Talententwicklung

Schnelle Spieler*innen beschleunigen das Spiel

Die Schnelligkeit im Fußball ist äußerst komplex – darauf bereitet das Talentförderprogramm vor.

Talententwicklung
Zweikampf im Training des Talentförderprogramms
Wir benötigen größere Quantität in der Qualität. Das umfasst Präzision, Aktivität und die nötige Dynamik in jeder Spielsituation.
Joti ChatzialexiouSportlicher Leiter der Nationalmannschaften
Ausbildungsschwerpunkt: Schnelles Erfassen und zielorienentiertes Lösen wechselnder Situationen

Das immer variablere und komplexere Spiel stellt ganz spezielle Anforderungen an Spieler*innen von heute und morgen. Sie müssen immer neue Situationen bestenfalls antizipieren, in kürzester Zeit erfassen, blitzschnell bewerten und in Sekundenbruchteilen mit einer passenden Lösung (re)agieren. Diese extremen Situationsveränderungen machen damit die eigentliche „Dynamik“ des Spiels aus. Die Geschwindigkeit einer Aktion selbst ist nur ein Teilaspekt. 

Denn noch so sprintstarke Spieler*innen sind letztlich ineffektiv, wenn sie Situationen zu spät erfassen und sie nicht unter Zeit-, Raum- und Gegnerdruck lösen. Primäres Ziel ist es, dass Spieler*innen diese „Dynamik“ des Spiels aktiv bestimmen, also aussichtsreiche Situationsveränderungen selbst auslösen und mit der nötigen Präzision und dem nötigen Tempo umsetzen. Auf diese Spielanforderungen sind die jungen Spielerinnen und Spieler rechtzeitig und regelmäßig vorzubereiten.

Qualitätsmerkmale von „Dynamik im Fußball“ und Ausbildungsziele im DFB-Talentförderprogramm
  • Das Vorauserkennen von Spielabläufen verschafft zeitliche Vorsprünge!
  • Durch Vororientierung bestmögliche Spielfortsetzungen vorbereiten!
  • Effiziente, durchaus kreative Lösungen herausfiltern und konsequent umsetzen!
  • Auslöser-Signale für eine Tempo-Aktion in Richtung gegnerisches Tor erkennen!
  • Eine eingeleitete Tempoaktion zielorientiert zu Ende bringen!
  • Die Abläufe aller Aktionen im Team richtig „timen“!
     

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Stützpunkt-Spielformen im Video

Für das Fördern und Fordern der Qualitätsmerkmale und Komponenten fußballspezifischer Schnelligkeit eignen sich variantenreiche Spielformen, in denen die Spieler*innen lernen, aussichtsreiche Merkmale einer Situation herauszufiltern und als „Startschuss“ für eine zielstrebige, temporeiche Aktion zu erkennen. Das können beispielsweise das schnelle Umschalten nach Ballgewinn, das konsequente Spiel in die Tiefe oder explosive Torabschlüsse sein!

    • 5 gegen 5 auf 2 Tore mit Torhüter*innen. Aus dem variablen Kombinieren bzw. im Anschluss an eine Einzelaktion zum Abschluss kommen.
    • Der/die Trainer*in bewegt sich um das Feld und passt bei einem Tor- oder Seitenaus bzw. einem Tor sofort einen neuen Spielball ins Feld.
    • Die Spieler*innen orientieren sich parallel zum Spiel auf die Tore permanent über die aktuelle Position der Trainer*innen.
       

 

Das dynamische Lösen herausfordernder Spielsituationen ist regelmäßiger Schwerpunkt des Stützpunkttrainings. Die Spielaufgaben sind dabei dem aktuellen Können der Spielerinnen angepasst! Das Spieltempo und die Komplexität der Abläufe müssen kontrollierte Lösungen zulassen!

    • Team A startet die Aktionsfolge, indem die/der Erste bis mit einem Zielschuss auf das Mini-Tor des Gegners abschließt und sofort auf Defensive umschaltet.
    • Mit dem Abschluss von Blau starten sofort 2 Spieler*innen von B, um im 2 gegen 1 einen Treffer bei einem Mini-Tor gegenüber zu erzielen.
    • Nach gleichem Muster und schnellem Umschalten folgt ein 2 gegen 3 und schließlich ein 3 gegen 3.

Ein blitzartiger Wechsel zwischen Offensiv- und Defensivaktionen ist ein weiteres Merkmal des heutigen Fußballs, auf das die Spieler*innen rechtzeitig vorbereitet werden müssen. Dazu eigenen sich Spielformen, bei denen nach einem eigenen Abschluss unmittelbar eine Defensivaktion folgt.

    • Team A startet die Aktionsfolge, indem die/der Erste auf das gegnerische Tor mit Torhüter*in abschließt und sofort auf Defensive umschaltet.
    • Mit dem Abschluss von A starten sofort 2 Spieler*innen von B, um im 2 gegen 1 einen Treffer beim Tor gegenüber zu erzielen.
    • Nach gleichem Muster und schnellem Umschalten folgt ein 2 gegen 3, 4 gegen 3, 4 gegen 5 und schließlich ein 5 gegen 5.
       

Ein Merkmal heutiger Angriffskonzeptionen sind plötzliche Rhythmus- und Tempowechsel nach einer Aufbauphase, um mit größtmöglicher Dynamik in die Tiefe auf das Tor des Gegners anzugreifen. Mit kleinen Spielformen können diese komplexen Anforderungen bereits in diesem Alter simuliert werden.

    • Das Spiel startet jeweils im freien Spiel 3 gegen 3 in der Mittelzone auf „Sichern des Balles“.
    • Wenn ein Team dabei 5 (7, 10) Zuspiele in Folge schafft, darf direkt ein Angriff auf eines der 4 Mini-Tore starten.
    • Bei einem Tor oder Toraus beginnt wieder ein 3 gegen 3 in der Mittelzone. Dazu passt der/die Trainer*in einen Ball ins Feld.

Das sichere, variable Kombinieren ist nicht Selbstzweck, sondern ein effektives Mittel zur Vorbereitung eines Angriffs auf das gegnerische Tor. Exakt auf diese Anforderungen hinsichtlich des Zusammenspiels, des schnellen Orientierens im Raum und zielorientierter Abschlussaktionen bereiten ausgesuchte Spielvarianten vor.

    • Das Spiel beginnt jeweils mit einem 5 gegen 5 in der Mittelzone auf „Ballsicherung“.
    • Wenn ein Team dabei 5 (7, 10) Zuspiele in Folge schafft, darf direkt ein Angriff auf eines der beiden Tore starten.
    • Bei einem Tor oder Toraus beginnt wieder ein 5 gegen 5 in der Mittelzone.

Nur dynamische, aber dennoch präzise Abläufe im Training bringen die nötigen Lernimpulse für das Wettspiel. Mit diesen Anforderungen müssen wir unsere Spieler*innen rechtzeitig konfrontieren.
Markus HirteSportlicher Leiter der DFB-Talentförderung