3 Fragen an...

...Mark Hübner-Weinhold

Leadership by Game of Thrones

Mark Hübner-Weinhold beim Leadership-Festival 2019
    • Bildungsmanager, Führungskräfteberater und Hochschuldozent. Leitet den Campus Weiterbildung der HAW Hamburg, Norddeutschlands größter Fachhochschule.
    • Hat über 25 Jahre als Journalist gearbeitet, davon 16 Jahre als Redakteur beim Hamburger Abendblatt.
    • Liverpool-Fan und Filmmusikliebhaber. Lebt mit seiner Familie im Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein.

Mark Hübner-Weinhold schlägt eine Brücke zwischen der erfolgreichsten Fernsehserie aller Zeiten und umsetzbarem Praxiswissen im Führungsalltag.

Frage Nummer 1:
Sie analysieren seit vielen Jahren das Führungsverhalten von realen und fiktiven Charakteren. Was denken Sie, ist der häufigste Fehler, und wie könnten Leader diesen zukünftig vermeiden?

Die meisten Mitarbeiter kommen wegen des Jobs und der Firma – und gehen wegen des Chefs. Warum ist das so? Weil bei erschreckend vielen Führungskräften eine Lücke klafft zwischen den Werten, die eine Firma in ihren Leitlinien offiziell verankert hat und dem tatsächlichen Verhalten, das die Mitarbeiter täglich beobachten können. Studien belegen: Je höher das Vertrauen eines Mitarbeiters in seinen Chef ist, desto höher dessen Engagement. Zwischen Vertrauen und Motivation besteht eine sehr hohe Korrelation. Der häufigste Fehler von Führungskräften ist also, dass sie eine Vertrauenslücke erzeugen. Das hat vielfältige, oft auch kombinierte Gründe:

  • Führungskräfte leben die Werte nicht, die sie selbst predigen und erwarten.
  • Sie halten ihre Versprechen nicht, sind oft nicht ansprechbar und geben keine Antworten.
  • Es mangelt ihnen an Respekt für andere Menschen, sie interessieren sich nicht für die Persönlichkeiten in ihrem Team und sie hören nicht wirklich zu.
  • Sie begreifen nicht, dass Führung zuerst bedeutet, der Gemeinschaft zu dienen und nicht sich selbst.

Eine wirksame Führungskraft sind Sie nicht qua Status, Organigramm oder Visitenkarte. Nachhaltig wirksam können Sie nur sein, wenn Sie sich das Vertrauen der Mitarbeiter jeden Tag ein bisschen mehr erarbeiten. Nur, wenn Sie wie ein Vorbild handeln, können Sie Vertrauensmacht gewinnen. Und nur so funktioniert das Prinzip „Führende haben Folgende“. Wer Ihnen als Führungskraft nicht vertraut, wird Ihnen vielleicht auf Anweisung oder Befehl folgen, aber nur widerwillig. Und damit werden Sie auf Dauer keinen Erfolg haben.


Frage Nummer 2:
In Ihrem Buch "Leadership by Game of Thrones - Wirksamer führen mit den Helden von Westeros" stellen Sie das Führungsverhalten der Protagonisten der Serie dar. Welcher Charakter könnte einem Fußballtrainer als Vorbild dienen und was könnte er konkret von der Figur lernen?

Jeor Mormont: Der Lordkommandant der Nachtwache setzt Jon Schnee, den vermutlich besten Schwertkämpfer der Nachtwache, nicht als Grenzer ein, sondern als seinen persönlichen Kämmerer, weil er in ihm das Potenzial erkennt, sein Nachfolger zu werden. Prüfen Sie als Trainer also zum Beispiel, ob ein junger Kicker, der unbedingt als Stürmer spielen will, nicht vielleicht jemand ist, der sich mit seiner Übersicht und seinem Spielverständnis besser für eine Mittelfeldposition eignet. Und impfen Sie ihm ein, erst einmal von den erfahrenen Spielern zu lernen.

Tyrion Lennister: Der kleinwüchsige Held schafft es immer wieder, sich auch aus ausweglosen Situationen heraus zu manövrieren. Seine Rede bei der Verteidigung von Königsmund gegen Stannis Baratheon ist ein Musterbeispiel für eine motivierende Kabinenansprache im Abstiegskampf. Tyrion ist ein Meister flexibler Kommunikation. In Konfliktsituationen beharrt er nicht auf einer starren Position, sondern versucht, das Interesse des Gegenübers zu verstehen. Oft bietet er als dritte Alternative eine Lösungsalternative C an, die beiden Interessen entgegenkommt. Von Tyrion können Trainer auch lernen, mit unbequemen Fragen von Journalisten umzugehen: Wenn Sie sich über einen verbalen Angriff ärgern und dagegen ankämpfen, ist das oft nicht wirksam, weil Sie im Rahmen des Angreifers bleiben. Lassen Sie sich nicht auf das Niveau ein, bleiben Sie souverän, kontern Sie mit Humor oder Ironie, und würdigen Sie, was Sie mit der Mannschaft erreicht haben.

Ned Stark: Der rechtschaffene Lord von Winterfell ist ein Mann klarer Werte und übernimmt konsequent Verantwortung. „Der Mann, der ein Urteil fällt, soll auch das Schwert führen“, lautet einer seiner Leitsätze. Wenn Sie sich als Trainer also von einem Spieler oder einem Mitarbeiter trennen wollen, dann führen Sie das Trennungsgespräch selbst – respektvoll, ehrlich und klar. Wenn das Verhalten Ihres Vereinsvorstands nicht mit Ihren Werten übereinstimmt, dann ziehen Sie Ihre persönlichen Konsequenzen – so wie Ned, der den Job als Hand des Königs hinwirft, als Robert die minderjährige Daenerys ermorden lassen will.


Frage Nummer 3:
Ein Team besteht im besten Fall aus ganz unterschiedlichen Charakteren. Wenn Sie eine Fußball-Mannschaft zusammenstellen würden, welche Protagonisten von „Game of Thrones“ würden Sie aufstellen und warum?

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3 Umsetzungstipps

  • Führen heißt dienen. Handeln Sie zum Wohle anderer Menschen, nicht aus Selbstsucht. Überlegen Sie stets, ob Ihr Verhalten der Sache dient. Und stellen Sie sich bei jeder Entscheidung die Frage: Wie hilft das meinem Team?
  • Hören Sie auf, alles perfekt planen zu wollen. Bereiten Sie sich professionell vor, aber entscheiden Sie und fangen Sie einfach an, Dinge umzusetzen. Es gibt keinen perfekten Plan oder Zeitpunkt. Nutzen Sie die Fehler, die passieren, um daraus zu lernen und den Prozess kontinuierlich zu verbessern.
  • Wer sich auf Probleme fokussiert, befasst sich nicht mit Lösungen. Denken und handeln Sie stets in Lösungen – und nicht in Problemen. Damit sorgen Sie für eine optimistische Haltung auch in schwierigen Situationen.
Eine wirksame Führungskraft ist man nicht qua Status, Organigramm oder Visitenkarte.
Mark Hübner-Weinhold