Drei Fragen an...

Joti Chatzialexiou

Wie das "Projekt Zukunft" Deutschland wieder zurück an die Weltspitze führen soll

HEIDELBERG, GERMANY - SEPTEMBER 09: Joti Chatzialexiou during the Fritz-Walter-Medal Awarding Ceremony on September 9, 2018 in Heidelberg, Germany. (Photo by Andreas Schlichter/Bongarts/Getty Images)
    • "Joti" Chatzialexiou ist Sportlicher Leiter der deutschen Nationalmannschaften
    • Er ist seit 2003 beim DFB, wo er als Teammanager der Nationalmannschaften anfing. Seit 2018 verantwortet er die Nationalmannschaften und Trainerstäbe der Frauen sowie Männer. Außerdem leitet er die Talentförderung mit dem Talentförderprogramm, den Leistungszentren und den Eliteschulen des Fußballs, die Abteilung Scouting & Spiel-Analyse sowie die Experten der Nationalmannschaften.

Für Joti Chatzialexiou ist die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen eine Herzensangelegenheit. Und gerade hier sieht der Sportliche Leiter der Nationalmannschften noch deutlichen Nachholbedarf, vor allem im internationalen Vergleich.

1) Was war letztlich der Impuls zum „Projekt Zukunft“? Haben die anderen Fußball-Nationen aufgeholt beziehungsweise Deutschland sogar überholt?

Chatzialexiou: Aktuell hat es den Anschein. Die Probleme, die wir erkennen, hatten auch andere Nationen wie beispielsweise Frankreich und England. Sie haben sich dann bei anderen Fußball-Nationen umgeschaut, viele Impulse und Denkanstöße gesammelt, dann aber das eigene System ganz spezifisch angepasst. Dies ist auch unsere Aufgabe – keine Kopie einer anderen Nation zu sein, sondern den eigenen – den deutschen – Weg zu gehen. Jede Verzögerung innerhalb dieses Prozesses hilft der Konkurrenz, uns zu überholen oder sogar zu enteilen.

2) Auf welche Projekte und Inhalte wird es dabei beim „Projekt Zukunft“  am meisten ankommen?

Chatzialexiou: Wir haben uns auf die Trainer-Ausbildung, die Wettbewerbe und die Förderstrukturen konzentriert. Dort sehen wir die größten Herausforderungen, aber auch die größtmöglichen Effekte. Ziel ist es, unsere Spieler individuell besser auszubilden. Dabei haben unsere Trainer eine entscheidende Rolle. Deshalb setzten wir in Kürze eine neuen Ausbildungsreform um, durch die die Trainer zukünftig noch intensiver begleitet werden. Den Kindertrainern als erste Sichter und Förderer unserer Talente kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Wir müssen die Qualität dieser großen Gruppe steigern. Unsere Kinder sind keine Mini-Erwachsenen, sie benötigen eine kindgerechte Ausbildung. Um das zu erreichen, wollen wir die Wettbewerbsformate im Kinder-, aber auch im Elitebereich anpassen. Es soll keine einseitige Fixierung auf kurzfristige sportliche Erfolge und dem damit verknüpften Ergebnisdruck auf Trainer und Spieler im Jugendbereich geben. Außerdem möchten wir ein System kreieren, indem unsere Förderstrukturen nicht in Konkurrenz zueinanderstehen. Wir benötigen Strukturen, die mit Blick auf die unterschiedlichen Entwicklungsverläufe auch unterschiedliche Erfolgswege ermöglichen. Wir müssen weg von der Selektion und wieder hin zur individuellen Ausbildung. Momentan werden noch zu häufig die aktuell Besten oder Ältesten gefördert, aber nicht zwingend die Talentiertesten. Deshalb sollten wir im Jugendbereich den Erfolg der Entwicklung unterordnen!

3) Welche Rolle spielen dabei die DFL, die Vereine und die Landesverbände?

Chatzialexiou: Eine ganz zentrale, denn das „Projekt Zukunft“ ist eine Qualitätsoffensive aller Kräfte im deutschen Fußball, durch die alle Institutionen wieder enger zusammenrücken. Unsere Spieler und Trainer rücken dabei in den Mittelpunkt, damit wir den Talente-Pool in Deutschland optimal ausschöpfen. Wir sollten uns alle als Dienstleister und Impulsgeber für unsere Protagonisten sehen und dabei die persönlichen Interessen in den Hintergrund stellen. Deshalb sind wir auch viel bei den Vereinen und Landesverbänden vor Ort und tauschen uns regelmäßig aus. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit diesem engen Teamwork wieder zurück an die Weltspitze kommen!

 
Momentan werden noch zu häufig die aktuell Besten oder Ältesten gefördert, aber nicht zwingend die Talentiertesten. Deshalb sollten wir im Jugendbereich den Erfolg der Entwicklung unterordnen!
Joti Chatzialexiou, Sportlicher Leiter Nationalmannschaften