Spielanalyse

AS Monaco – mit Tempo und Variabilität zum Titelanwärter

Das Team von Niko Kovač hat sich mit starken Leistungen in die Spitzengruppe der Ligue 1 gespielt.

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Kevin Volland, Angreifer vom AS Monaco, jubelt nach seinem Tor im Ligaspiel gegen Stade Brest.
  1. Christopher Toetz

    Christopher Toetz, Redakteur der DFB-Trainerzeitschrift „Fußballtraining“, analysiert Qualitätsmerkmale im internationalen Fußball.

Die AS Monaco ist eine der Überraschungen der bisherigen Saison. Mit 71 Punkten nach 34 Spielen stehen sie auf dem dritten Platz der Ligue 1 – nur 2 Punkte hinter dem Tabellenführer OSC Lille. Mit 71 Treffern stellen sie zudem nach Paris St. Germain die zweitbeste Offensive. Das Team von Cheftrainer Niko Kovač spielt auf hohem Niveau und bringt konstant gute Leistungen. Die Grundformation variiert der Coach je nach Gegner, was aufzeigt, dass die Spieler seine Spielidee mittlerweile verinnerlicht haben und sehr diszipliniert umsetzen. Egal ob mit Dreier- oder Viererkette, einer oder zwei Spitzen, AS Monaco ist immer auf die jeweiligen Gegner eingestellt.

Diszipliniertes Pressing

Die Monegassen sind eine sehr diszipliniert verteidigende Mannschaft. Nach einem schwierigen Saisonstart und vielen Gegentoren stellen sie mittlerweile die fünftbeste Defensive der Liga (38 Gegentore), wobei sie in den letzten 6 Ligaspielen gar nur ein Gegentor kassierten. Das Pressing, das meist in den vorderen beiden Dritteln stattfindet, bildet die Basis der Spielidee und ist die Grundlage für den Erfolg. Sie verteidigen sehr kompakt und jeder ist für den anderen da. Im ballnahen Raum agieren sie mannorientiert und schaffen es so (zusammen), Druck auf den Ballführenden auszuüben und Fehler zu provizieren. Zusätzlich sind sie mit ihren großgewachsenen Innenverteidigern stets dazu in der Lage, auch lange Bälle problemlos zu verteidigen.

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Schnelles Umschalten nach Ballgewinn

Nach einer erfolgreichen Balleroberung schaltet Monacos Mannschaft im Verbund geschickt und schnell um. Abhängig davon, in welcher Spielfeldebene der Ball erobert wurde, setzt die Mannschaft das Spiel variabel fort. Dabei wird möglichst versucht, den ersten Ball in die Tiefe zu spielen. Wissam Ben Yedder oder Kevin Volland sind hier gute Anspielstationen und finden zumeist kreative Lösungen zur Spielfortsetzung. Alle anderen Spieler rücken schnellstmöglich nach und versuchen, den Umschaltmoment und die Unordnung des Gegners auszunutzen. 

    1. Der gegnerische zentrale defensive Mittelfeldspieler (ZDM) erobert den "zweiten" Ball und dribbelt in Richtung Tor, wobei er umgehend von vier Seiten unter Druck gesetzt wird. Letztlich ist es Fofana, der den Ball erobert und sofort aus dem Druck herausdribbelt.

    2. Mit dem Dribbling laufen drei Angreifer in die Tiefe, wobei Ben Yedder bereits auf Höhe der letzten Linie ist. Fofana nimmt die Situation wahr und passt in dessen Lauf.

    3. Ben Yedder erläuft den Pass, dribbelt im hohen Tempo in den Strafraum und überwindet den Torwart (TW) mit einem sehenswerten Lupfer.

    1. Nach einem Rückpass rückt Monaco auf und setzt den gegnerischen Torwart (TW) unter Druck, der daraufhin einen hohen Pass nach vorne spielt.

    2. Im anschließenden Kopfballduell setzt sich Sidibé gegen den Außenverteidiger (AV) durch. Den freien Ball sammelt Tchouaméni auf, ...

    3. ... der in Richtung Tor an- und mitnimmt. Mit der Annahme läuft Gelson Martins bereits in die Tiefe und fordert ein Zuspiel, das er auch erhält.

    4. Gelson Martins erläuft das Zuspiel, dribbelt in den Strafraum und schließt erfolgreich in die ballnahe Ecke ab.

Mit Dynamik und Beweglichkeit zum Tor

Im Positionsangriff bevorzugen die Monegassen ebenfalls ein temporeiches und zielstrebiges Passspiel. Dafür suchen sie vermehrt den Weg über die dynamischen Spieler in den Außen- und Halbspuren. Mit Caio Henrique, Gelson Martins, Sofiane Diop und Ruben Aguilar verfügt Monaco über Schnelligkeit, Agilität und Durchsetzungsvermögen. Mithilfe eines abgestimmten Zusammenspiels kombinieren sie sich in ausreichtsreiche Positionen, aus denen sie mit einer Hereingabe hinter oder vor die Abwehr die abschlussstarken Spieler im Zentrum anspielen. Allein Wissam Ben Yedder und Kevin Volland verzeichnen zusammengerechnet 33 Tore und 12 Assists, womit sie an rund 63% der Teamtore beteiligt sind.

    1. Positionsangriff: Die Monegassen agieren mit eingerückten Angreifern, worauf der Gegner mit einer engen Formation reagiert und die Außenspuren öffnet. Disasi nutzt die Situation und passt zum weit aufgerückten Außenverteidiger Caio.

    2. Mit der Annahme von Caio läuft Volland bereits in die Tiefe, zieht so den gegnerischen Innenverteidiger (IV) mit und öffnet den Passweg zu Ben Yedder. Diesen nutzt Caio und passt zu Ben Yedder, ...

    3. ... der direkt in den Lauf von Volland spielt. Mit dem Pass laufen bereits einige Angreifer in die Tiefe. Volland nimmt in Richtung Grundlinie an und mit ...

    4. ... und schlägt eine Hereingabe auf den ballferne Pfosten, wo Aguilar außerhalb der Sichtfelder der Verteidiger einläuft.

    5. Aguilar passt mit dem ersten Kontakt zu Diop, der die Vorlage zum Führungstreffer verwertet.

    1. Ballbesitz in der Außenspur: Ballo-Touré nimmt das Zuspiel vom eigenen Innenverteidiger an, lockt den ballnahen äußeren Mittelfeldspieler (AMF) und passt in den Lauf von Diop, der das Spiel mit einem Dribbling fortsetzt.

    2. Diop dribbelt den Außenverteidiger (AV) an und bindet diesen. Ballo-Touré hinterläuft Diop und schafft so ein 2 gegen 1 gegen den AV. Diop passt zu Ballo-Touré, ...

    3. ... der seine Bewegungsdynamik nutzt und eine präzise Flanke auf den ballfernen Pfosten schlägt, wo Monaco ebenfalls eine Überzahl hat. Letztlich ist es Golovin, der die Hereingabe mit einem Direktschuss verwertet.

Offensive Standards

Wenn AS Monaco aus dem Spiel heraus mal weniger gelingt, haben sie als zusätzliche "Waffe" ihre Standards in Petto. Neben 11 Strafstößen erzielten sie bereits 19 Treffer nach Ecken und Freistößen. Hier stechen die Innenverteidiger Guillermo Maripán (5), Axel Disasi (3) und Benoît Badiashile (2) mit insgesamte 10 Treffern als torgefährlichste Verteidiger der Liga heraus. Insbesondere bei Eckbällen zeigen sich das Team um Nico Kovač mit einstudierten Varianten und einer Vielzahl von großen Spielern gefährlich. Dafür nutzen sie Bewegungen außerhalb des Sichtfelds der Verteidiger, um sich einen Bewegungs- und Geschwindigkeitsvorteil zu verschaffen.

Gelingt die Überraschung?

AS Monaco hat sich nach einem holprigen Start gefunden und spielt seit Dezember eine beeindruckende Saison mit konstant guten Leistungen. Es wird spannend zu beobachten, inwieweit sie dieses Niveau bis zum Saisonende aufrechterhalten können – gerade wenn man das relativ schwere Restprogramm betrachtet. Hierbei könnten wiederum die Stärken im Umschaltspiel zum Tragen kommen.

[Stand: 29.04.2021]

Niko Kovač hat einen guten Weg gefunden, die Stärken seiner Spieler zu nutzen. Er schafft es, von Spiel zu Spiel je nach Gegner und Notwendigkeit auf hohem Niveau geschickt zu variieren, personell wie taktisch.
Bixente Lizarazu, Ligue 1-Experte
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