstherapie.

Ob und in welcher Form ein „Stay & Play“ in Frage kommt, hängt insgesamt von der Art der Verletzung, spielrelevanten Faktoren, der Einschätzung des medizinischen Stabs, dem Empfinden des Spielers und der Kommunikation im gesamten Team ab.  

Die Inhalte basieren auf der Studie „Stay and Play “im Fußball, die 2018 in "Der Unfallchirurg" veröffentlicht wurde.

Literatur

  1. Krutsch, W., Eder, K., Krutsch, V., & Meyer, T. (2018). „Stay and play“ im Fußball. Der Unfallchirurg, 121(6), 433-440.
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