Spielanalyse

Der getarnte pass

Mit überraschenden Zuspielen die gegnerischen Linien überspielen!

Toni Kroos bei einem Pass
  1. Marius Fischer

    Marius Fischer, Redakteur der DFB-Trainerzeitschrift „Fußballtraining“, analysiert Qualitätsmerkmale im internationalen Fußball.

Der Begriff getarnter Pass" leitet sich aus dem englischen disguised pass" ab und bezeichnet ein Zuspiel, bei dem der Passgeber in eine andere Richtung spielt als er blickt. Mittels dieses Überraschungsmoments lassen sich Verteidigungslinien überspielen und Angriffe einleiten.

Peripheres Sehen

Ein Fußballer muss im Spiel in kürzester Zeit viele Entscheidungen treffen. Dabei muss er permanent seine Umgebung wahrnehmen, um auf neue Spielsituationen zu reagieren. Da das zentrale Blickfeld hierbei begrenzt ist, spielt das „periphere Sehen" eine entscheidende Rolle für die Handlungsschnelligkeit und Entscheidungsfindung. Es ermöglicht dem Spieler, seine wahrgenomme Fläche zu vergrößern und somit seine Orientierung auf dem Platz zu verbessern. Vor allem zentrale Mittelfeldspieler müssen über diese hervorragende Vororientierung verfügen, da sich überall um sie herum mehrere Mit- und Gegenspieler befinden.

Kein "blindes" Zuspiel

Dieses periphäre Sehen sorgt dafür, dass der „getarnte Pass" nicht mit dem sogenannten „No-Look-Pass" gleichzusetzen ist. Dieser sieht zwar spektakulär aus, dient allerdings ausschließlich als Trickpass. Bei der „getarnten" Variante geht es vielmehr um eine Manipulation der Gegenspieler. Der Passgeber nimmt seine Umgebung genau wahr und erkennt in der Tiefe einen potenziellen Passempfänger. Dennoch deutet er mit seiner Blickrichtung und Körperstellung bewusst ein horizontales Zuspiel an. Die dadurch entstehenden Bewegungen der Gegner hin zur seitlichen Passoption öffnen nun den Passweg in die Tiefe.

/
Kompakte Gegner überspielen

Vor allem gegen tiefstehende, kompakte Mannschaften ergeben sich selten Möglichkeiten für einen linienüberspielenden Vertikalpass. Viele Gegner verschieben so konsequent und geordnet, dass keine offenen Passwege entstehen. Hier kann der „getarnte Pass" ein geeignetes Mittel sein, um den Gegner zum horizontalen Verschieben zu provozieren und dadurch Räume für ein Spiel in die Tiefe zu öffnen.

Man muss zu jeder Zeit wissen, wo genau man sich gerade auf dem Spielfeld befindet.
Sergio Busquets, Mittelfeldspieler vom FC Barcelona
Weiterführende Links